BIZZ-Exklusiv
11.06.2013

„Versicherer können in Netze und Stromerzeugung investieren“

EU-Generaldirektor für Energie: Philip Lowe

EU-Energiedirektor Philip Lowe erklärt im Interview mit BIZZ energy today, wie die EU-Kommission die Unbundling-Regeln für Investoren im Energiesektor gelockert hat.

BIZZ energy today: Herr Lowe, lockern Sie die Unbundling-Regeln der EU, die gleichzeitige Investments in Windparks und Stromnetze erschweren?

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Philip Lowe: Unsere Unbundling-Regeln bleiben als Teil der EU-Richtlinien bestehen, um Wettbewerb zu fördern und Marktmacht zu beschränken. Aber wir haben jetzt eine Interpretation veröffentlicht, wie wir mit Versicherungskonzernen und anderen Finanzinvestoren verfahren, die gleichzeitig in Energieerzeugung und Netze investieren wollen. Wir geben diesen Investoren dafür grünes Licht. 

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Das wird Allianz, Munich Re und andere Investoren freuen. Warum haben Sie zuvor Großanleger und Finanzmärkte so lange im Unklaren gelassen?

Unsere Juristen wollten erst einmal viele Einzelvorgänge sammeln und bewerten. Unsere jetzt veröffentlichte Interpretation basiert auf der Auswertung von rund 30 Einzelfallentscheidungen.

In Deutschland gelten die milliardenschweren Versicherungskonzerne als mögliche Finanziers der Energiewende. Man spricht zuweilen sogar von einem Green New Deal. Unterstützen Sie den?

Es war nie die Absicht der EU-Kommission oder des Europäischen Rats, solchen Investoren Hindernisse in den Weg zu legen. Von unserer Seite gibt es bei Investments in Energieerzeugung und Infrastruktur kein regulatorisches Risiko für Versicherungen und für andere Finanzinvestoren – solange sie nicht als strategische Investoren auftreten und dem Wettbewerb schaden könnten. Solche strategischen Ziele verfolgen Versicherungen aber im Energiemarkt nicht.

Wieviel Rechtsicherheit für Finanzinvestoren bietet das jetzt auf den EU-Webseiten veröffentlichte Dokument?

Es bindet die EU-Kommission bei ihren Entscheidungen. Wie unabhängige Gerichte im Fall von Rechtsstreits entscheiden, können wir natürlich nicht vorgeben.

Philip Lowe ist seit Februar 2010 Generaldirektor für Energie in der Brüsseler EU-Kommission unter  Energiekommissar Günther Oettinger. Zuvor war Lowe acht Jahre lang Generaldirektor für Wettbewerb und damit Chefarchitekt der EU-Unbundling-Regeln. Lowe wurde 1947 im nordenglischen Leeds geboren und studierte in Oxford Ökonomie, Politik und Philosophie. Er spricht verhandlungssicheres Deutsch.
 
Top-Teaser-Bild: Schmuttel  / pixelio.de
Joachim Müller-Soares
Keywords:
Philip Lowe | Unbundling | EU-Kommission | BIZZ-Exklusiv
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