BIZZ-Exklusiv
29.04.2013

„Zenit noch nicht erreicht“

Stadtwerke Hannover
Michael G. Feist, Vorsitzender des Vorstands und Kaufmännischer Direktor der Stadtwerke Hannover AG

Michael G. Feist, Vorstandsvorsitzender der Stadtwerke Hannover, über den Trend zur Rekommunalisierung und über die neue Kleinteiligkeit des Stromnetzes.

BIZZ energy today: Herr Feist, gibt es einen nachhaltigen Trend zur Rekommunalisierung?

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Michael Feist: Ja, ich sehe einen klaren Trend zur Rekommunalisierung. Eine ganze Reihe von Gemeinden steigt aktuell alleine oder mit Partnern zusammen ins Netzgeschäft ein. Anstatt Konzessionen an Externe zu vergeben, übernehmen Kommunen die lokalen Netze lieber in Eigenregie. Ziel ist es, das eigene Stadtwerk zum vollwertigen Endverteiler zu machen. Diese Entwicklung hat ihren Zenit noch nicht erreicht.

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Freut Sie diese Entwicklung?

Sie entspricht den veränderten Rahmenbedingungen, den neuen Zielen der Energiewirtschaft seit der Reaktorkatastrophe von Fukushima. Die Energiewende führt letzten Endes zu einer dezentralen Versorgung. Diese neuen Strukturen machen es für Städte und Kommunen leichter, sich an der Energieversorgung angemessen zu beteiligen. Anders gesagt: Der Trend zu dezentralen Strukturen stärkt die Stadtwerke.

Ist Rekommunalisierung aus Sicht der Bürger eine gute Sache?

Ja, weil es insgesamt dazu führt, dass Energieversorgung ein stärkerer Teil des örtlichen Wirtschaftskreislaufes wird. Die erwirtschafteten Ergebnisse werden so über die kommunalen Eigner wieder in den örtlichen Wirtschaftskreislauf eingespeist. Das gibt, glaube ich, dem ganzen Modell eine Menge Stabilität und ist aus Sicht der Bürger und Steuerzahler eine gute Sache.

Sehen Sie bei den Verteilnetzen aktuell einen Investitionsstau?

Es gibt bei den Verteilnetzen keine ausreichenden Investitionsanreize. Das ist ein substanzielles Problem, denn die Verteilnetze müssen fit gemacht werden für die Aufnahme weiterer Ökostromkapazitäten. Ich habe den Eindruck, dass die Bundesnetzagentur nur begrenzt bereit ist, sich hier zu bewegen und ausreichende Renditen beim Ausbau der Verteilnetze zu genehmigen.

Städte und Gemeinden bilden regelmäßig Rückstellungen für Instandhaltung und Ausbau im Verteilnetzbereich. Werden diese Gelder zuweilen zweckentfremdet, etwa zum Bau von Schwimmbädern?

Das kann ich mir nicht vorstellen. Ich habe mit Verwunderung zur Kenntnis genommen, dass die Bundesnetzagentur solche Theorien verfolgt.

Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur, hat im Interview mit BIZZ energy today beklagt, dass das Netz durch die Rekommunalisierung kleinteiliger und damit schwieriger zu steuern wird. Stimmen Sie dem zu?

Das ist eine richtige Beobachtung. Aber es bleibt zu klären, ob das Netz damit auch ineffizienter wird. Das ist im Moment eine offene Frage. Ich kenne viele kleine Netzbetreiber, die eine extrem hohe Effizienz besitzen. Die Gleichung ‚klein gleich ineffizient‘ ist aus meiner Sicht so nicht richtig.

Foto Starsteite: Pixelio/Kurt Hochrainer
 

 

Joachim Müller-Soares
Keywords:
Rekommunalisierung | Michael G. Feist | Vorstandsvorsitzender | Stromnetz
Ressorts:
Governance

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