BIZZ-Exklusiv
15.02.2013

„Flüssiggas ist als alternativer Kraftstoff erforderlich“

Linde AG
Thomas Tork, Senior Business Development Manager LNG, Linde Group

Der Anteil von Flüssiggas am internationalen Gashandel wird in den nächsten Jahren steigen. Bis 2030 wird sich der Markt auf zehn Milliarden Euro mehr als verdoppeln, sagt Linde-Manager Thomas Tork im Interview mit BIZZ energy today.

BIZZ energy today: Herr Tork, welchen Einfluss hat flüssiges Gas (LNG) auf den internationalen Gasmarkt? 

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Thomas Tork: Der Anteil von LNG am internationalen Energiemarkt nimmt in den letzten Jahren kontinuierlich zu. Heute erfolgt rund zehn Prozent des weltweiten Erdgashandels in Form von Flüssiggas – Tendenz steigend. Außerdem partizipiert LNG natürlich an der insgesamt steigenden Bedeutung von Erdgas, dessen Nachfrage nach Analysen der Internationalen Energieagentur bis 2035 das gleiche Niveau wie die nach Kohle erreichen wird. Wir rechnen daher damit, dass sich der Markt für Erdgasverflüssigungs-Anlagen zwischen 2015 und 2030 von weltweit drei bis vier Milliarden Euro auf mindestens zehn Milliarden Euro vervielfachen wird. 

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BIZZ e.t.: Was bedeutet das für den deutschen Energiemarkt?
Tork: Auf dem deutschen Markt spielte LNG bisher keine so große Rolle, da wir unser Erdgas nach wie vor überwiegend per Pipeline beziehen. Insbesondere in der Schifffahrt aber wächst auch hierzulande das Interesse an LNG zurzeit rapide.

BIZZ e.t.: Wird durch LNG der Gaspreis für Industrie- oder private Kunden sinken?

Tork: Die Liberalisierung der Gasmärkte, die Verbindung der Märkte über LNG, das per Schiff zwischen Amerika, Europa und Asien transportiert werden kann, und nicht zuletzt der Schiefergas-Boom in den USA haben dazu geführt, dass die Kopplung der Gaspreise an die Ölpreise erheblich unter Druck geraten ist. Über die Gasbörsen in Deutschland und in Europa wird bereits ein Großteil der Mengen gehandelt, und diese dienen zunehmend der Preisbildung. Das gilt aber wegen der regional sehr unterschiedlichen Angebots- und Nachfragesituation nicht auf allen Märkten. Wir gehen jedenfalls davon aus, dass im Vergleich zu ölbasierten Produkten über die nächsten zehn Jahre eine signifikante Preisdifferenz bestehen bleiben wird.

BIZZ e.t.: Braucht Deutschland künftig einen eigenen LNG-Hafen oder genügen Häfen an den Grenzen zu Polen und den Niederlanden?

TorK: Welchen Beitrag LNG zur Diversifizierung der Versorgung mit Pipelinegas in Deutschland liefern kann und ob dazu ein LNG-Importterminal im Weltmaßstab in Deutschland erforderlich ist, müssen die großen Gasimporteure beantworten. Für die Versorgung des Schwerlastverkehrs und der Schifffahrt mit einem alternativen Kraftstoff ist eine LNG-Versorgungsstruktur indes unbedingt erforderlich. Hier ist Linde aktiv am Infrastrukturaufbau beteiligt und verfolgt gemeinsam mit Partnern Projekte in Deutschland.

BIZZ e.t.: Welche Bedeutung hat Flüssiggas als ökologischerer Treibstoff für die Schifffahrt. Wann lohnt das sich für Reeder und Schiffsbetreiber?

Tork: Als sauberster fossiler Brennstoff ermöglicht LNG die Einhaltung der immer strikteren Emissionsgrenzen der International Maritime Organisation, die ab 2015 im ganzen Nord- und Ostseegebiet wirksam werden. Vorausschauende Häfen und Reeder in den so genannten Emission Control Areas werden daher bereits heute aktiv. Eine in diesem Jahr von der Hamburg Port Authority gemeinsam mit Linde durchgeführte Machbarkeitsstudie bescheinigt LNG gute Aussichten für einen wirtschaftlichen Einsatz im Hamburger Hafen. Unser Joint-Venture-Unternehmen Bomin Linde LNG plant dort bereits den Bau eines LNG-Terminals. Auch in anderen Häfen Nordeuropas partizipiert Linde am Trend zu LNG: In Lysekil nahe Göteborg werden wir ein mittelgroßes Terminal für Flüssig gas errichten.

Niels Hendrik Petersen
Keywords:
Linde | Flüssiggas | LNG | Thomas Tork | Schiefergas | Pipeline
Ressorts:
Technology | Markets

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