Interview
02.03.2017

„Telekom-Anbieter haben es besser als Stromnetzbetreiber“

Foto: RWE
Hildegard Müller.

Innogy-Vorstand Hildegard Müller über Netzinvestitionen, Eigenkapitalrenditen und die Regulierungspraxis der Bundesregierung.

bizz energy: Wie viel investieren Sie in Verteilnetze, Frau Müller?

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Hildegard Müller: Das gesamte Investitionsbudget von Innogy liegt bei 6,5 Milliarden Euro für 2016, 2017 und 2018. Davon fließen 3,1 Milliarden Euro in den deutschen Netzbereich, eine weitere Milliarde Euro in Innogy-Netze in Osteuropa.

Verschmelzen dabei die Branchen Energie und Telekommunikation ?

Diese Bereiche wachsen ständig weiter zusammen, die einstigen Gräben zwischen beiden sind passé. Apropos Gräben: Wenn wir heute die Straße aufstemmen, um Strom- oder Gasleitungen zu installieren, dann verlegen wir in der Regel auch gleich Leerrohre für Glasfaserkabel – für die Telekommunikation.

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Wie viele Haushalte profitieren davon?

Wir haben bis heute über 600.000 Haushalte an das Breitband angeschlossen. Anfang Februar kündigten wir an, zusammen mit der Deutschen Telekom in 60 Ortsnetzen Breitband anzubieten  – um dort schnelles Internet zu ermöglichen.

Unterstützt Sie die Bundesregierung dabei?

Wenn wir Stromnetze ausbauen, bauen wir auch Breitbandstrukturen für die Telekommunikation aus. Man könnte die Anerkennung der Kosten im Rahmen der  Regulierung attraktiver gestalten. Telekom-Anbieter haben es besser als Stromnetzbetreiber.

Inwiefern?

Die Bundesnetzagentur gewährt Unternehmen der Telekommunikation höhere Zinsen auf das eingesetzte Eigenkapital. Die Marktrisikoprämie innerhalb der Eigenkapitalverzinsung liegt dort bei 4,73 Prozent. Den Energieunternehmen werden aber nur 3,80 Prozent zugebilligt. Das ist nicht fair – und auch nicht mehr zeitgemäß.

Wie reagieren Sie darauf?

Gegen die von der Bundesnetzagentur neu festgesetzte Eigenkapital-Verzinsung haben wir Beschwerde eingelegt – so wie quasi alle anderen deutschen Verteilnetzbetreiber auch. Für eine erfolgreiche Energiewende brauchen wir auch eine Regulierungswende – mit stärkeren Anreizen für Innovationen und höheren Zinsen.

Die Bundesnetzagentur gewährt aktuell 7,14 und ab 2019 immer noch 5,12 Prozent für Investitionen in bestehende Netze. Das sind doch Traumrenditen, im Vergleich etwa zu Staatsanleihen. Kriegen Sie denn nie genug?

International agierende Investoren schauen nun mal vor allem auf die Verzinsung der Stromnetz-Investitionen. Die liegt zum Beispiel in der Schweiz einen ganzen Prozentpunkt höher, in Norwegen sogar fast drei Prozentpunkte. Das sind beides bekanntlich keine Schwellenländer oder gar failed states, sondern hochentwickelte Industrienationen. Wir sind das Energiewendeland Nummer Eins, aber bei den Eigenkapitalrenditen für notwendige Netzinvestitionen liegen wir in Europa eher hinten.

Gibt es beim Ausbau lokaler und regionaler Verteilnetze ähnliche Bürgerproteste wie beim Bau der nationalen Übertragungsnetze zwischen Nordseeküste und Bayern?

Solche Bürgerproteste sind bei Verteilnetzen viel seltener, aber sie kommen vor. In Rheinland-Pfalz müssen wir eine 20 Kilometer lange Verbindung zwischen zwei Umspannanlagen in Rheinland-Pfalz erneuern. Vor Ort gab es kritische Fragen, allgemeines Gemurmel und auch Proteste einer Bürgerinitiative. Hier hat unser Netzbetreiber Westnetz im Einklang mit der Bundesnetzagentur am Ende eine wirtschaftlich tragfähige Erdkabel-Lösung gefunden.

Hildegard Müller ist seit Mai 2016 Vorstand von Innogy und gestaltete den Börsengang der früheren RWE-Tochter maßgeblich mit. Zuvor war sie Staatsministerin im Kanzleramt und leitete danach sieben Jahre den
Branchenverband BDEW in Berlin. 

Das Interview ist in der März-Ausgabe von bizz energy erschienen. Das Heft erhalten Sie bei unserem Abo-Service unter unter bizzenergy@pressup.de.

Interview: Joachim Müller-Soares
Keywords:
RWE | Innogy | Hildegard Müller | Verzeilnetze | Bundesnetzagentur | Energie | Telekommunikation
Ressorts:
Markets | Community

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