Interview
29.12.2012

„Kostensenkungen sind wichtigster Treiber für Solarenergie“

Foto: Solarworld
Produktion bei Solarworld

Im Interview mit BIZZ energy today spricht Stefan Freudenreich, Analyst bei der Equinet Bank, über die Situation bei Solarworld, die Zukunft der deutschen Solarindustrie und das Anti-Dumping-Verfahren bei der EU.

BIZZ energy today: Solarworld hat im dritten Quartal einen Verlust von 68,7 Millionen Euro eingefahren. Haben Sie damit gerechnet?

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Stefan Freudenreich: Im Endeffekt waren die Zahlen nicht so überraschend. Solarworld hatte zum Jahresende auf eine Belebung des Hausdach-Geschäfts in Deutschland gehofft, wie es dies auch in der Vergangenheit gab. Mit den beschlossenen Änderungen bei der Solarvergütung war aber klar, dass dies in diesem Jahr nicht eintreten wird. Was mich schon überrascht hat war aber, dass auch das Auslandsgeschäft stark eingebrochen ist, beispielsweise in den USA, einem wichtigen Markt für Solarworld.

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BIZZ e.t.: Ist Besserung in Sicht?

Freudenreich: Im vierten Quartal wird es nicht besser aussehen, und auch im nächsten Jahr wird es auf dem für Solarworld wichtigen Residental-Markt in Europa wohl keine Wachstumsimpulse geben. Vielleicht gibt es ab 2014 eine Belebung, wenn die Speicher für den Eigenverbrauch günstiger werden.

BIZZ e.t.: Solarworld-Chef Frank Asbeck führt die Verluste auf das Preisdumping chinesischer Modulhersteller zurück. Wie sehen Sie das?

Freudenreich: Solarworld hat als Ziel ausgegeben, in 18 Monaten bei den Modulpreisen auf 0,65 Euro zu kommen. Chinesische Unternehmen produzieren jedoch heute schon für unter 0,60 EUR. Solarworld kann da einfach nicht mithalten. Kostensenkungen sind für das Wachstum der Solarenergie der wichtigste Treiber. Dies gilt besonders in einer Phase von auslaufenden staatlichen Förderprogrammen.

BIZZ e.t.: Welche Chance haben dann europäische Hersteller überhaupt noch?

Freudenreich: Ich sehe für die Wafer- und die Zell-Produktion sowohl in Deutschland als auch in Europa keine große Zukunft. Das wird ähnlich ablaufen wie in der Halbleiterbranche, die ja auch mit wenigen Ausnahmen in Asien produziert. Solarworld hat bei Beibehaltung des jetzigen Geschäftsmodells nur wenig Chancen zu überleben. Die Fixkosten, vor allem aber das Finanzergebnis, sind im Verhältnis zu den erzielbaren Umsätzen einfach zu hoch. Diese Entwicklung ist primär auf den starken Verfall bei den Modulpreisen zurückzuführen. Der einzige Rettungsanker im Moment ist das Anti-Dumping-Verfahren bei der EU. 

BIZZ e.t.: Können Importzölle helfen?

Freudenreich: In den USA hat sich das als stumpfes Schwert erwiesen, chinesische Unternehmen verlagern ihre Zellproduktion nach Taiwan. Für den großen europäischen Markt wäre das allerdings schwieriger. Die asiatischen Modulhersteller müssten in größerem Umfang Produktionskapazitäten ins Ausland verlegen. Das würde dauern und dazu führen, dass die Modulpreise steigen.

BIZZ e.t.: Rechnen sie mit einem Beschluss der EU-Kommission?

Freudenreich: Die Gegenreaktion der Chinesen wird heftig, und dies nicht nur im Solarbereich. Wir erleben jetzt schon die Androhung von Handelsrestriktionen für wichtige europäische Exportgüter wie Wein. Und die Chinesen wissen, wo es einzelnen Mitgliedsländern weh tut.

BIZZ e.t.: Was kann Solarworld tun?

Freudenreich: Das Geschäftsmodell müsste massiv umgebaut und stärker auf kundennahe Leistungen rund um die Solaranlage fokussiert werden. Auch das Projektgeschäft könnte wachsen.

 

Stefan Freudenreich ist Chartered Financial Analyst bei der Equinet Bank in Frankfurt

Karsten Wiedemann
Keywords:
Solarenergie | BIZZ-Exklusiv | Solarworld | China | Fran Asbeck | Anti-Dumping | Deutsche CSP
Ressorts:
Finance

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