Finance
16.01.2013

„Infrastrukturbetreiber sind ein attraktives Investment“

Foto: Alrisha/Deposit

Alexander Funk, Asset-Manager bei Ökoworld, spricht im Interview mit BIZZ energy today über die erfolgreichsten nachhaltigen Aktien und neue Wachstumsmärkte.

BIZZ energy today: Herr Funk, was waren aus ihrer Sicht die erfolgreichsten nachhaltigen Investments des Jahres 2012?

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Alexander Funk: Die Topaktie ist sicherlich der österreichische Halbleiterproduzent Austria Microsystems. Die Firma stellt innovative Produkte her, die zur Energieeffizienz beitragen, indem sie den Energieverbrauch von beispielsweise Smartphones reduzieren. Ein sehr lukrativer und vielversprechender Markt, wenn Sie die enormen Wachstumsraten der modernen Kommunikationsgeräte im Blick haben. AMS ist unter anderem zertifizierter Zulieferer von Apple. Der Aktienkurs der Firma hat sich im Jahr 2012 verdreifacht.

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Lassen sich mit nachhaltigen Fonds gute Renditen erzielen?

Unser Fonds Ökoworld Ökovision Classic hat im letzten Jahr seinen Wert um 20 Prozent gesteigert. In Zeiten von Euro- und Finanzkrise ist das sehr gut. Die Unternehmen, in die wir investiert haben, haben mehrheitlich hervorragende Gewinne erzielt. Sie sind breit diversifiziert und in den wichtigen Wachstumsmärkten aktiv. 

Wo sind diese Wachstumsmärkte?

Es sind vor allem die aufstrebenden Volkswirtschaften wie Indien oder China. In den immer wichtiger werdenden aufstrebenden Märkten generiert ein Unternehmen wie Henkel, das Bestandteil unseres Fonds ist, schon 40 Prozent seines Umsatzes. 

Alexander Funk
Alexander Funk
 Gibt es in diesen Ländern schon ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit?

Wir beobachten einen Transformationsprozess. Das lässt sich etwa an dem neuen Fünfjahresplan der Kommunistischen Partei in China erkennen. Dort setzt sich die Erkenntnis durch, dass nachhaltiges Wirtschaften vor allem unter Kostengesichtspunkten, Stichwort Energieeffizienz, nicht mehr weiter vernachlässigt werden kann. Der Energiebedarf der rasant wachsenden Volkswirtschaften wie China und Indien steigt künftig weiter an, fossile Energien werden knapper und folglich teurer. Insofern ist es ein ökonomischer Zwang, Alternativen einzusetzen und Energie zu sparen.

Welche Rolle spielt das Thema Energieeffizienz bei Ihren Investments?

Eine sehr große Rolle.  Allein im Gebäudebereich lassen sich 40 Prozent Energie sparen. Viele Firmen sind in diesem Geschäftsfeld aktiv. Ein Lösungsanbieter ist unter anderm die dänische Firma Rockwool, die Dämmstoffe herstellt. Ein anderes Unternehmen ist Centrotec Sustainable, ein Anbieter von Heiz-, Klima- und Lüftungstechnik.  Auch der Automobilzulieferer Johnson Controls entdeckt das Effizienzgeschäft für sich. Johnson Controls  engagiert sich zunehmend im Gebäudemanagement, bei Beleuchtung, Heizung und Klimatisierung.

Welche Rolle spielen erneuerbare Energien in ihrem Portfolio?

Wir haben seit längerem nahezu keine Hersteller von Solar- oder Windanlagen mehr in unseren Fonds. Es ist etwas paradox, dass man als Aktieninvestor im aktuellen Umfeld keine Performance erwirtschaften kann, schließlich wachsen ja weltweit die Anteile der Erneuerbaren am Energiemix. Bei der Solarenergie sind die Modulpreise aber so weit gesunken, dass die Hersteller kaum noch positive Margen erzielen. Darüber hinaus bestehen immer noch enorme Überkapazitäten im Markt. Interessanter sind im Moment Infrastrukturbetreiber, etwa Energieversorger. Da gibt es Investitionsmöglichkeiten. 

Nach welchen Kriterien investieren Sie?

Gemäß unserer Unternehmensphilosophie und unserer Verpflichtung gegenüber dem Anleger, favorisieren wir Unternehmen, die umweltverträglich wirtschaften, soziale Standards einhalten und Ressourcen schonen. Wir haben beispielsweise Titel aus der Nahrungsmittelbranche, etwa Anbieter von Bioprodukten, im Portfolio.  Auch das Thema Wasserversorgung und -aufbereitung ist interessant. In einigen Regionen ist Wasser ja schon zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor geworden. 

Was sind  No-Gos?

Zu den Ausschlusskriterien zählt zum Beispiel der Einsatz von Chlorchemie, Atomenergie und alles was mit Waffen oder Kinderarbeit zu tun hat. In unseren Jahresberichten sind die Kriterien transparent und umfassend veröffentlicht.

Wie schafft es ein Unternehmen wie Ebay in Ihr Portfolio?

Viele denken beim Thema Nachhaltigkeit vor allem an erneuerbare Energien. Das greift aber zu kurz. Nachhaltigkeit ist ein branchenübergreifendes Wirtschaftsprinzip und keine isolierte Branche. Es geht etwa darum, den Verbrauch an natürlichen Ressourcen zu reduzieren. Bei Ebay können Sie gebrauchte Güter verkaufen, die jemand anderes nutzen kann. So werden Abfälle vermieden und Ressourcen geschützt. 

Alexander Funk ist Bankbetriebswirt und Certified International Investment Analyst. Seit 2009 arbeitet er als Fondsmanager bei Ökoworld. Zuvor war er unter anderem bei der HVB Luxembourg und der DZ Bank International tätig.

 
Karsten Wiedemann
Keywords:
Grüne Fonds | Nachhaltige Investments | BIZZ-Exklusiv | Cleantech | Fonds | Finance | erneuerbare Energien
Ressorts:
Finance

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