BIZZ-Exklusiv
06.02.2013

„Hundert Prozent Akzeptanz wird man nie erreichen“

Foto: Deposit

Rainer Joswig, Chef des Übertragungsnetzbetreibers TransnetBW, im Interview mit BIZZ energy today über neue Stromleitungen, Investoren und die Rolle der Netzbetreiber als Buhmänner der Energiewende.

BIZZ energy today: Herr Joswig, die Bundesnetzagentur hat nicht alle Vorschläge der Übertragungsnetzbetreiber in den Bundesbedarfsplan für neue Stromleitungen übernommen. Sind Sie enttäuscht?

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Rainer Joswig: Ich glaube, die Netzagentur wollte sicherstellen, dass das Verfahren schneller und mit weniger Diskussion abläuft. Das kann ich schon verstehen. Dieses Vorgehen führt aber dazu, dass uns unterm Strich etwas fehlt, etwa die HGÜ-Leitung von Norddeutschland nach Goldshöfe in Baden-Württemberg. Das bedauere ich. Wir können die Leitung nun später bauen oder aber in Zukunft weniger Windstrom aus dem Norden aufnehmen.

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BIZZ e.t.:  Es war also ein Fehler, die Verbindungen zu streichen?

Joswig: Es stellt sich die Frage, was passiert, wenn sich in naher Zukunft zeigt, dass doch mehr Netze benötigt werden. Das könnte bereits laufende Genehmigungsverfahren verzögern.

BIZZ e.t.: Zur Finanzierung: Gibt es genügend Investoren für den Netzausbau?

Joswig: Die gibt es. Für die Leitungsbauten an Land sehe ich nicht solche Herausforderungen, wie wir sie im Bereich Offshore haben. 

BIZZ e.t.: Sie meinen die Haftungsfragen, die erst seit Dezember geregelt sind.

Joswig:  Ja. Das Risiko ist bei Landverbindungen für den Investor viel geringer.

Rainer Joswig, Transnet BW
Rainer Joswig Foto: EnBW/Andy Ridder

BIZZ e.t.: Genug Geld ist also vorhanden?

Joswig:  Davon bin ich überzeugt. Schauen Sie sich die Lebensversicherer an. Die haben Probleme, ihre Garantierenditen zu erwirtschaften. Von dieser Seite nehme ich ein großes Interesse wahr, in Infrastruktur zu investieren. Die größere Hürde ist die gesellschaftliche Akzeptanz.

BIZZ e.t.: Wie wollen Sie die schaffen?

Joswig:  Patentrezepte gibt es dafür nicht. Wir setzen uns jedoch für einen aktiven Dialog mit der betroffenen Öffentlichkeit ein. So haben wir jüngst Gespräche mit Bürgermeistern bezüglich einer neuen 380-KV-Leitung gestartet. Das war ein erster Schritt. 

BIZZ e.t.: Reicht das aus?

Joswig: Sie werden nie hundert Prozent Akzeptanz erreichen. Denn Bürger, die direkt an einer Trasse wohnen, werden trotz aller energiewirtschaftlichen Notwendigkeit und unseren Erklärungen darüber nicht erfreut sein. Persönlich habe ich dafür Verständnis. 

BIZZ e.t.: Sehen Sie sich als Buhmann?

Joswig:  Wenn Sie so wollen, sind wir der unschöne Teil der Energiewende. Der Bedarf entsteht, weil die Gesellschaft entschieden hat, dass sie die Energieversorgung ändern will. Wir sind die Dienstleister dafür.

BIZZ e.t.:  Zur Versorgungssicherheit: In den kommenden Jahren gehen viele Kraftwerke vom Netz. Befürchten Sie Engpässe?

Joswig:  Wir sind besorgt. Tatsache ist, dass durch sinkende Strompreise die Grundlagen für Investitionen in neue Kraftwerke nicht mehr gegeben sind. Wir haben aber gerade im Süden einen steigenden Bedarf an Ersatzkraftwerken. Hier gehen in den nächsten Jahren einige Kernkraftwerke vom Netz, etwa in Grafenrheinfeld. Was an Kapazität dazu kommt, kann dies nicht ausgleichen. Es kann also sein, dass wir zusätzliche Anreize brauchen, damit neue Anlagen mit gesicherter Leistung gebaut werden.

 
Karsten Wiedemann
Keywords:
Rainer Joswig | TransnetBW | Übertragungsnetze | Netzausbau | Akzeptanz | HGÜ | Bundesnetzagentur
Ressorts:
Governance | Markets

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