BIZZ-Exklusiv
14.12.2012

„Wasserstoff bietet gute Geschäftschancen“

Foto: Enertrag
Enertrag-Chef Werner Diwald (rechts) mit Total-Deutschlandchef Hans-Christian Gützkow

Strom, Wärme und Mobilität: Im Interview mit BIZZ energy today erklärt Werner Diwald, Vorstand des Energieunternehmens Enertrag, warum sein Unternehmen in Wasserstoff-Technologie investiert und welche Hürden es auf dem Weg zur Marktreife noch zu überwinden gibt.

BIZZ energy today: Herr Diwald, warum investiert Enertrag in Wasserstoff-Technologie?

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Werner Diwald: Es besteht großer Bedarf, erneuerbare Energien speicherfähig zu machen, denn nur so wird die Energiewende gelingen. Wir haben verschiedene Techniken analysiert, etwa Batterien oder Druckluftspeicher. Wasserstoff hat sich dabei für uns als einzige Möglichkeit entpuppt, mit der sich langfristig größere Energiemengen speichern und auch schnell wieder abgeben lassen. Ähnlich wie Erdöl kann Wasserstoff Strom, Wärme und Mobilität liefern. Wegen dieses großen Potenzials sehen wir sehr gute Geschäftschancen. Der Markt verlangt im Moment nach Produkten, die es so noch nicht gibt. Wir wären also schlechte Unternehmer, wenn wir hier nicht unsere Chance suchen würden. 

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BIZZ e.t.: Elektrolyseure, die zur Wasserstoffproduktion benötigt werden, gibt es aber schon.

Diwald: Die Elektrolyse an sich ist schon etabliert, in Zukunft wird es aber um die Systemintegration, um die Steuerungs- und Regelungstechnik für die Elektrolyse gehen. Und da haben wir ein Vorsprung gegenüber anderen Herstellern. 

BIZZ e.t.: Wo liegen die größten Herausforderungen?

Diwald: Ganz klar, wir müssen die Kosten runterbringen, das wird entscheidend sein. Pro installiertem Kilowatt ist es aus meiner Sicht langfristig möglich, bis zu 30 Prozent Kosten einzusparen. Dafür brauchen wir die Serienfertigung und größere Elektrolyse-Anlagen. Wasserstoff als Kraftstoff ist heute schon mit herkömmlichem Benzin konkurrenzfähig. Es fehlt lediglich an den günstigen Fahrzeugen. Auch bei den gesetzlichen Rahmenbedingungen für Wasserstoff sehe ich noch Handlungsbedarf.

BIZZ e.t.: Woran hakt es da?

Diwald: Sie brauchen Anreize. Wir konkurrieren ja mit fossilen Energieträgern, deren Folgekosten wie Umweltschäden bis dato nicht eingepreist werden. Das ist ein Nachteil, denn wir müssen ja Anreize schaffen, sich nachhaltig zu verhalten und entsprechend zu investieren. Warum sollte ein Autobauer heute ein Wasserstoffauto entwickeln, wenn er die herkömmlichen Fahrzeuge auch noch verkaufen kann?

BIZZ e.t.: Wie könnten Anreize aussehen?

Diwald: Möglich wären Quoten oder eine Festvergütung, beides hat Vor- und Nachteile. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz hat sich aus unserer Sicht aber als System bewährt, dass zu einem konsequenten Ausbau der erneuerbaren Energien und einer nachhaltigen Industriepolitik führt. Bei Wasserstoff fehlt so etwas noch.

BIZZ e.t.: Enertrag betreibt bereits einen Elektrolyseur in Prenzlau und liefert Strom für die neue Wasserstofftankstelle am Berliner Großflughafen BER. Werden Sie noch Anlagen bauen?

Diwald: Wir planen in Deutschland zwei weitere Anlagen im Multi-Megawattbereich. In Frankreich, wo wir kürzlich den Vertrag für einen Solarpark unterschrieben haben, wollen wir in zwei, drei Jahren so weit sein.

 

Werner Diwald ist Vorstand der Enertrag AG mit Sitz im brandenburgischen Dauerthal. Das Unternehmen betreibt Solar- und Windparks und eröffnete 2011 ein Hybridkraftwerk in Prenzlau. Dort wird aus Windstrom Wasserstoff gewonnnen.

 

 

Karsten Wiedemann
Keywords:
Wasserstoff | Elektrolyseur | BER | BIZZ-Exklusiv | Elektromobilität | Enertrag | Werner Diwald | Windenergie
Ressorts:
Markets

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