BIZZ-Exklusiv
06.07.2015

„Schwätzet Se doch net“

fotos: EU, PR

Günther Oettinger, jetzt EU-Kommissar für Digitales, will Energie- und IT-Welt fusionieren und en passant die Macht von Google brechen. Dabei wird er manchmal ganz schön hemdsärmelig. Ein Porträt.

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Ähnliche Empörung gab es, als der neue Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker im Herbst 2014 Oettinger als künftigen EU-Kommissar für „Digitale Wirtschaft und Gesellschaft“ nominierte.
Der Satiriker Martin Hans Sonneborn,  früher Titanic-Chefredakteur und seit 2014 EU-Abgeordneter, testete Oettinger in einem Hearing mit der Frage, wie er als nächster Internet-Kommissar bei der geplanten Internetreform verhindern wolle, dass Informationen über ihn „aus Versehen“ gelöscht werden – etwa, dass er einmal seinen Führerschein wegen 1,4 Promille im Blut habe abliefern müssen. Oder dass Oettinger einmal den NS-Marinerichter Filbinger zum Nazi-Gegner stilisiert habe. Vor allem aber solle er diese Fragen auf Englisch beantworten.

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Oettinger tritt in der Öffentlichkeit souverän auf

Oettinger verzog keine Miene und konterte: „Ich habe die Absicht, Ihre Fragen zu beantworten, aber Ihre Befehle nur eingeschränkt zu befolgen.“ Und auf Deutsch setzte er hinzu, dass er den Führerschein vor einem halben Jahrhundert verloren habe. Zum Thema Filbinger fügte er gelassen an:  „Wer in der Politik ist, muss sich sein Leben lang an seinen Erfolgen und Misserfolgen messen lassen.“ Auch die ihm in der Anhörung gestellte Testfrage, wie er denn von Hackern in den USA verbreitete Nacktfotos von Prominenten künftig im Netz verhindern wolle, beantwortete er eindeutig : „Wenn jemand so blöd ist und als Promi ein Nacktfoto von sich selbst macht und ins Netz stellt, kann der doch nicht erwarten, dass wir ihn schützen.“
Man kann Oettinger bestimmt nicht vorwerfen, dass er sich stur an herrschende Sprachregelungen im politischen Geschäft hält, um nirgendwo anzuecken. So ließ er schon mal einen Besucher, der sich auf einer öffentlichen Veranstaltung in Stuttgart über den angeblich schon wieder zu hohen Ölpreis beklagte, mit den Worten abblitzen: „Schwätzet Se doch net so en Scheiß naus!“ Auch Regierungschefs bekommen ihr Fett weg. Über den griechischen Regierungschef Tsipras und dessen Finanzminister Varoufakis befand Oettinger: „Diese Staatsschauspieler machen jeden Fehler, der nur möglich ist.“
So hatte auch die brave, gutbürgerliche CDU-Politikerin Annette Schavan nie eine Chance, als sie Ende 2004 gegen Oettinger antrat, um den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Erwin Teufel zu beerben. Die Rheinländerin Schavan musste sich vorhalten lassen, nicht einmal richtig das schwäbische Wörtchen „oagnehm“ aussprechen zu können.

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Keywords:
Baden-Württemberg | EU-Kommission | Energie | Digitalisierung | Urheberrecht | Brüssel
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