E-Mobiliät
09.10.2013

„Sind bei der E-Mobilität gut positioniert“

Fotos: Daimler AG
Christine Haller, Daimler AG

Bis Ende 2014 wollen deutsche Autobauer 16 Elektroautos auf den Markt bringen. Im Interview mit BIZZ energy today spricht Daimler E-Mobility-Managerin Christine Haller über die Strategie des Konzerns bei Batterie- und Brennstoffzellenautos, Markthemmnisse und Kaufprämien.

Wann wird Daimler neben dem Smart weiterere Elektroautos in Deutschland auf den Markt bringen? 

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Mit unserem aktuellen und zukünftigen Produktportfolio sind wir im Feld E-Mobilität sehr gut positioniert. Mit der Serienproduktion des smart fortwo electric drive haben wir bereits im letzten Jahr gezeigt, dass Elektrofahrzeuge für jedermann erschwinglich sein können. Und mit dem Mercedes-Benz SLS AMG Coupé Electric Drive haben wir zudem ein Ausrufezeichen gesetzt. Unsere neue S-Klasse zeigt, wie Luxus und Nachhaltigkeit zu einem vorher noch nie da gewesenen Niveau kombiniert werden können: Neben verbrauchsoptimierten konventıonellen Antrieben steht zukünftıg ein Plug-in-Hybrid-Modell zur Verfügung. Im kommenden Jahr schon wird der S 500 Plug-in Hybrid, mit einem Verbrauch von weniger als vier Litern pro 100 Kilometern und einer rein elektrischen Reichweite von mindestens 30 Kilometern, die vollkommen ausreichend für emissionsfreies Fahren im städtischen Umfeld sind, neue Maßstäbe in der Luxusklasse setzen. Und ein weiteres reines Elektrofahrzeug steht bereits in den Startlöchern: Mit Start der Markteinführung der Mercedes-Benz B-Klasse Electric Drive wird im kommenden Jahr unser Serien-Elektro-Portfolio erneut anwachsen.

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Wann kommt die elektrische B-Klasse in Deutschland?

Zunächst erhältlich in den USA, startet der Rollout anschließend auch in den europäischen Märkten. In den nächsten Jahren werden zudem der smart scooter und die nächste Generation des smart fortwo electric drive - auch als Viersitzer-Variante - unser E-Portfolio ergänzen. Und auch die Brennstoffzellentechnologie hat durch unsere Kooperation mit Ford und Nissan erneut Schub aufgenommen: Ab 2017 startet das erste wettbewerbsfähige Elektrofahrzeug mit Brennstoffzelle in Serie.

Daimler hat den Start der B-Klasse mit Brennstoffzellenantrieb verschoben. Ist die Technologie noch nicht marktreif?

Die Verschiebung war für uns keine Frage der Technologie, sondern der Volumina. Wir hätten die B-Klasse mit Brennstoffzelle bis 2014 in Eigenregie auf den Markt bringen können. Mit den verschiedenen Brennstoffzellenprojekten in Deutschland, den USA sowie auch in Norwegen und nicht zuletzt mit unserer Weltumrundung in 2011 - dem Mercedes-Benz F-CELL World Drive -  haben wir gezeigt, dass die Technologie heute schon einen sehr hohen Reifegrad erreicht hat.  

Jetzt aber haben wir die Chance, zusammen mit Nissan und Ford economies of scale nutzen zu können und größere Fahrzeugvolumina mit der Brennstoffzelle darzustellen. Zudem haben wir damit länger Zeit, zusammen mit den beiden Partnern in Japan, USA und Europa eine entsprechende Infrastruktur hochzuziehen. Das ist einer der kritischen Erfolgsfaktoren für die Kommerzialisierung der Brennstoffzelle, hat deshalb eine hohe Attraktivität und war der Hauptgrund für die Entscheidung.

Noch kommen die Zulassungen für E-Autos nur schleppend voran. Woran hakt es? 

Der große Durchbruch der Elektromobilität hängt von vielerlei Faktoren ab: Zum einen brauchen wir dazu natürlich das passende Angebot auf der Fahrzeugseite. Mit momentan insgesamt neun Fahrzeugmodellen ist unser Spektrum an lokal emissionsfreien Fahrzeugen, mit Batterie- und Brennstoffzellenabtrieb, einzigartig in der Automobilbranche. Mit der erfolgreichen Markteinführung des smart fortwo electric drive haben wir einen sehr großen Schritt gemacht. Die baldige Markteinführung weiterer Fahrzeuge wie der B-Klasse Electric Drive wird den Markt voraussichtlich zusätzlich ankurbeln und wir freuen uns außerdem sehr, dass unsere deutschen Mitbewerber mit ersten elektrischen Modellen noch mehr Schwung in die Elektromobilität bringen. Wir brauchen einerseits ein attraktıves Angebot an Fahrzeugen selbst und andererseits ein entsprechendes politisches Umfeld und vor allem eine flächendeckende Infrastruktur, um Kunden eine "echte" Alternative anzubieten.

Sind Kaufprämien nötig?

Auch finanzielle Anreize, wie etwa staatliche Förderung, können beschleunigend wirken, um eine neue  - und damit auch noch vergleichsweise hochpreisige Technologie – schnell in den Markt zu bringen. Die Kommerzialisierung von Elektrofahrzeugen ist Teamwork. Deshalb müssen Politik, Energieversorger und Automobilhersteller dafür im engen, internationalen Dialog die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen. 

Die promovierte Betriebswirtin Christine Haller ist Leiterin für  Marketing und Vertrieb eMobility bei der Daimler AG in Stuttgart.

 
Karsten Wiedemann
Keywords:
Daimler | E-Mobilität
Ressorts:
Markets | Community

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