BIZZ-Exklusiv
13.02.2013

„Ich will in den nächsten zwei, drei Jahren schwarze Zahlen“

Arzneimittel-Unternehmer Edwin Kohl spricht im Interview mit BIZZ energy today über sein Investment in Timber Tower, den ersten Hersteller von Holztürmen für Windkraftanlagen.

BIZZ energy today: Herr Kohl, was veranlasst einen Pharma-Unternehmer in erneuerbare Energien zu investieren?

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Edwin Kohl: Energiesparen und Energieerzeugung waren für mich  schon immer wichtige Themen. Alle unsere Firmengebäude im Saarland sind Chemiearme Niedrigenergiehäuser und haben die Grüne Hausnummer. Insofern war es selbstverständlich, dass ich in Umweltthemen investiere. Ob sie in Pharma oder Energie investieren, ist im Prinzip egal. Als Unternehmer analysieren sie die Potentiale, die Risiken und mögliche Margen.

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BIZZ e.t.: Viele Unternehmen der Erneuerbaren-Branche, vor allem Anlagenhersteller, kämpfen mit Verlusten. Ist da ein Investment nicht ein Risiko?

Kohl: Nichts ist ohne Risiko. Aber Timber Tower verfolgt ja ein neues Konzept.  Die heute üblichen Hybridtürme aus großen Mengen Stahlbeton und Stahl verursachen hohe Baukosten. Der Rückbau in 20 bis 25 Jahren kostet noch mal eine Millioen Euro. Holztürme lassen sich nicht nur leichter errichten und rückbauen, sie halten auch länger. Am Ende können Sie das Holz weiter nutzen.  

BIZZ e.t.: Wie soll das funktionieren?

Kohl: Das Holz behält seinen Wert. Sie können es etwa in der Bauwirtschaft einsetzen.  Der reine Materialwert eines 100 Meter Turms liegt niedrig angesetzt bei circa  250.000 Euro. Die heutigen Preise hochgerechnet bleibt am Ende sogar ein Rückbaugewinn.

BIZZ e.t.: Wo sollen die Türme denn stehen?

Kohl: Etwa dort, wo man auf engem Raum ohne große Baustelle bauen muss, wie in Waldgebieten oder dort, wo man keinen Beton einsetzen kann. Wir arbeiten gerade an Holzfundamenten. Ich sehe dafür ein Riesenpotenzial. Denken Sie mal an Permafrostböden. Ein Holzfundament können sie überall und das ganze Jahr hindurch bauen. 

BIZZ e.t.: Timber Tower war lange eine Idee. Warum hat es bis zur Realisierung so lange gedauert?

Kohl: Es gab vor mir zu viele Gesellschafter, es ging nicht voran. Manchmal braucht es besser nur einen, der die Richtung vorgibt. Das war in diesem Fall ich. 

BIZZ e.t.: Die Energiewende in Deutschland kostet in den nächsten Jahren Milliarden. Braucht es mehr Investoren auch aus dem Mittelstand?

Kohl: Eindeutig ja. Im Zuge der Energiewende wird es eine ganze Reihe von weiteren Innovationen geben müssen, damit Energie bezahlbar bleibt. Diese Innovationen kommen typischerweise aus dem Mittelstand. Wir sprechen hier über einen globalen Wachstumsmarkt. Der starke deutsche Mittelstand hat also ein hohes Eigeninteresse hier zu investieren. Ich setze aber auch auf eine stärkere Bürgerbeteiligung.

Edwin Kohl, Foto Kohlpharma
Edwin Kohl, Foto Kohlpharma
 BIZZ e.t.: Inwiefern?

Kohl: Wenn wir es schaffen, mit dem Timber Tower eine vernünftige Nabenhöhe ohne die hohen Rückbaukosten zu realisieren, dann schaffen wir im Vergleich zu herkömmlichen Windparks eine wesentlich höhere Rendite. Zudem können wir den Rohstoff für die Türme vor Ort beziehen, dass stärkt die lokale Wertschöpfung. Auch dies dürfte es für die Menschen vor Ort interessant machen, als Investoren einzusteigen.

BIZZ e.t.: Bisher steht ja erst eine Anlage...

Kohl: Wir wollen sehr schnell nachlegen. Wir arbeiten zudem an einem 140-Meter-Turm und am Holzfundament. Beides soll 2013/2014  stehen.

 BIZZ e.t.: Wann rechnen Sie bei Timber Tower mit einem Break Even?

Kohl: Ich will schon in den nächsten zwei, drei Jahren schwarze Zahlen sehen. Ich bin optimistisch, dass das klappt.

Karsten Wiedemann
Keywords:
BIZZ-Exklusiv | Edwin Kohl | Kohl-Pharma | Windenergie | Holztürme | Timber Tower
Ressorts:
Finance

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