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17.09.2012

„Mit Energieeffizienz lässt sich viel Geld sparen“

dena / Blicksammler; pixelio

Deutschland nutzt sein Energieeinsparpotenzial zu wenig aus. Warum sich das Sparen für Unternehmen und Privathaushalte lohnt, erläutert der Chef der Deutschen Energieagentur (Dena), Stephan Kohler, im Interview mit BIZZ energy today.

BIZZ energy today: Herr Kohler, ist Energieeffizienz ein teurer Luxus?

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Stephan Kohler: Im Gegenteil. Mit Energieeffizienz können Unternehmen und Privathaushalte viel Geld sparen, und zwar nachhaltig. Sie machen sich auch weniger abhängig von künftigen Strompreissteigerungen; die leider programmiert sind, nicht zuletzt aufgrund der steigenden EEG-Umlage aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz.

Wie hoch ist denn das Einsparpotenzial für Firmen?

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Kohler: Ein typischer Mittelständler kann 30 Prozent Energie einsparen. Wir haben Bereiche wie Beleuchtung, Motoren, Lüftungs- und Druckluftanlagen untersucht. Bei solchen Querschnittstechnologien liegt das Einsparpotenzial sogar bei bis zu 40 Prozent. Eine mittelständische Brauerei konnte zum Beispiel durch die Optimierung des Druckluftsystems jährlich 55.000 Euro Energiekosten sparen. Nach nur einem Jahr und sechs Wochen hatte sich die Investition bereits amortisiert. Anders gesagt: Die Rendite, bezogen auf die Investitionskosten, lag bei stolzen 88,5 Prozent.

Wie viel Geld können Privatleute sparen?

Kohler: Die Stromkosten eines Privathaushalts in Deutschland liegen im Schnitt bei rund 800 Euro im Jahr. Durch den Kauf effizienter Haushaltsgeräte können immerhin rund 200 Euro jährlich eingespart werden.

Ist Energiesparen dabei nicht automatisch mit einem Verlust an Komfort verbunden?

Kohler: Nein. Die Kunst besteht darin, jene Energie einzusparen, deren Verbrauch man gar nicht bemerkt. Zum Beispiel im Stand-by-Modus von Geräten, nicht nur von Fernsehern. Dieses Problem ist seit langem bekannt, aber immer noch aktuell, wie eine Anfang August veröffentlichte Dena-Studie zeigt. Sogar im Aus-Zustand verbrauchen viele Geräte weiter Strom. Um diese Verluste zu minimieren, hat die EU bereits 2008 eine Ökodesign-Verordnung erlassen. Durch deren konsequente Umsetzung können nach unseren Berechnungen pro Jahr 6,8 Milliarden Kilowattstunden eingespart werden. Das entspricht ziemlich genau dem jährlichen Stromverbrauch der Hauptstadt Berlin.

Stephan Kohler führt die Geschäfte der Deutschen Energieagentur Dena seit ihrer Gründung im Jahr 2000. Zuvor arbeitete er unter anderem für das Öko-Institut in Darmstadt.

Joachim Müller-Soares
Keywords:
Energiepolitik | Nachhaltigkeit | Energieeffizienz | Energie
Ressorts:
Governance | Markets | Community

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