BIZZ-Exklusiv
06.07.2015

„Schwätzet Se doch net“

fotos: EU, PR

Günther Oettinger, jetzt EU-Kommissar für Digitales, will Energie- und IT-Welt fusionieren und en passant die Macht von Google brechen. Dabei wird er manchmal ganz schön hemdsärmelig. Ein Porträt.

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Genau 30 Minuten referiert  Günther Oettinger über „Digitalisierung aus europäischer Sicht“. Dann genießt der EU-Kommissar aus dem Schwabenland lächelnd den Beifall des Publikums im Haus der Mercator-Stiftung am Hackeschen Markt in Berlin. Robert Busch, Geschäftsführer des gastgebenden Bundesverbandes Neue Energiewirtschaft, ist beeindruckt: „Dieser Mann redet akzentuiert und amüsant und ohne jede Risikoscheu.“
Oettinger punktet mit unterhaltsamen Thesen, oft garniert mit einem Schuss Selbstironie. „Ich bin kein Digital Native“, gesteht der 61-Jährige etwa und nennt seinen 16-jährigen Sohn als wichtigsten Berater in IT-Fragen. Dann beschwört er das Zusammenwachsen der Sektoren Energie und Telekommunikation. Die digitale Revolution sei keine Gefahr, sondern eine Chance. Allerdings müsse die Wirtschaft begreifen: „Wer die Daten hat, hat die Macht.“ Gegen Google und Co. müsse Europa „mit einer Stimme sprechen“ – nur dann lasse sich in einem digitalen Binnenmarkt auch „die Energieunion als Vision realisieren.“

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Früher umstritten, heute gelobt

Wer Oettingers souveräne Auftritte in diesen Wochen verfolgt, mag kaum glauben, dass 2010 seine Ernennung zum EU-Kommissar – zunächst für Energie – höchst umstritten war. Die Kanzlerin, so das damals weitverbreitete Urteil, wolle bloß einen notorischen Quertreiber loswerden, dabei sei Oettinger allenfalls ihre „dritte Wahl“ hinter Ex-Bundesumweltminister Norbert Röttgen und dem früheren hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch.
Der damalige EU-Kommissar Günther Verheugen (SPD), zuständig für Unternehmen und Industrie, reagierte mit ungezügelter Polemik. Er äußerte sein „blankes Entsetzen“ über die Personalie und sprach Oettinger jegliche Fachkompetenz ab. Zudem könne der Mann kein verständliches Wort Englisch sprechen, sondern nur „Schwänglisch“.

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Keywords:
Baden-Württemberg | EU-Kommission | Energie | Digitalisierung | Urheberrecht | Brüssel
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