BIZZ-Exklusiv
06.07.2015

„Schwätzet Se doch net“

fotos: EU, PR

Günther Oettinger, jetzt EU-Kommissar für Digitales, will Energie- und IT-Welt fusionieren und en passant die Macht von Google brechen. Dabei wird er manchmal ganz schön hemdsärmelig. Ein Porträt.

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Die Machtstrukturen in Baden-Württemberg, die Oettinger als Regierungschef zwischen 2005 und 2010 trugen, hatte sein Vor-Vorgänger Lothar Späth gelegt. Mit dem verstand sich Oettinger blendend. Beide forderten etwa den Rücktritt von Helmut Kohl als Kanzler.
In der Ära Teufel verfiel das Bundesland zwischen 1991 und 2005 in einen Dornröschenschlaf. Politisch fand es auf Bundesebene erst wieder unter Oettinger hörbar statt. Dass manche Aktion die Kanzlerin ärgerte, war ihm egal.
Der Volljurist pflegte einen einigermaßen riskanten Lebensstil, der ihn zuweilen in Schieflage brachte. Rotlicht und Alkohol gehörten als Betriebsmittel dazu. Lichtgestalt wollte er eben nie sein. Auf CDU-Parteitagen überließ er anderen für diese Rolle die Bühne. Oettinger zog es vor, auf den Fluren zu intrigieren, Schultern klopfend durch die hinteren Reihen der Presse zu ziehen oder Auto-Bosse wie den damaligen Porsche-Lenker Wendelin Wiedeking zu einem Gläschen Trollinger einzuladen.

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Oettingers unvergesslicher Auftritt

Unvergessen bleibt jener Abend in der Brüsseler Landesvertretung von Baden-Württemberg, auf dem er sich an einem mit Weinflaschen und Biergläsern völlig überladenen Tisch fotografieren  ließ,  auf den Augen zwei Teesiebe als Brille und offenbar so reichlich alkoholisiert, dass er am frühen Morgen „mehr oder weniger ins Bett getragen“ werden musste. Da ihn eine Pressedelegation in die Brüsseler Landesvertretung begleitet hatte, war eine detaillierte Berichterstattung über seinen Alkoholgenuss an diesem Abend garantiert. Auf einer Pressekonferenz in Stuttgart erklärte Oettinger dazu ein paar Tage später sehr cool, er habe weiterhin die Absicht, „außerhalb der Kernarbeitszeit gesellig zu bleiben, leutselig und bürgernah.“ Außerdem habe er sich auf diesem amtlichen Termin in Brüssel nicht anders verhalten als 80 andere Gäste auch.
Solche Auftritte quittierten Weggefährten mit Kopfschütteln: „So isch halt onser Günther. Er macht aus seinen Chancen einfach z‘wenig.“ Aber die CDU-Familie im Ländle schätzte ihn dennoch ob seiner unbestreitbaren politischen Begabung. Neben der gelebten Volksnähe beherrscht Oettinger die intriganten Methoden des zielorientierten Machtpolitikers.

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Keywords:
Baden-Württemberg | EU-Kommission | Energie | Digitalisierung | Urheberrecht | Brüssel
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