BIZZ-Exklusiv
19.06.2013

„Transparenz ist Trumpf“

Foto: Jan Pauls Fotografie

Enovos-Chef Hans-Martin Huber-Ditzel spricht im Interview mit BIZZ energy today über Transparenz, Marktgebiete und schwarze Schafe im Gaswettbewerb.

BIZZ energy today : Herr Huber-Ditzel, herrscht im Gasmarkt ausreichend Wettbewerb? 

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Hans-Martin Huber-Ditzel: Beim Gasimport und am außerbörslichen OTC-Markt könnten wir mehr Liquidität im Markt gut gebrauchen, etwa in Form von Liquefied Natural Gas (LNG), das auf Tankern nach Europa kommt. Noch können wir nicht absehen, ob und in welchen Mengen künftig die USA ihr Schiefergas als LNG exportieren werden. 

Was ist mit dem Gashandel innerhalb Deutschlands?

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Da gab es erhebliche Fortschritte. Die Zahl der Marktgebiete wurde von 19 im Jahr 2006 auf nur noch zwei reduziert, und zwar Gaspool im Norden und Osten sowie Net Connect Germany im Süden und Westen. Jetzt sollte noch der letzte Schritt zu einem einzigen Marktgebiet vollzogen werden. Derzeit fallen ärgerliche Konvertierungsgebühren und Regelenergieumlagen in den Marktgebieten an, teilweise mehr als ein Cent pro Kilowattstunde. Eigentlich profitieren nur die Netzbetreiber in beiden Marktgebieten von diesen Gebühren, die der Händler dann auf seine Kunden abwälzt. Durch die Zusammenlegung zu einem Marktgebiet könnte man noch erhebliche Synergien heben – und die Gaspreise senken.

Müssten Kunden nicht viel öfter ihren Anbieter wechseln, um den Wettbewerb anzuheizen?

Ja, aber nach den jüngsten Pleiten einiger Anbieter wie Flexstrom sind wechselwillige Kunden verständlicherweise erst mal verunsichert. Die Wechselbereitschaft sinkt, obwohl die Wechselquote kurzfristig offiziell sogar steigt: Die betroffenen Flexstrom-Kunden zum Beispiel wurden zunächst automatisch dem örtlichen Grundversorger zugewiesen und hatten dann die Chance, einen neuen Anbieter zu suchen. In der Statistik tauchen sie also gleich mit zwei Wechselvorgängen auf. 

Wie kann man schwarze Schafe unter den Anbietern frühzeitig identifizieren?

In den USA gibt es das Naming and Shaming: Unseriöse Unternehmen werden schnell von Behörden an den Pranger gestellt, ihre Details im Internet veröffentlicht. In Deutschland haben die Mitglieder der Schlichtungsstelle Energie gerade auf Betreiben des Bundesverbandes Neuer Energieanbieter beschlossen, nicht nur die Anzahl der Schlichtungsfälle, sondern auch die Namen der betroffenen Unternehmen regelmäßig an die Bundesnetzagentur zu übermitteln. Die Regulierungsbehörde hat damit die Möglichkeit, Verbraucher bei Auffälligkeiten zu informieren. Damit hätte man eine Art Frühwarnsystem installiert.

Werden in Deutschland ausreichend neue Gaskraftwerke gebaut?

Nein, obwohl wir die als Back-up für die zunehmende Menge Ökostrom im Netz künftig dringend brauchen, um das Gesamtsystem zu stabilisieren. Wir werden nicht umhin kommen, das bloße Bereitstellen solcher Gaskraftwerkskapazität zu honorieren, sonst wird niemand neue Anlagen bauen.

Bleibt bei einem solchen Kapazitätsmarkt der Wettbewerb auf der Strecke?

Diese Gefahr besteht ohne Zweifel. Sie wird aber deutlich geringer, wenn diese Kapazitäten im Rahmen öffentlicher Auktionen versteigert werden, so wie heute schon bei der Regelenergie. Ansonsten gilt auch hier: Transparenz ist Trumpf. Das Gegenbeispiel ist die Art und Weise, wie sich die Bundesnetzagentur im stillen Kämmerlein mit Eon über den Weiterbetrieb des Gaskraftwerks Irsching bei Ingolstadt verständigt hat. Warum wird ausgerechnet dieses Kraftwerk zur Netzstabilisierung genommen und kein anderes; zum Beispiel eines, das gerade von einem Eon-Konkurrenten gebaut wird? Solche bilateralen, intransparenten Verhandlungen haben mit Wettbewerb nichts zu tun. Die Zeche zahlen am Ende übrigens wieder einmal alle Kunden – über die Netzentgelte.

Hans-Martin Huber-Ditzel ist Deutschland-Chef des Luxemburger Energiekonzerns Enovos. Der promovierte Maschinenbau-Ingenieur führt im Ehrenamt den Bundesverband Neuer Energieanbieter. 

 

Topteaserbild: Rolf Sturm/Eon

 
Joachim Müller-Soares
Keywords:
Hans-Martin Huber-Ditzel | BIZZ-Exklusiv
Ressorts:
Markets | Community

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