BIZZ-Exklusiv
15.04.2013

„Große Überkapazitäten“

Foto: Alstom
Jérôme Pécresse

Jérôme Pécresse, Chef der Erneuerbaren-Sparte beim Industriekonzern Alstom, über die momentane Situation der Windindustrie, das Potenzial von Solarenergie und das Deutschland-Geschäft.

Herr Pécresse, ist ein Projekt wie die Energiewende nicht wie geschaffen für einen Industriekonzern?

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Jérôme Pécresse: Ja, absolut. Die Energiewende wird den Energiemix drastisch verändern. Aber es wird nach unserer Überzeugung nicht die eine Lösung geben, um die Energieversorgung zu sichern. Es geht um einen Mix. Alstom ist in allen Bereichen aktiv, in der thermischen Energieerzeugung, der Netztechnik und wir bauen unsere Aktivitäten bei den erneuerbaren Energien stetig aus. 

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Wo konkret?

In diesen Tagen geht unsere Offshore-Turbine Haliade in den Testbetrieb. Offshore-Windkraft ist für Alstom ein wichtiges Thema. Wir werden hier noch weiter investieren. Auch die maritime Energie ist interessant, auch wenn wir hier insgesamt über einen überschaubaren Markt sprechen. Wir haben vor kurzem die Gezeitenkraftwerkssparte von Rolls Royce übernommen.

Wie sieht es bei der Solarenergie aus?

Wir sehen für uns kein Potenzial in der Photovoltaik. In der Solarthermie ist Alstom über die Beteiligung an Bright Source engagiert. Das Unternehmen arbeitet an der konzentrierten Solarenergie. Über einen Turm wird Sonnenlicht gebündelt und auf Spiegel projiziert. Die Anlagen lassen sich auch mit Speichern kombinieren. Wir halten diese Turm-Technologie für sehr vielversprechend, etwa für Nordafrika, den Nahen Osten oder den Westen der USA.

Wie beurteilen Sie die momentane Lage der Windindustrie?

Es gibt signifikante Überkapazitäten im Markt. Die Preise für Windturbinen sind seit 2009 um mehr als 25 Prozent gesunken. Ich gehe von einer weiteren Konsolidierung aus. Aber das kann sich noch einige Jahre hinziehen. Bei den Betreibern sehen wir einen Wechsel zu den großen Energiekonzernen.

Lässt sich im Turbinengeschäft überhaupt noch Geld verdienen? 

Im Moment ist es für jeden Hersteller schwierig. Die Margen sinken. Wir müssen also in der gesamten Produktionskette noch effizienter werden. Die gute Nachricht ist, dass wir bei der Onshore-Windkraft nahe an der Netzparität liegen.

Im vergangenen Jahr zeigte Alstom Interesse an einer Übernahme von Repower. Wie sieht es aktuell aus? Sind Akquisitionen geplant?

Zur Zeit sehen wir keinen Bedarf. Wir verfolgen die Strategie eines Medium-Size-Players. Mit der Ecotecnia-Akquisition und unserer Offshore-Turbine sind wir gut aufgestellt. 

Wir schätzen Sie den deutschen Windmarkt ein?

In Deutschland hat die Onshore-Windkraft weiterhin großes Potenzial, beispielsweise beim Thema Repowering. Hier sehen wir Bedarf an höheren Türmen und stärkeren Turbinen. Bei der Offshore-Windkraft gibt es ebenfalls sehr gute Perspektiven. Priorität sollte aber zunächst sein, den vorhandenen Projektstau aufzulösen und die Offshore-Windparks ans Netz zu bringen.

Apropos, neben den Netzanschlüssen hakt es Offshore offenbar auch bei den Zulieferern. Es sind Klagen zu hören, es gebe nicht genügend Turbinen.

Das verwundert mich. Wir haben in unserer neuen Produktionsstätte in Saint-Nazaire eine Kapazität von 100 Offshore-Turbinen pro Jahr. Die Zahl ließe sich noch steigern. Und Alstom ist ja nicht das einzige Unternehmen, das Offshore-Turbinen baut. Ich sehe daher absolut keinen Engpass. 

Planen Sie eine Turbinen-Produktion auch in Deutschland?

Alstom ist ja schon lange in Deutschland aktiv. Das Unternehmen beschäftigt 9.000 Menschen, die sich auch um das Erneuerbaren-Geschäft kümmern. In der Abhängigkeit von der Marktentwicklung sehen wir für eine Windturbinen-Produktion  im Moment noch keinen Bedarf. Wir können den deutschen Windmarkt gut über unsere Produktionen in Frankreich und Spanien beliefern.

JérômePécresse ist seit 2010 Präsident von Alstom Renewables. Die Erneuerbarensparte des französischen Industriekonzerns beschäftigt 10.000 Mitarbeiter und setzte 2011 zwei Milliarden Euro um.

Foto Startseite: Jan Oelker/Alpha Ventus

 

Karsten Wiedemann
Keywords:
Alstom | Jérôme Pécresse | BIZZ-Exklusiv | Windenergie | Offshore | Haliade | Bright Source
Ressorts:
Markets

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