BIZZ-Exklusiv
03.01.2012

„Japan ist besonders interessant“

DWS-Analyst Nektarios Kessidis

Nektarios Kessidis, Fondsmanager bei DWS, spricht im Interview mit BIZZ energy today über das Auf und Ab bei grünen Investitionen und erklärt, wie Anleger von der Energiewende profitieren können.

BIZZ energy today: Wie stark wird derzeit in erneuerbare Energien investiert?

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Nektarios Kessidis: Während die Investitionen in Solar- und Windprojekte jährlich tendenziell eher zunehmen, nimmt das Interesse an Aktien von Unternehmen aus dem Bereich der erneuerbaren Energien stark ab. Grund dafür sind die enormen Überkapazitäten, der Rückgang der Förderung in vielen Regionen sowie das Ende der Peak-Oil-Hypothese, die durch den Beginn der Förderung der unkonventionellen Gas- und Ölreserven, also Schiefergas und Schieferöl, in vielen Teilen der Erde eingeleitet wurde.

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BIZZ e.t.: Aber Schiefergas ist ökologisch umstritten ... 

Kessidis: Manche Länder wie Deutschland befürchten, dass die Förderung zu Umweltschäden führen könnte. Die USA hingegen investieren massiv in die umstrittene Förderung der Schiefervorkommen und könnten nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur etwa 2020 zum größten Ölproduzenten der Welt vor Saudi-Arabien aufsteigen und in rund 20 Jahren komplett unabhängig von Energieimporten sein. Tatsache ist: Anders als noch vor fünf Jahren verfügt man heute über die Technik und das Wissen, unkonventionelle Gas- und Ölreserven anzuzapfen, und zwar zu wirtschaftlich attraktiven Bedingungen.

BIZZ e.t.: Investieren Sie selbst aktuell in erneuerbare Energien?

Kessidis: Nein, zurzeit sind wir nicht in Aktien aus dem Solar- und Windsektor investiert. Wie bereits erwähnt, herrschen hohe Überkapazitäten, die aufgrund der Überförderung und der technologisch bedingten niedrigen Eintrittsbarrieren entstanden sind. In Folge sind die Preise stark gefallen, und viele Unternehmen erwirtschaften Verluste. Die Performance der Aktien aus dem Bereich der erneuerbaren Energien spiegelt das wider.

BIZZ e.t.: Welche Rolle spielt die Schuldenkrise in Europa?

Kessidis: Südeuropäische Länder wie Spanien oder Italien haben sich das deutsche Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) zum Vorbild genommen. Investitionen beispielsweise in Solaranlagen waren in diesen Ländern besonders attraktiv, weil neben der üppigen Förderung auch attraktive klimatische Bedingungen herrschen. Zum Vergleich: Während ein Solaranlagenbesitzer in Deutschland mit durchschnittlich rund 1.000 Sonnenstunden im Jahr rechnen kann, kalkulieren die Anlagenbetreiber in südeuropäischen Ländern mit bis zu 1.600 Sonnenstunden. Mit Einzug der Schuldenkrise wollten die Regierungen dieser Länder die ohnehin gebeutelten Bürger nicht noch mit einer hohen Ökostromumlage belasten und reduzierten entsprechend die Förderungen. Damit sank die Nachfrage nach erneuerbaren Energien.

BIZZ e.t.: Wie ist die Situation in Ländern, die nicht von der europäischen Krise betroffen sind?

Kessidis: Regionen oder Länder wie Südamerika, die USA und Asien, die die rückläufigen Entwicklungen in Europa kompensieren könnten, ziehen nicht gleichermaßen nach. Die große Hoffnung war, dass auch diese Länder attraktive Förderprogramme für erneuerbare Energien einführen. Mit dem US-Schiefergasboom geht dort die Entwicklung jedoch in eine andere Richtung. China war ein weiterer Hoffnungsträger, denn das Land baut viele Windturbinen und Solarmodule. Doch das Stromnetz in China ist stark überlastet.

BIZZ e.t.: Können Anleger dennoch von der Energiewende profitieren?

Kessidis: Ja, wenn sie in Unternehmen investieren, die von der Energiewende profitieren. Dazu gehören zum Beispiel Firmen wie Siemens oder ABB, die sich im Netzausbau engagieren. Interessant sind auch Kabelbauer wie der italienische Hersteller Prysmian. Ein anderer Wert ist NGK Insulators, das japanische Unternehmen stellt Keramiksolatoren für Hochspannungsmasten her.

BIZZ e.t.: Welche Regionen sind für Investoren besonders attraktiv?

Kessidis: Japan scheint besonders interessant zu sein. Nach der Katastrophe in Fukushima hat das Land den Atomausstieg eingeleitet und folgt damit dem Beispiel Deutschlands. Japan verfügt heute über attraktive Einspeisevergütungen für Solar- und Windenergie sowie über günstige klimatische Bedingungen. Länder wie Brasilien oder der arabischen Raum könnten zukünftig für Investoren interessant werden. Der Nordosten Brasiliens ist eine sehr windreiche Region. Die Windparks erreichen dort Auslastungsquoten von bis zu 40 Prozent, wie sie hierzulande nur offshore möglich sind. Im arabischen Raum wird kostbares Öl verfeuert. Stattdessen könnte man mit der Photovoltaik kostengünstig Strom erzeugen und das Öl in der Zukunft für medizinische oder kosmetische Zwecke mit einer attraktiven Mehrrendite verkaufen.

BIZZ e.t.: Wie können Investitionen in Erneuerbare wieder attraktiv werden?

Kessidis: Investitionen in Aktien aus dem Bereich der erneuerbaren Energien können wieder interessant werden, wenn die Konsolidierung voranschreitet und somit die Überkapazitäten abgebaut werden, die Staatengemeinschaft sich auf ein Kyoto-Nachfolgeprotokoll einigt und damit einhergehend auf schärfere CO2-Regeln sowie durch eine Zunahme der Wettbewerbsfähigkeit der erneuerbaren Energien. 

 

NEKTARIOS KESSIDIS

ist seit 2004 als Analyst im Produktmanagement der Deutschen-Bank-Tochter DWS tätig und verantwortet seit November 2007 das Portfoliomanagement Green Investments. Der von Kessidis gemanagte Aktienfonds DWS Invest New Resources LC investiert vor allem in Aktien von Unternehmen aus den Bereichen Rohstoffe, Energie und Versorger. 

Foto Startseite: Jorisvo (Portfolio)

Tina Gilic
Keywords:
DWS | Nektarios Kessidis | grüne Investments
Ressorts:
Finance

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