BIZZ-Exklusiv
15.10.2014

„Wettbüro für Politik“

Benyamin Rahmani; Titel: PR
bizz energy Chefredakteur Dr. Joachim Müller-Soares im Gespräch mit Prof. Ottmar Edenhofer

Ökonomieprofessor Ottmar Edenhofer über die Webfehler des Emmissionshandels, die Gründung einer Klima-Zentralbank und Chinas neue Strategie gegen die Kohle.

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bizz energy: Die Tonne CO2 dümpelt unter sechs Euro. Was läuft beim EU-Emissionshandel schief?

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Prof. Ottmar Edenhofer: Die jährlichen Emissionen in der EU liegen derzeit unter der Mengenbegrenzung des ETS. Wir beobachten seit Beginn des Emissionshandels einen permanenten Preisverfall. Die Wirtschafts- und Finanzkrise verursachte einen enormen Angebotsüberschuss bei den Zertifikaten. 

Und wie geht es jetzt weiter?

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Derzeit entwickeln Händler und Investoren Erwartungen, was mit den überschüssigen Zertifikaten passieren wird, insbesondere in der kommenden Emissionshandelsperiode. Die kollektive Erwartung ist, dass dieser Zertifikateüberschuss nie aus dem Markt genommen wird, auch erwarten die Investoren offenbar keine ambitionierte europäische Klimapolitik bis 2030. Daher leiten Investoren ab, dass die Zertifikate bis ins Jahr 2020 quasi nichts wert sein werden.

Woher wissen Sie das so genau?

Wir haben das am MCC in einem umfangreichen ökonometrischen Test en Detail analysiert. Unser Fazit lautet: Nur zehn Prozent des Preisverfalls sind durch ökonomische Fundamentaldaten erklärbar, wie Konjunktureinbruch, Ausbau der Erneuerbaren oder der Zufluss an zusätzlichen CDM-Zertifikaten aus Schwellen- und Entwicklungsländern.

Sind die restlichen 90 Prozent reine Psychologie?

Als Psychologie möchte ich das nicht bezeichnen. Die übrigen 90 Prozent gehen auf das Konto der bereits erwähnten Erwartungen von Händlern und Investoren, was mit den überschüssigen Zertifikaten passiert. Der Emissionshandel ist heute ein Wettbüro für politische Entscheidungen. Wir wollten aber kein Wettbüro, sondern ein ökonomisches Instrument, das die Suche nach den günstigsten und besten Technologien zur CO2-Vermeidung auslöst. Davon kann derzeit keine Rede sein.

Können Sie dem heutigen Emissionshandel gar nichts Positives abgewinnen?

Mir fällt ein positiver Aspekt ein: Die beklagenswerte Entwicklung des Emissionshandels verdeutlicht, dass Investoren die EU-Klimapolitik nicht für glaubwürdig halten.

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Keywords:
Ottmar Edenhofer | Emissionshandel | Zentralbank | Klima-Zentralbank | Klimaschutz | EU-Kommission | Jos Delbeke | Minimumpreis | CO2 | Zertifikate | Zertifikathandel
Ressorts:
Governance | Markets

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