BIZZ-Exklusiv
18.11.2013

„Massenindustrialisierung erreicht“

Foto: Toyota

Toyota Deutschland-Chef Ulrich Selzer über den Erfolg der Hybrid-Technik, Wasserstoffautos und Elektromobilität in Japan.

Bizz energy today: Herr Selzer, hat der Hybrid seinen Durchbruch erlebt?

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Ulrich Selzer: Ganz klar ja. In Deutschland ist aktuell jeder vierte Wagen, den wir verkaufen, ein Hybrid. Bis Ende dieses Jahres könnte es bereits jeder Dritte sein. Das schaffen wir ohne jede Prämie oder Förderung. Weltweit haben wir über fünfeinhalb Millionen Hybrid-Autos verkauft. Weil die Nachfrage so groß ist, hatten wir beim Yaris zuletzt sogar Lieferschwierigkeiten. Drauf haben wir unterdessen in der Produktion reagiert, wir sind wieder uneingeschränkt lieferfähig.

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Es heißt immer wieder, mit Hybrid-Autos ließe sich kein Geld verdienen.

Das ist Quatsch. Wir verkaufen pro Monat rund 100000  Hybridfahrzeuge weltweit.Das bei diesen Stückzahlen gutes Geld mit der Technik verdient wird, ist denke ich offensichtlich. .  . Die Hybrid-Komponenten werden von Generation zu Generation zudem immer kleiner, immer günstiger und gleichzeitig immer leistungsstärker.

Toyota hat über drei Jahrzehnte am Hybrid geforscht, bis er auf den Markt kam. Ein kostspieliges Unterfangen.

Die Entwicklung begann 1962. Der damalige Toyota-Chef wollte angesichts des Smog in Tokyo, dass seine Ingenieure ein sauberes Auto bauen. Er hat sie dann über Jahre einfach machen lassen. In einem Familienkonzern ist so etwas möglich. Nun haben wir beim Hybrid die Massenindustrialisierung erreicht. 

Erwarten Sie einen ähnlichen Erfolg beim Plug-in-Hybrid?

Wir verkaufen in Deutschland 30 Plug-ins proMonat, weltweit sind es bisher 35.000. Wir reden also noch von überschaubaren Mengen. Wir lernen aber gerade sehr viel. Etwa, dass nicht jeder Kunde mit einem Ladekabel hantieren möchte. Wirarbeiten daher auch verstärkt daran, Technologien wie das induktive Laden zur Marktreife zu bringen. . 

Wie sieht es beim Thema Wasserstoff aus?

Wir werden in Kürze ein serienmäßiges Brennstoffzellenhybridfahrzeug vorstellen, 2015 folgt die Markteinführung. Es wird eine geräumige viertürige Limousine mit mehr als vier Metern Länge und fünf Sitzen sein. Unsere Prototypen haben eine Reichweite von 800 Kilometern. Starten werden wir mit überschaubaren Stückzahlen, so wie 1997 beim Prius.

Mercedes hat den Markstart für sein Wasserstoffauto verschoben, wegen zu hoher Kosten. Wie haben Sie das Problem gelöst?

Grob gesprochen ist der  wesentliche Unterschied zwischen dem reinen Hybridfahrzeug und einem Brennstoffzellenhybridfahrzeug, dass sie den Benzinmotor durch eine Brennstoffzelle ersetzen. Das bedeutet, wer ein Wasserstoffauto bauen will, muss vorher den Hybrid-Antrieb gemeistert haben.

Wo liegt die größte Herausforderung?

Es reicht nicht, einfach zwei Antriebe einzubauen. Die hohe Kunst des Hybrids ist, diese so zu kombinieren, dass der Fahrer nicht merkt, welcher Antrieb gerade läuft. Und sie müssen das zu vernünftigen Kosten millionenfach bauen können. 

Beim Wasserstoffauto brauchen Sie zudem noch die Infrastruktur.

Als Hersteller können wir uns nicht zurücklehnen und darauf warten, dass die Tankstellen kommen. Toyota hat deswegen schon 1992 angefangen, Wasserstoffautos zu entwickeln. Und mittlerweile sehen wir, etwa in der Clean-Energy-Partnership, dass auch das Interesse der Mineralölindustrie an dem Thema wächst. Die sehen, dass der Aufwand gar nicht so groß ist wie erwartet. Kern des Ganzen ist die Installation entsprechender Tanks.

....für die Sie Wasserstoff brauchen....

Für die ersten 200.000 Brennstoffzellenautos existieren bereits ausreichende Mengen, als Abfallprodukt aus der Industrie. Dort wird Wasserstoff mitunter einfach abgefackelt, weil es zuviel davon gibt. 

Warum bietet Toyota kein reines Batteriefahrzeug an?

Das stimmt so nicht. Wir haben den IQ und den RAV4. Der IQ wurde so entwickelt, dass sich im Boden problemlos eine Batterie einbauen lässt. Im Moment sehen wir aber keine Nachfrage im Markt nach reinen E-Autos.

Wann wird sich das ändern?

Ich denke nicht, dass wir in diesem Jahrzehnt den Durchbruch des Elektroautos erleben werden. Die Säulen der grünen Mobilität werden Hybride und Plug-in-Hybride sein. Das reine Elektroauto wird seine Nische bei der urbanen Mobilität erfüllen. Für größere Autos und längere Strecken setzen wir ganz klar auf die Brennstoffzellen.

Dennoch hat sich Toyota finanziell am Elektroauto-Start-up Tesla beteiligt.

Wir können von Tesla einiges lernen was die Entwicklungsgeschwindigkeit angeht.

Sehen Sie in den Emissionsvorgaben der EU-Kommission einen Treiber für grüne Mobilität?

Das  95-Gramm-Ziel für 2020 finden wir unproblematisch  und diskutieren auch nicht darüber. Unsere Hybridautos liegen bei den Emissionen schon heute unter diesem Wert. Wir sind der Vollsortiment-Anbieter mit dem niedrigsten CO2-Ausstoß in Europa.

Sie bauen aber auch kleinere Autos als etwa die deutschen Premium-Hersteller.

Einspruch. Mit dem Lexus LS 600h bieten wir ein Oberklasse-Hybridfahrzeug mit 423 PS an. Zu Toyota: Der Prius + ist 4,65 Meter lang und bietet Platz für sieben Personen, das ist alles andere als ein kleines Auto. Und der CO2-Ausstoß von 96 Gramm pro Kilometer kann sich mehr als sehen lassen. 

Wie ist denn Japan beim Thema grüne Mobilität aufgestellt?

Japan ist immer auf der Suche nach Möglichkeiten, seine Energieimporte zu reduzieren. Beim Thema Infrastruktur, auch für Wasserstoff, ist man dort deswegen schon etwas weiter. Die Regierung hat erst vor wenigen Monaten 770 Millionen Euro für E-Mobilität bereitgestellt.

Ulrich Selzer ist Geschäfstführer der Toyota Deutschland GmbH
 
Karsten Wiedemann
Keywords:
E-Mobilität | Toyota | Tesla | Wasserstoff
Ressorts:
Markets

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