BIZZ-Exklusiv
04.09.2013

„Nicht umsonst laden“

Hubject
Hubject-Chef Andreas Pfeiffer

Hubject-Chef Andreas Pfeiffer über Geschäftsmodelle für Stromtankstellen, E-Roaming und Deutschland als Leitanbieter.

BIZZ energy today: Herr Pfeiffer, nach den Plänen der EU sollen in Deutschland in den kommenden Jahren 150.000 Ladepunkte entstehen. Brauchen wir die?

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Andreas Pfeiffer: Ich glaube, dass wir mit deutlich weniger Ladepunkten auskommen können, wenn es uns gelingt, die vorhandenen Lademöglichkeiten intelligent zu vernetzen und damit die Verfügbarkeit der einzelnen Lademöglichkeiten im Sinne des Kunden zu erhöhen. Daran fehlt es im Moment. Wir haben in Deutschland mehr als 190 Betreiber von Ladestationen, mit denen der Kunde jeweils einen Vertrag abschließen müsste. Dann hätte er über 100 verschiedene Ladekarten dabei. Es kann doch nicht sein, dass ich als Autofahrer mehrere Verträge abschließen muss, um als Berliner auch in Leipzig laden zu können. 

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Im Moment verdient niemand mit den Ladesäulen Geld. Wie soll sich das Investment rechnen? 

Über den Verkauf von Kilowattstunden allein werden sich die Ladesäulen nicht bezahlt machen. Vielmehr geht es um eine angemessene Bezahlung der „Ladedienstleistung“ insgesamt. Damit diese wettbewerbsfähig gegenüber den fossilen Antriebskonzepten wird, brauchen wir aber auch eine kosteneffiziente private und öffentliche Ladeinfrastruktur. 

Wie sieht Ihr Modell aus?

Wir setzen auf „eRoaming“. Dafür stellen wir eine offene Business- und IT-Plattform bereit, über die sich Betreiber von Ladeinfrastruktur mit Fahrstrom- oder Mobilitätsanbietern verbinden können. Das können Energieversorger, Autobauer oder beispielsweise Carsharing-Anbieter sein. Mobilitätsanbieter ergänzen mit Intercharge ihren Leistungsumfang um den anbieterübergreifenden Zugang zu allen interoperablen Ladestationen.

Wer bestimmt den Preis?

Im Wesentlichen der Betreiber der Ladeinfrastruktur. Das Prinzip ist ähnlich wie bei Banken. Mit ihrer EC-Karte können Sie ja auch überall Geld abheben. Je nach Bank fallen dafür aber unterschiedliche Gebühren an. Der Ladestationsbetreiber kann seine Kosten über unser Modell gut finanzieren und ist frei darin, den Preis an der Infrastruktur zu bestimmen. Wie diese Kosten an den Endkunden weitergereicht werden, hängt dann vom Fahrstromanbieter ab. Wichtig und zentral ist jedoch: Das Laden von Elektroautos kann – genau wie zu Hause – auch unterwegs nicht kostenfrei sein. Sonst würde niemand in die notwendige Ladeinfrastruktur investieren.

Verdienen Sie mit der Plattform Geld?

Ja, wir haben ein Geschäftsmodell, das uns mittelfristig erlaubt, die entstehenden Kosten beim Betrieb der Intercharge-Lösung zu finanzieren. Bei heute 10.000 Elektroautos in Deutschland geht das jedoch noch nicht auf. Wenn wir im Jahr 2020 eine Million Fahrzeuge in Europa haben – und das halte ich für realistisch – wird sich unsere Plattform rechnen.  

Kann ich über E-Roaming auch Strom aus meiner Antriebsbatterie verkaufen?

Warum nicht? Unsere Plattform bietet jedem Geschäftspartner die Möglichkeit, innovative Services zu entwickeln und anzubieten. Wichtig ist, dass es erst ein Business-Modell und Geschäftspartner dafür gibt und dann die Technik entwickelt wird. In Deutschland machen wir das ja auch gerne mal umgekehrt. 

Zu Ihren Gesellschaftern gehören auch Autobauer. Welches Interesse haben die an dem System?

Ganz einfach, sie wollen ihre Elektroautos verkaufen. Und das funktioniert nur, wenn die Ladeinfrastruktur vorhanden ist. Auch wenn vielleicht nur 10 oder 20 Prozent der Elektroautofahrer öffentliche Ladeinfrastruktur nutzen werden, brauchen wir sie, damit Elektromobilität überhaupt funktioniert und sich eine echte Freude am Fahren entwickelt.

Wie steht Deutschland bei der Ladeinfrastruktur im europäischen Vergleich da?

Der Elektromobilitätsmarkt in Ländern wie den Niederlanden oder Norwegen ist im Hinblick auf die Ausbringung von Infrastruktur deutlich weiter entwickelt. Uns ist es jedoch heute schon gelungen, mit unserer eRoaming-Lösung ein wettbewerbsfähiges Marktmodell zu generieren, das europaweit funktioniert. Gemeinsam mit unseren europäischen Partnern konnten wir durch unsere Business- und IT-Plattform eine Leitanbieterschaft im jungen Markt erreichen.

Hubject wurde 2012 von BMW, Daimler, Bosch, EnBW, RWE und Siemens gegründet und hat mit Intercharge eine Plattform entwickelt, die Ladeinfrastruktur vernetzt.

 

 

Karsten Wiedemann
Keywords:
Hubject | BIZZ-Exklusiv | E-Mobilität | E-Auto
Ressorts:
Technology | Markets

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