BIZZ-Exklusiv
27.02.2013

„Es gibt zu viele CO2-Zertifikate im Markt“

Foto: Statkraft, Statkraft Markets
Jürgen Tzschoppe, Statkraft Markets

Jürgen Tzschoppe, Geschäftsführer von Statkraft Markets, im Interview mit BIZZ energy today über die Probleme von Gaskraftwerken, den Emissionshandel und Kapazitätsmärkte.

BIZZ energy today: Herr Tzschoppe, Sie nehmen in diesem Jahr in der Nähe von Köln eine neues Gaskraftwerk in Betrieb. Ist das nicht mutig? Viele Betreiber klagen, mit Gaskraftwerken ließe sich kein Geld mehr verdienen.

Anzeige

 
Jürgen Tzschoppe: Knapsack ist eine der modernsten Anlagen weltweit, es wäre schon extrem bedauerlich, wenn es nicht gelingt, die Anlage vernünftig im Markt zu platzieren. Fakt ist aber, dass man momentan die Investition nicht mehr reinholen kann.
 
BIZZ e.t.: Woran liegt das?
 
Tzschoppe: Das Kernproblem ist der Emissionshandel in der EU. Als der aufgelegt wurde, ging man von steigenden Stromverbräuchen aus. Wegen der Krise im Euroraum sind die Verbräuche aber zuletzt gesunken. Es gibt zu viele CO2-Zertifikate im Markt. Wenn die Mengen nicht mehr passen, gerät das System aus dem Ruder. Entweder schaffen wir einen starken Emissionshandel, oder wir müssen das Marktdesign auf die eine oder andere Weise ändern.
 
BIZZ e.t.: Was ist für den auskömmlichen Betrieb nötig?
 
Tzschoppe: Die Frage der Wirtschaftlichkeit orientiert sich nicht an den Betriebsstunden, sondern an der Höhe der Deckungsbeiträge. Wenn man in einer kurzen Betriebsdauer mit höheren Deckungsbeträgen operieren kann, ist das auch in Ordnung. Man kann auch den Betreiber dafür entschädigen, dass er Kapazitäten vorhält. Dafür  könnte er dann mit niedrigeren Margen pro Betriebsstunde leben.
 
BIZZ e.t.: Sie meinen mit einem Kapazitätsmarkt?
 
Tzschoppe: Wir sind da in einem Dilemma. Der Emissionshandel ist die billigste Art, Kohlendioxid zu reduzieren. Wenn das System aber keine Chance hat, brauchen wir eine andere Lösung. Ein Beispiel war die „Large Combustion Plant Directive“ der EU. Sie zwingt Anlagen, die die Umwelt stark verschmutzen, zur Umrüstung oder Ausmusterung. Bezüglich CO2 geht diese Regelung jedoch noch nicht weit genug. Auch Kapazitätsmärkte könnten mit einer Umweltkomponente ausgestattet werden. 
 
BIZZ e.t.:  Ist ein nationaler Kapazitätsmarkt sinnvoll, oder brauchen wir eine europäische Lösung?
 

Anzeige

b style="letter-spacing: 0px; color: rgb(0, 0, 0); font-family: Times; font-size: medium; ">BIZZ energy today: Herr Tzschoppe, Sie nehmen in diesem Jahr in der Nähe von Köln eine neues Gaskraftwerk in Betrieb. Ist das nicht mutig? Viele Betreiber klagen, mit Gaskraftwerken ließe sich kein Geld mehr verdienen.

 
Jürgen Tzschoppe: Knapsack ist eine der modernsten Anlagen weltweit, es wäre schon extrem bedauerlich, wenn es nicht gelingt, die Anlage vernünftig im Markt zu platzieren. Fakt ist aber, dass man momentan die Investition nicht mehr reinholen kann.
 
BIZZ e.t.: Woran liegt das?
 
Tzschoppe: Das Kernproblem ist der Emissionshandel in der EU. Als der aufgelegt wurde, ging man von steigenden Stromverbräuchen aus. Wegen der Krise im Euroraum sind die Verbräuche aber zuletzt gesunken. Es gibt zu viele CO2-Zertifikate im Markt. Wenn die Mengen nicht mehr passen, gerät das System aus dem Ruder. Entweder schaffen wir einen starken Emissionshandel, oder wir müssen das Marktdesign auf die eine oder andere Weise ändern.
 
BIZZ e.t.: Was ist für den auskömmlichen Betrieb nötig?
 
Tzschoppe: Die Frage der Wirtschaftlichkeit orientiert sich nicht an den Betriebsstunden, sondern an der Höhe der Deckungsbeiträge. Wenn man in einer kurzen Betriebsdauer mit höheren Deckungsbeträgen operieren kann, ist das auch in Ordnung. Man kann auch den Betreiber dafür entschädigen, dass er Kapazitäten vorhält. Dafür  könnte er dann mit niedrigeren Margen pro Betriebsstunde leben.
 
BIZZ e.t.: Sie meinen mit einem Kapazitätsmarkt?
 
Tzschoppe: Wir sind da in einem Dilemma. Der Emissionshandel ist die billigste Art, Kohlendioxid zu reduzieren. Wenn das System aber keine Chance hat, brauchen wir eine andere Lösung. Ein Beispiel war die „Large Combustion Plant Directive“ der EU. Sie zwingt Anlagen, die die Umwelt stark verschmutzen, zur Umrüstung oder Ausmusterung. Bezüglich CO2 geht diese Regelung jedoch noch nicht weit genug. Auch Kapazitätsmärkte könnten mit einer Umweltkomponente ausgestattet werden. 
 
BIZZ e.t.:  Ist ein nationaler Kapazitätsmarkt sinnvoll, oder brauchen wir eine europäische Lösung?
 
Tzschoppe: Auf europäischer Ebene besteht zumindest auf absehbare Zeit kein Mangel an Kraftwerkskapazitäten. Wir müssen das Rad auch nicht neu erfinden, es gibt ja schon Ansätze in Frankreich, Spanien und Großbritannien. 
Karsten Wiedemann
Keywords:
Statkraft | Gaskraftwerke | BIZZ-Exklusiv | Kapazitätsmärkte | Knapsack | Jürgen Tzschoppe
Ressorts:
Markets

Neuen Kommentar schreiben

 

Newsletter bestellen – Wunschausgabe erhalten

Jetzt den wöchentlichen
Newsletter bizz energy weekly abonnieren
und eine Ausgabe
Ihrer Wahl kostenlos erhalten.

Hier geht es zur Aktion!

 
 

bizz energy Research

Energie, Digitalisierung und Mobilität.
Unsere Factsheets bieten visualisierte Daten, liefern Fakten und stellen Zusammenhänge zu den Top-Themen der Energiewende dar.


Mehr Informationen