10.10.2016

Abgabenreform für Elektroautos

Foto: istock.com / Stadtratte
Die Kosten behindern noch den Boom von E-Autos.

Mit einem neuen Konzept für die EEG-Umlage will ein Teil der Energiewirtschaft E-Autos und Elektroheizungen voranbringen. Für Verbraucher würde es allerdings teurer.

 

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An den Tankstellen wäre es ein Aufreger, was der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (BNE) vorschlägt: Benzinpreise um bis zu 10 Cent rauf, Diesel bis zu 12 Cent pro Liter teurer. Auch wenn BNE-Geschäftsführer Robert Busch beschwichtigend auf die derzeit niedrigen Ölpreise verweist, ist die Verteuerung fossiler Energieträger gewollt. Der Verband, in dem viele junge Unternehmen aus der Stromwirtschaft organisiert sind, will die sogenannte Sektorkopplung voranbringen und damit den Verbrauch von Elektrizität im Verkehr und im Wärmesektor ankurbeln. Die prominentesten Technologien dafür sind Elektroautos und Wärmepumpen.

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Deshalb hat der Verband vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung ein Konzept erstellen lassen, wie Strom billiger werden könnte, wenn im Gegenzug die Preise für Heizöl, Gas und Benzin steigen würden. Die Autoren versprechen sich davon auch eine ökologische Wirkung.

 

Bis zu sieben Prozent höhere Energiekosten

Der Vorschlag setzt bei der EEG-Umlage an, die Bestandteil des Strompreises ist und mit welcher der Ausbau von Ökostrom-Anlagen finanziert wird. Die Grundidee des BNE ist, auch den Energieverbrauch im Verkehrs- und Wärmesektor mit der Umlage zu belasten. Dabei soll außerdem die unterschiedliche Treibhausgas-Intensität von Strom, Öl und Gas berücksichtigt werden.

Nach den Szenarien der Studie würde die EEG-Umlage um 56 bis 80 Prozent sinken, von derzeit 6,4 Cent pro Kilowattstunde Strom auf nur noch 1,3 bis 2,8 Cent für sämtliche Energieträger. Mit dem Vorschlag will der BNE auch den wieder hochkochenden Streit um die Kosten des Ökostroms dämpfen. In wenigen Tagen verkünden die Übertragungsnetzbetreiber und die Bundesnetzagentur die Höhe der Umlage für 2017. Nach verschiedenen Prognosen könnte sie auf über 7 Cent steigen.

Für Verbraucher brächte der BNE-Vorschlag zwar eine Entlastung bei den Strompreisen. Die Energiekosten insgesamt würden allerdings steigen: um bis zu 6,9 Prozent, wenn der Haushalt ein Dieselauto nutzt. Im Wärmebereich würde sich wegen der höheren CO2-Intensität vor allem Heizöl verteuern, um bis zu 1,7 Cent pro Kilowattstunde beziehungsweise 17 Cent pro Liter. Das klimafreundlichere Erdgas würde nur um maximal 1,3 Cent pro Kilowattstunde teurer.

Im günstigsten Fall wäre der Kostenanstieg für Verbraucher jedoch mit 0,3 Prozent sehr gering. Dafür müsste ein Haushalt einen Benziner fahren und mit Gas heizen, gleichzeitig die Industrie für einen Großteil ihres Wärmeverbrauchs zur Kasse gebeten werden.

Manuel Berkel
Keywords:
Elektromobilität | Sektorkopplung | Power-to-Heat | Wärmepumpe | EEG-Umlage
Ressorts:

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