BIZZ-Exklusiv
06.05.2013

„Wir beseitigen Flaschenhälse“

Foto: PSI

Harald Schrimpf, Vorstandsvorsitzender von PSI, über die Bedeutung von IT bei der Energiewende.

BIZZ energy today: Herr Schrimpf, profitiert PSI von der Energiewende? 

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Harald Schrimpf: Bisher leider nicht. Obwohl wir massiv betroffen sind. Das Umdenken in der Politik im Hinblick auf die Stromerzeugung erfordert viele Innovationen, die ein Ausrüster anbieten muss. Dann wollen die Kunden die neuen Techniken erstmal ausprobieren. Insgesamt haben wir die Ausgaben für Forschung und Entwicklung verdreifacht, auf etwa 9,5 Prozent des Umsatzes. Aber noch ernten wir die Früchte nicht. 

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Aus welchem Grund?

Die Energieversorger warten derzeit ab, welche Technologie sich durchsetzt. Sie wollen so spät wie möglich investieren. Auch Inselsysteme, die eine autarke Versorgung ermöglichen sollen, sind ein lukrativer Zukunftsmarkt. Aber noch verdienen wir damit kein Geld. Ein positiver Effekt kommt vielleicht, wenn weitere Länder dem deutschen Weg folgen.

 

Harald Schrimpf, PSI
Harald Schrimpf, PSI

 

Was leisten Sie konkret für den Ausbau von erneuerbaren Energien? 

Wir sorgen zum Beispiel dafür, dass der Windstrom überhaupt transportiert werden kann. Wir beseitigen einige Flaschenhälse auf Übertragungs- und Verteilebene. Dank unserer Algorithmen kann ein Maximum der Energie durch die Trassen geleitet werden. Dadurch werden bei starkem Wind weniger Turbinen abgeregelt. Es gibt noch weiteres Steigerungspotenzial, obwohl am Netzausbau kein Weg vorbei führt – Intelligenz hin oder her.

Gibt es weitere Projekte?

Das Ultranet mit Gleichstromkomponenten von Amprion läuft auch mit PSI-Software, genauso wie das Hochspannungsmonitoring bei Tennet. Ein anderes Beispiel ist unser Know-how für ein virtuelles Kraftwerk. Also das Zusammenspiel von Wind-, Sonnen- und Biogasanlagen, die gegenseitig die fluktuierende Stromerzeugung ausgleichen.

Sind sie ein grünes Unternehmen? 

Nein, nicht in erster Linie. Wir stehen für Effizienz im Umgang mit Energie und Rohstoffen. Unsere Geschäftsentscheidungen werden nicht ethisch, moralisch oder ökologisch, sondern ökonomisch begründet. Aber unsere Software hat einen erheblichen Einfluss auf das CO2-Profil unserer Kunden. Wir helfen den Unternehmen, Geld zu sparen. Beispielsweise lassen sich die Energiekosten bei der Rohstahlerzeugung um 10 bis 30 Prozent senken, wenn das Stop-and-Go bei der Produktion und damit das erneute Erhitzen des Stahls minimiert werden kann. Intelligente Steuerung ist hier gefragt.

Stichwort Intelligenz: Energie- und Internetinfrastruktur verschmelzen immer mehr...

Es ist richtig, dass man IT verwendet, um die Netze zu führen. Eine direkte Kopplung zwischen Internet und Energiekreisläufen gibt es nicht, und das ist auch gut so. Es wäre ein Alptraum, wenn sich ein Hacker des Strom- oder Gasnetzes bemächtigen würde. Deshalb waren die Netze in der Vergangenheit komplett galvanisch getrennt. Ein wachsender Energiehandel und die Berichtspflichten durch die Netzregulierer führen allerdings zu immer mehr Verbindungen. Damit steigt das Sicherheitsrisiko.

 
Niels Hendrik Petersen
Keywords:
IT | PSI | Energieeffizienz | BIZZ-Exklusiv
Ressorts:
Technology | Community

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