Einen Rechenfehler zur Belastung durch Windkraftanlagen hat Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) eingeräumt und als "sehr problematisch" bezeichnet. Der Minister entschuldigte sich dafür explizit. Dabei geht es um sogenannten Infraschall. Die im Geschäftsbereich des Ministeriums tätige Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) hatte vermutete Belastungen durch nicht hörbaren Infraschall jahrelang viel zu hoch angesetzt und den Fehler erst jetzt korrigiert. Die entsprechende, erstmals 2009 veröffentlichte Studie des BGR wurde bundesweit häufig von Windkraftgegnern als ein Beleg für Gesundheitsgefahren angeführt, die von Windkraft ausgehe.

Zuerst hatte die "Zeit" darüber in einer Veröffentlichung am 21. April berichtet. Die Autorinnen Susanne Götze und Annika Joeres ("Die Klimaschmutzlobby") hatten darin nachgewiesen, dass die Behauptung der BGR-Studie, wonach Windkraftanlagen mit mehr als 500 Kilowatt Leistung Infraschall von mehr als 100 Dezibel Lautstärke erzeugten, falsch und die in Dezibel ausgedrückte Lautstärke zu hoch berechnet ist.

Der Beitrag zitiert Experten, laut denen die BGR-Studie den Windräder-Infraschall nicht nur um den Faktor 10.000 zu hoch angesetzt habe - die Behörde habe lange Zeit auch entsprechende Hinweise, dass hier fehlerhaft gearbeitet wurde, sowie Studien mit stark abweichenden Resultaten ignoriert.

Bundeswirtschaftsminister Altmaier erklärte dazu, er wolle sich nicht ausmalen, wie viele Menschen, auch Windkraftgegner, schlaflose Nächte gehabt hätten, weil sie sich Sorgen vor den gesundheitlichen Auswirkungen von Infraschall gemacht hätten. Es tue ihm leid, dass die falschen Zahlen über einen langen Zeitraum im Raum standen. Darunter habe auch die Akzeptanz der Windkraft an Land gelitten.

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) hat ihrerseits die Kritik an den veröffentlichen Daten zu Schalldruckpegeln bei Infraschall-Emissionen am Dienstag offiziell bestätigt. Bei der Berechnung der Schalldruckpegel sei der BGR ein systematischer Fehler unterlaufen. "Dieser passierte bei der Umwandlung der ursprünglich berechneten Ergebnisse in eine in der Akustik gängige Größe", teilte die Behörde mit. Dabei wurden die Signale um 36 Dezibel überschätzt. Korrekturen seien auf den Weg gebracht.

Die Entschuldigung von Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) wegen eines Rechenfehlers zur Schallbelastung von Windrädern halten Windkraft ablehnende Bürgerinitiativen für unangebracht. "Altmaier hat sicher nur seine Ausbauziele vor Augen und hat den gesundheitlichen Aspekt nicht verstanden", sagte Rainer Ebeling von der Bürgerinitiative Vernunftkraft am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. "Der ist von dem Messfehler nämlich unberührt", behauptete Ebeling von der Initiative, die bundesweit Klagen gegen Windkraft unterstützt. Die erheblichen Gesundheitsprobleme zahlreicher Anwohner von Windanlagen würden durch einen Rechenfehler nicht gelindert.

jst/dpa

So nah kommt in der Regel kein Anwohner einer Windkraftanlage und hat damit auch keine gesundheitlichen Folgen des entstehenden Infraschalls zu befürchten. (Copyright: Istock)