Klimafinanzierung
05.10.2016

4 Game-Changer zur Klimafinanzierung

Foto: United Nations
Die Menschen in Tansania können mit Off-Grid Tansania Solarstrom beziehen – und per Prepaid über das Handy bezahlen.

Die Umlenkung der Finanzflüsse in grüne Projekte gilt als Schlüssel im Kampf gegen die globale Erwärmung. Beim nächsten Klimagipfel im November in Marrakesch prämieren die Vereinten Nationen vier Game-Changer. bizz energy stellt sie vor.

 

Anzeige

1. Crowdfunding für kommunale Solarprojekte

Mehr als 43 Prozent aller Niederländer würden sich gerne eine eigene Solaranlage aufs Dach schrauben. Allerdings scheitern sie oftmals an den praktischen Voraussetzungen. Beispielsweise wohnen sie in Mietwohnung und können nicht über die Stromversorgung des Hauses entscheiden. Oder ihr Hausdach liegt im Schatten, also ungünstig für die Sonnenstrom-Produktion. Anderen Hausbesitzern wiederum fehlt es schlichtweg am nötigen Geld. Warum nicht diese Parteien zusammenbringen, dachten sich die Gründer des holländischen Start-ups WeShareSolar. Über die gleichnamige Crowdfunding-Plattform können Hausbesitzer ihre Dächer an Solarfans vermieten, die darauf dann eine Anlage bauen, sozusagen das Solarstrom-Airbnb. Bislang wurden in 20 Projekte rund 15.000 PV-Module verbaut, drei Millionen Euro hat das Start-up dafür eingesammelt.

Anzeige

 

2. Green Bonds in Göteborg

2013 hat sich die schwedische Stadt Göteborg als Energiewende-Hauptstadt profiliert: Als erste Stadt weltweit hat sie damals grüne Anleihen ausgegeben, deren Erlös an Klima- und Umweltschutzprojekte gebunden ist. Mit diesen grünen Finanzinstrumenten hat Göteborg mehr als umgerechnet knapp 416 Millionen Euro für Erneuerbaren-Projekte ausgegeben. Finanziert wurde darüber unter anderem ein dezentrales Wärmenetz, eine 20 Megawatt-Biogas-Anlage und die E-Auto-Flotte der Stadtverwaltung. Mittlerweile hat die schwedische Stadt viele Nachahmer gefunden, beispielsweise Frankreichs Hauptstadt Paris.

Weltweit legen immer mehr Kleinanleger ihr Geld in Green Bonds an, der Markt wächst laut der Londoner Green Bonds Initiative jedes Jahr um einen zweistelligen Milliarden-Betrag. Erst vergangene Woche ist in Luxemburg die erste ausschließlich grüne Börse live gegangen. Dort können sich laut Börsenchef Robert Scharfe nur solche Fonds registrieren lassen, „die strikte ökologische Kriterien erfüllen.“

 

3. Off-Grid Electric in Tansania

Im afrikanischen Tansania haben nur knapp 20 Prozent aller Menschen Zugang zu Strom. Licht stammt deshalb meist aus Kerosinlampen. Die sind nicht nur teuer, sondern auch brandgefährlich und produzieren gesundheitsschädliche Schadstoffe.

Das Start-up Off-Grid Electric setzt deshalb auf Sonnenstrom, denn der ist auf dem afrikanischen Kontinent reichlich vorhanden. Die Gründer entwickelten ein kompaktes Solarsystem. Da es neben einem Strom- in Afrika allerdings auch an einem Bankennetz fehlt, haben die Gründer ein einfaches Bezahlmodell entwickelt. Abgerechnet wird der Sonnenstrom über das Handy. Pro Tag werden 0,19 US-Cent über ein Prepaid-System abgebucht. Innerhalb von dreieinhalb Jahren hat das Unternehmen nach eigenen Angaben rund 100.000 Haushalte mit Ökostrom versorgt. Längst haben andere Unternehmen den Markt für sich entdeckt, beispielsweise das Berliner Start-up Mobisol.

 

4. Carbon Tax

Als erster nordamerikanischer Bundesstaat hat das kanadische British Columbia 2008 eine CO2-Steuer auf Benzin eingeführt. Bis 2018 soll sie von 10 kanadische Dollar pro Tonne in 2008 auf dann 30 kanadische Dollar pro Tonne steigen.

Aufgrund der zusätzlichen Einnahmen hat British Columbia die Einkommenssteuer gesenkt. Studien zufolge ist der Clean-Tech-Sektor dort seitdem kontinuierlich gewachsen, neue Jobs sind entstanden. Die Einnahmen von emissionsarmen Firmen sind um knapp 20 Prozent auf 6,31 Milliarden kanadische Dollar gewachsen.

 

 

Jana Kugoth
Keywords:
Klimafinanzierung | Solarstrom | Crowdfunding | Afrika | Green Bonds | CO2-Steuer | British Columbia | Tansania | Off-Grid
Ressorts:
Finance

Neuen Kommentar schreiben

 

Newsletter bestellen – Wunschausgabe erhalten

Jetzt den wöchentlichen
Newsletter bizz energy weekly abonnieren
und eine Ausgabe
Ihrer Wahl kostenlos erhalten.

Hier geht es zur Aktion!

 
 

bizz energy Research

Energie, Digitalisierung und Mobilität.
Unsere Factsheets bieten visualisierte Daten, liefern Fakten und stellen Zusammenhänge zu den Top-Themen der Energiewende dar.


Mehr Informationen