Luftfahrt
12.06.2019

Aachener Forscher präsentieren Flugtaxi

Foto: e.SAT GmbH / Andreas Schmitter
Aachener Entwickler und Vertreter des Landes NRW enthüllen ein Modell des Silent Air Taxi.

Mit dem Silent Air Taxi wollen Forscher den Flugverkehr revolutionieren. Luftfahrtunternehmen halten das für realistisch. An der Entwicklung beteiligt ist ein alter Bekannter.

Noch ist das Silent Air Taxi nur ein Modell auf der Bühne, die mit reichlich Prominenz gefüllt ist. Doch in drei Jahren soll daraus eine flugtaugliche Maschine erwachsen und den ersten Start absolvieren. Die RWTH und die Fachhochschule Aachen stellten am Dienstag auf dem Flugplatz Merzbrück in Nordrhein-Westfalen den Entwurf des Flugzeugs vor. Es soll bis zu 1000 Kilometer bei einer Reisegeschwindigkeit von über 300 Stundenkilometern fliegen können, teilten die beiden Hochschulen mit. Das Flugzeug könne unter anderem eine Entlastung für den Zubringer- oder Intercity-Verkehr sein.

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Das Kleinflugzeug kann dann bis zu fünf Personen transportieren. 1000 Kilometer Reichweite bei einer Reisegeschwindigkeit von rund 300 Kilometer pro Stunde verspricht die Entwicklungsfirma e.SAT. So will die Aachener Forschungsgemeinschaft die Mobilität revolutionieren, oder, wie es Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet formulierte, die „dritte Dimension der Mobilität mitdenken“.

Hinter der Entwicklung steht neben den Aachener Hochschulen mit e.SAT auch Günther Schuh. Der Professor gründete 2010 Streetscooter, den mittlerweile von der Post hergestellten elektrisch betriebenen Kleintransporter. Die großen Autoproduzenten ließen den Erfinder zuvor abblitzen. 2014 verkaufte Schuh Streetscooter an die Deutsche Post DHL. Den Verkaufserlös reinvestierte er teilweise in die Gründung des Unternehmens e.GO Mobile und die Entwicklung eines elektrogetriebenen Kleinwagens für normalverdienende Großstadtbewohner.

2022 ist der Erstflug vorgesehen

Silent Air Taxi
In der Animation schon mal ganz schick: das Silent Air Taxi. Bild: e.SAT GmbH
Doch Schuh entwickelt nicht nur E-Autos – auch das Fliegen hat es ihm offenbar angetan. Das Lufttaxi soll besonders umweltfreundlich und geräuscharm sein. „Beim Start ist das Silent Air Taxi so leise, dass es schon im Abstand von 100 Metern nicht mehr zu hören ist“, versprechen die Entwickler. Dafür sorgt ein nach Firmenangaben einzigartiger elektrohybrider Antrieb, gepaart mit einem strömungstechnisch optimierten Design. Theoretisch kann das Flugtaxi nach der Zulassung 95 Prozent der deutschen Start- und Landeplätze ansteuern. Denn mehr als eine 400 Meter lange Rollbahn benötigt die Maschine nicht. „Ziel ist, dass das Air Taxi im Betrieb so günstig ist wie ein Bahnticket erster Klasse“, heißt es von e.SAT weiter.

2022 ist der Erstflug vorgesehen, 2024 erhoffen sich die Aachener eine Musterzulassung. Derzeit wird der Flughafen Aachen-Merzbrück zur Forschungsairport umgebaut. 12,7 Millionen Euro wird das kosten, finanziert unter anderem durch einen Landeszuschuss von vier Millionen Euro. Laschet erhofft sich daraus eine führende Rolle seines Landes bei der Entwicklung innovativer Mobilitätstechnologien.  

Volocopter und Co. heben bereits ab

Über den Forschungsverbund hinaus beteiligen sich auch Industrieunternehmen an der Entwicklung. Mit dabei ist beispielsweise das Luftfahrtunternehmen MTU Aero Engines. „Für MTU ist das Silent Air Taxi ein mutiges und überzeugendes Zukunftskonzept, das sehr hohe Realisierungschancen hat“, sagte MTU-Technik-Vorstand Lars Wagner. Deshalb habe sich MTU auch der Antriebssparte von e.SAT beteiligt.

Von umweltfreundlichen Kleinflugzeugen erhoffen sich auch andere Unternehmen große Marktchancen. Airbus hat vor wenigen Monaten einen viersitzigen City Airbus mit Rotorantrieb aufsteigen lassen, das Startup Volocopter aus Bayern den fünfsitzigen Lilium Jet. Airbus-Konkurrent Boeing führte im vergangenen Januar in den USA einen ersten Testflug mit einem autonomen Lufttaxi durch.

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Wolfgang Mulke
Keywords:
Luftfahrt | Flugtaxis
Ressorts:
Technology

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