EEG-Umlage
09.10.2012

„Gefahr für Energiewende“

Foto: Juwi

Die Umlage für das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) fällt im kommenden Jahr deutlich höher aus. Das Bundesumweltministerium rechnet mit einem Anstieg um 50 Prozent auf 5,3 Cent pro Kilowattstunde. BIZZ energy today fragte Experten: Ist die Energiewende noch finanzierbar?

Günther Cramer, Aufsichtsratsvorsitzender und Gründer der SMA Solar Technology
„Die Energiewende ist von Politik und Bevölkerung gewollt, der Übergang in eine dezentrale regenerative Energieversorgung aber nicht zum Nulltarif zu haben. Investitionen zahlen sich bereits aus: 400.000 Arbeitsplätze im Bereich der Erneuerbaren und eine Vielzahl innovativer Technologien sind entstanden. Lösungen für die zukünftige Energieversorgung wie Smart Grid, Netzintegration oder Speicherung werden vorangetrieben, unsere Technologieführerschaft bei den Erneuerbaren ausgebaut. Zudem werden die Kosten für Klima- und Umweltschäden aus der konventionellen Stromerzeugung zurückgeführt, die Preise an der Strombörse sinken mit wachsendem Anteil der Erneuerbaren. Gleichzeitig setzt die im EEG verankerte kontinuierliche Senkung der Fördersätze Anreize zu Kostenreduktion. Die erneuerbaren Energien werden so zunehmend wettbewerbsfähig gegenüber den fossilen Energieträgern, deren Preise weiterhin unabsehbar steigen. Allein bei der Solarenergie wurde die Förderung in den vergangenen drei Jahre mehr als halbiert. In ein bis zwei Jahren werden erste Anlagen keine Förderung mehr benötigen. Die Energiewende stellt daher mittelfristig ein Kostensenkungsprogramm dar.“

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Holger Krawinkel, Verbraucherzentrale Bundesverband
„Es ist die Frage, wie belastbar Wirtschaft und Bevölkerung sind. Unter finanziellen Gesichtspunkten muss es für den Teil der Bevölkerung, der Transferleistungen erhält, einen Ausgleich geben. Die steigenden Energiekosten können sonst dazu führen, dass die Energiewende von einem immer größeren Teil der Bevölkerung in Frage gestellt wird. Da sehe ich das wirkliche Problem. Ich glaube, dass es jetzt darauf ankommt, sich die bisher gemachten Fehler einzugestehen, vor allem im Umweltlager. Man hat nicht das umgesetzt, was das Gesetz verlangt: Eine Vergütung, die kostendeckend ist. In vielen Bereichen, etwa bei Windenergie an Land in Schleswig-Holstein, ist sie schon jetzt mehr als kostendeckend. Da werden übermäßig hohe Renditen erwirtschaftet. Vertreter von Umweltschutz und Ökologie müssen hierzu jetzt Vorschläge machen. So wichtig es ist, über die Industriebefreiung oder den Merit-Order-Effekt zu diskutieren, das ist nicht der Kern des Problems. Der besteht darin, dass sich die durchschnittliche Einspeisevergütung für Erneuerbare seit 2000 verdoppelt hat: von 8,5 Cent auf über 16 Cent pro Kilowattstunde.“ 

Rudolf Martin Siegers, Leiter Siemens Deutschland
„Dass wir heute einen so hohen Anteil an erneuerbarer Energie haben, verdanken wir dem EEG. Es diente auch in einigen anderen Ländern als Vorbild für eine Starthilfe beim Aufbau regenerativer Quellen. Regelmäßige Anpassungen, je nach Ausbaustatus und technologischer Entwicklung, sind dabei ganz natürlich. Als weiterer Schritt ist das Marktprämienmodell ein guter Ansatz, um die Direktvermarktung zu fördern. Es gibt Anlagebetreibern Anreize, ihren erneuerbar erzeugten Strom statt über das EEG lieber direkt zu vermarkten. Aber die Erneuerbaren müssen schnell lernen, damit sie sich zukünftig auch ohne solche Anreize am Markt zurechtfinden. Und es müssen die nächsten Schritte zur Marktintegration vorbereitet werden. Da aufgrund der hohen Photovoltaik-Einspeisung in Deutschland Neubau und Betrieb hocheffizienter Gas- und Dampf-Kraftwerke unrentabler geworden sind, muss das Marktmodell angepasst werden. Ein neues Design sollte so marktbasiert wie möglich sein und die Kosten verursachungsgerecht verteilen.“

Hubert Weiger, Vorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)
„Die EEG-Umlage als Sündenbock für hohe Stromkosten zu denunzieren, ist inte­ressengeleitet. Es gibt weit stärkere Treiber: zunehmend teure Ressourcen sowie die Steuern auf Energie. Seit 2002 sind die Verbraucherpreise für Strom um zehn Cent pro Kilowattstunde gestiegen. Die EEG-Umlage hat sich aber nur um drei Cent erhöht. Folglich haben mehr als zwei Drittel der Preiserhöhungen nichts mit den Erneuerbaren zu tun. Peter Altmaier unternimmt zu wenig, um sämtliche Vorteilsnehmer der Energiewende an den Kosten zu beteiligen. Über 700 stromintensive Unternehmen sind von der EEG-Umlage befreit. Sie verbrauchen fast ein Fünftel des deutschen Stroms, zahlen aber nur 0,3 Prozent der EEG-Umlage. Es ist daher an der Zeit, die Ausnahmen von der EEG-Umlage zu beschränken.“

Karsten Wiedemann
Keywords:
EEG-Umlage | Erneuerbare Energie | Erneuerbare Energien Gesetz | Stromkosten
Ressorts:
Governance

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