BIZZ-Exklusiv
08.01.2013

„Staat muss Kaufanreize setzen“

Linde AG
Markus Bachmeier leitet den Bereich Hydrogen Solutions bei Linde.

Wasserstoff (H2) wird künftig eine wichtige Rolle bei der grünen Mobilität spielen, sagt Markus Bachmeier, Leiter des Bereichs Hydrogen Solutions beim DAX-Konzern Linde. In den nächsten drei Jahren sollen deutschlandweit 50 neue H2-Tankstellen entstehen.

BIZZ energy today: Welche Bedeutung misst Linde künftig der Wasserstoff-Mobilität zu? 

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Markus Bachmeier: Wir sind uns sicher, dass Wasserstoff eine wichtige Rolle in einer künftigen, zunehmend CO2-armen Mobilität spielen wird. Für wasserstoffbetriebene Brennstoffzellenfahrzeuge spricht neben ihrer Emissionsfreiheit die rasche Wiederbetankung und die langstreckentaugliche Reichweite – eine klare Differenzierung gegenüber anderen, emissionsfreien Fahrzeugen. Wasserstoff lässt sich aus zahlreichen, auch erneuerbaren Quellen, wie zum Beispiel Windenergie oder Biomasse, herstellen. Wir arbeiten mit führenden Automobilherstellern an einem koordinierten Aufbau der Infrastruktur, denn die ersten Serienmodelle mit Brennstoffzelle sind bereits für das Jahr 2015 angekündigt. 

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BIZZ e.t.: Derzeit fehlt noch eine H2-Infrastruktur. Wie kann der Ausbau von neuen Tankstellen kostengünstig gelingen? 

Bachmeier: Für den Aufbau eines Wasserstoff-Tankstellennetzes ist die Förderung, die der Bundesverkehrsminister in diesem Sommer zugesagt hat, ein wichtiger Schritt nach vorne. Herr Ramsauers Ministerium beteiligt sich an einer Initiative von führenden Unternehmen, darunter Daimler und Linde, zum Bau von 50 Tankstellen in Deutschland im Laufe der kommenden drei Jahre. Damit wäre, rechtzeitig zum Produktionsstart für Brennstoffzellen-Pkw, eine Grundversorgung mit Wasserstoff sichergestellt. Wie auch bei anderen Industriegütern sinken die Kosten einer Tankstelle mit steigender Anzahl. Dank unserer langjährigen Erfahrungen beim Bau von H2-Tankstellen vollziehen wir zurzeit – ähnlich wie die Automobilhersteller – den wichtigen Schritt von der Einzel- zur Kleinserienfertigung. 

BIZZ e.t.: Wo sollte oder muss der Staat also noch helfen?

Bachmeier: Staatliche Anreize – oder deren Fehlen – haben einen maßgeblichen Einfluss auf den Markterfolg einer neuen Technologie. Gerade bei Systeminnovationen, wie dem Umbau, beispielsweise der Erweiterung unseres Tankstellennetzes auf Wasserstoff, sind anfängliche Verluste der beteiligten Unternehmen unvermeidlich. Hier ist ein Anschub durch die öffentliche Hand – wie beschrieben – unbedingt notwendig.

BIZZ e.t.: Brauchen wir auch Anreize für den Kauf der Wasserstoffautos?

Bachmeier: Die ersten wasserstoffbetriebenen Serienmodelle werden ein bestimmtes Preispremium gegenüber herkömmlich angetriebenen Antriebsvarianten aufweisen. Auch hier ist der Staat aufgerufen, monetäre oder auch nicht-monetäre Kaufanreize zu setzen, um die neue Technologie zum Beispiel für Flottenbetreiber attraktiv zu machen. Nur so werden sich letztlich die CO2-Einsparungsziele im Verkehrsbereich erreichen lassen.     

BIZZ e.t.: Erhält das Thema durch die Suche nach neuen Energiespeichern, insbesondere für überschüssigen Windstrom, nun zusätzlich Auftrieb?

Bachmeier: Ja, auf alle Fälle. Es ist ja eine ganz grundlegende, positive Eigenschaft des Wasserstoffs, dass er aus einer Vielzahl von Primärenergien hergestellt werden kann und somit nicht an eine bestimmte, womöglich fossile Quelle gebunden ist. Als sinnvoller Energiespeicher für fluktuierende, nachhaltige Energieformen kann er daher eine weitere wichtige Funktion im Rahmen der Energiewende erfüllen. Einmal erzeugt, stehen einem dann mehrere Möglichkeiten offen – sei es die Rückverstromung, die Einspeisung ins Erdgasnetz oder eben die Betankung von Brennstoffzellenfahrzeugen. Wir sind bestrebt, den Anteil an erneuerbarem Wasserstoff an unserer eigenen H2-Produktion zu erhöhen und arbeiten hier mit Partnern an entsprechenden Projekten. Die Fahrzeuge der Clean Energy Partnership (CEP) tanken bereits unseren „grünen“ Wasserstoff.

Niels Hendrik Petersen
Karsten Wiedemann
Keywords:
Wasserstoff | Mobilität | Markus Bachmeier | Linde
Ressorts:
Technology | Markets

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