BIZZ-Exklusiv
05.06.2013

„Strafzölle helfen nicht“

Solarwatt
Detlef Neuhaus ist seit September 2010 Solarwatt-Chef.

Detlef Neuhaus, Geschäftsführer von Solarwatt, im Interview mit BIZZ energy today über die chinesische Konkurrenz, eigenes Know- how und den Weg aus der Krise

BIZZ energy today: Welche Zukunft sehen Sie für Deutschland als Produktionsstandort von Solarmodulen?

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Detlef Neuhaus: Das Geschäftsmodell, ausschließlich Module auf Basis staatlicher Subventionen herzustellen, ist am Ende. Auch Strafzölle gegen chinesische Hersteller werden dem alten Modell nicht helfen. Eine maximale Rendite mit der Stromproduktion und Einspeisung ins Netz rauszuholen, ist als Konzept nicht mehr tragfähig. Unsere Kunden wollen das auch nicht. Sie wollen sich von steigenden Energiepreisen abkoppeln.

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Der Eigenverbrauch kann dabei helfen. Ab welcher Größenordnung rechnet sich das?

Ein Eigenverbrauch zwischen 60 bis 80 Prozent kann heute bereits wirtschaftlich sein. Auch wenn die Anfangsinvestition etwas höher ist, zahlt sich das über die längere Lebensdauer aus.

Solarwatt hat ein Insolvenzverfahren hinter sich. Wie sieht Ihr neues Geschäftsmodell aus?

Wir kommen aus dem Modulgeschäft und haben uns nun komplett neu aufgestellt. Unser Ziel sind förderungsunabhängige Produkte. Das heißt: Wir bieten Solar-Lösungen mit Speichermanagement, Batteriespeicher und Dachanlagen für Carports an. Für letzteres gibt es eine Kooperation mit BMW.

Was erwarten sie von der neuen Zusammenarbeit?

Erstes Ziel ist es, Kunden von unserer Qualität zu überzeugen, gerade auch bei Service und Wartung. Wir gehen davon aus, diese qualitätsbewussten Kunden bei BMW zu finden. Leute, die für eine bessere Qualität auch mehr bezahlen wollen. Konkrete Umsatzziele gibt es allerdings nicht. Aber mittelfristig gehe ich schon von einer höheren Nachfrage aus.

Sie haben Ihr Angebot komplett auf Glas- Glas-Module ohne Folienbeschichtung umgestellt. Wo liegen die Vorteile?

Das Modul ist sehr langlebig. Deshalb geben wir auch gern 30 Jahre Garantie darauf. Fehler, die zu Leistungsverlusten wie bei herkömmlichen Glas-Folien-Modulen führen, sind dabei ausgeschlossen – genauso wie eine Brandgefahr.

Sie sind Pionier dieser Technik. Ist sie schon konkurrenzfähig?

Durchaus. Wir arbeiten seit 1998 an Glas-Glas-Modulen. Lange waren diese aber zu schwer, zu teuer und kompliziert zu montieren. Das haben wir gelöst. Unsere Module haben dasselbe Gewicht wie herkömmliche.

Wie haben sie das geschafft?

Die Glas-Technologie ist gereift. Zwei Millimeter dicke Gläser erreichen eine gute Härte. Alle unsere Module sind extrem belastbar wie sonst nur Spezialmodule. Damit sind auch hohe Schneelasten kein Problem mehr. Verbunden mit unserem Know-how aus mehr als 20 Jahren Solar-Modulherstellung, haben wir das erreicht. Das ist unsere eigene Entwicklung.

Setzen Sie auch auf neue Märkte in Asien?

Nein, zumindest nicht in China. Ich bezweifle, dass es ein deutsches Unternehmen gibt, das dort profitabel verkauft. Sie brauchen einfach den Absatzmarkt. Wir konzentrieren uns auf die reifen Märkte in Mittel- und Südeuropa: Deutschland, Österreich und Schweiz sowie Italien, Frankreich und Spanien. 

 

Solarwatt startet 1993 als Zwei-Mann-Unternehmen, heute sind es 330 Mitarbeiter. Es waren schon einmal mehr: Knapp 100 Leute mussten im Rahmen einer Insolvenz in Selbstverwaltung im vergangenen Jahr gehen. Danach hat sich Solarwatt neu aufgestellt. Die Dresdener sind ein Pionier bei Glas- Glas-Modulen. Der studierte Maschi- nenbauer Neuhaus führt das Unternehen bereits seit September 2010. 

 

Niels Hendrik Petersen
Keywords:
Detlef Neuhaus | Solarwatt | Strafzölle | Glas-Module | BIZZ-Exklusiv
Ressorts:
Technology

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