Kommentar der Woche
14.12.2016

Abenteuer Trump

Illustration: Valentin Kaden
Autoökonom Ferdinand Dudenhöffer.

Was der künftige US-Präsident für die Autohersteller bedeutet: in Amerika, Mexiko, China – und in Deutschland.

In den Wochen nach der Wahl von Donald Trump zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten herrscht gewaltige Unsicherheit über dessen künftigen Kurs und Stil. Warum sollte der Multimilliardär mit 70 Jahren sein provokatives Auftreten ändern, wenn er mit der Masche sein ganzes Leben lang erfolgreich war? Seine weißen Wähler erwarten zudem das Einlösen der vollmundigen Wahlversprechen. Hillary Clinton wird er zwar wohl nicht ins Gefängnis werfen. Aber er wird das politische Establishment in Washington vom Hofe jagen, Hunderte Milliarden schwere Konjunkturprogramme auflegen, die Steuern senken und eine harte Einwanderungspolitik gegen Mexikaner verfolgen. 

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Und dann steht da noch sein Versprechen im Raum, den US-Arbeitern im Rust Belt ihre – von Ausländern angeblich „gestohlen“ – Jobs wiederzugeben. „Make America Great Again“ heißt übersetzt: Schnelles Wachstum ohne hinderliche Regulierungen, vor allem im Umweltbereich – und ohne Importe, die das alte Detroit stören. Jährlich werden in den USA gut 17 Millionen Autos verkauft. 3,5 Millionen davon, rund 20 Prozent, stammen aus dem Ausland. Wenn Trump alle Auto-Importe einfach verbietet oder mit horrenden Schutzzöllen für Verbraucher unerschwinglich macht, könnte er in den USA kurzfristig 500.000 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. Diese Zahl ergibt sich zumindest rein rechnerisch in Relation zur Bundesrepublik: Hierzulande bauen 800.000 Beschäftigte bei Konzernen und Zulieferern jährlich 5,5 Millionen Autos.

 

Steigende Aktien von GM und Ford

Trump ist ganz sicher „bad news“ für Mexiko. Der Nachbarstaat hat sich in den vergangenen Jahren zum Eldorado für Autobauer gemausert. Audi hat erst vor ein paar Wochen ein funkelnagelneues Werk in Mexiko eröffnet. Der VW-Konzern sitzt in Mexiko auf Produktionskapazitäten für 600.000 Neuwagen, die zu großen Teilen in „Trumps Amerika“ ihre Käufer finden. Eine Einfuhr-Mauer nach Mexiko könnte ihm einen schnellen Erfolg bringen. Und Volkswagen wäre für Trump ein willkommener Prügelknabe, zumal VW ohnehin in den USA seit dem Ausbruch von Dieselgate mit einem Gauner-Image belegt ist.

Noch wichtiger als die Mauer nach Mexiko wäre für Trump das Anwerfen der alten Produktionsanlagen um Detroit. Dort wurden jahrzehntelang mit dicken Acht-Zylinder-Straßenkreuzern blendende Gewinne eingefahren. Tausende Bandarbeiter und ihre Familien hingen an diesen „Gas Guzzlers.“ Doch dann machte ihnen die Regierung Obama den Garaus, indem sie ehrgeizige Verbrauchsziele für Neuwagen vorschrieb. Die US-Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) wollte 2017 die Vorschriften zur Halbierung des Benzinverbrauchs auf 55 Meilen pro Galone im Jahr 2025 rechtskräftig verabschieden. Daraus könnte nichts werden. Trump hat die Auflösung der EPA angekündigt. Nach seinem Wahlsieg stiegen die Aktien von Ford und GM unmittelbar um zehn Prozent. Börsianer erwarten offenbar, dass Trump mit dem umwelt- und klimapolitischen Rückwärtssalto „liefern“ wird. Benzin ist billig und der menschengemachte Klimawandel für Trump ohnehin nur eine Erfindung.

 

Sitzenbleiben auf alten Technologien

Dennoch bleibt für Trump ein Problem: Kalifornien. Dieser Trend-Staat mit 35 Millionen Einwohnern steht für mehr als zwei Millionen Autoverkäufe pro Jahr. Kalifornien führte weltweit zuerst den 3-Wege-Katalysator ein und setzt auf Zero Emission Vehicles.  Die Umweltbehörde CARB (California Air Board) ist berüchtigt, sie brachte Dieselgate ins Rollen. Die Amtsperiode des demokratischen Gouverneurs Jerry Brown läuft noch zwei Jahre. Brown hat angekündigt, dass Kalifornien weiter mit allen Kräften gegen den Klimawandel ankämpfen wird. Ähnliches hat die mächtige CARB-Chefin Mary Nichols per Twitter verkündet. US-Bundesstaaten wie Kalifornien dürfen Umweltgesetze erlassen, die schärfer sind als jene, die Trump US-weit vorgeben wird. 

Es droht große Gefahr. Fallen die US-Amerikaner in die „alte“ Welt von Kohle und Stahl zurück, koppeln sie sich vom Rest der Welt ab – der von China dominiert wird. In China ist Elektromobilität das Zukunftsthema. Dort entsteht das neue Batteriezentrum der Welt. Dort entstehen die Produkte der Zukunft. In diesem Szenario bleibt Trumps Amerika auf seinen alten Technologien sitzen. Die US-Industrie wird zurückfallen. Eine gigantische Staatsverschuldung wird einen beträchtlichen Teil des US-Sozialprodukts durch Zinsen oder Inflation auffressen. Das ist schlecht für Trump. Es ist schlecht für Amerika. Und schlecht für die gesamte westliche Welt.

Über den Autor: Ferdinand Dudenhöffer, seit vier Jahren regelmäßiger bizz-energy-Kolumnist, hat ein lesenswertes Buch über die Zeitenwende in der Autoindustrie (Titel „Wer kriegt die Kurve?“) geschrieben, das kürzlich im Campus-Verlag erschienen ist. Der Autor ist Direktor des CAR-Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen sowie Inhaber des Lehrstuhls für allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen.

Keywords:
Ferdinand Dudenhöffer | Donald Trump | Volkswagen | Dieselgate | Abgasaffäre
Ressorts:
Governance | Markets

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