Kolumne Gerard Reid
06.10.2013

Abschreibung mit Ansage

Valentin Kaden; Titelbild: Eon
Gerard Reid ist Chefökonom von BIZZ energy today

Der Börsenwert des Energieriesen Eon ist im freien Fall. Hilft die künftige Bundesregierung?

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Schwerwiegende Management-Fehler

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Wie konnte es dazu kommen? Noch vor einem Jahrzehnt expandierte Eon mit einer der modernsten und saubersten Kraftwerksgenerationen in ganz Europa, investierte in saubere und effizientere Gaskraftwerke, in Pumpspeicherkraftwerke und in große Renewables-Projekte. Dann jedoch leistete sich der Eon-Vorstand schwerwiegende Management-Fehler, darunter das blauäugige Festhalten an der Kernenergie und die zu optimistischen Annahmen über den künftigen Stromverbrauch in Deutschland. Der gravierendste Fehler aber war, dass Eon den Schiefergas-Boom in den USA völlig unterschätzte und damit seine eigene Gassparte in die Bredouille brachte.

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Selbst die Pumpspeicher von Eon schaffen im besten Fall eine schwarze Null. Das gesamte Geschäft basiert darauf, günstigen Nuklearstrom (in Form von Wasser) nachts hoch in die Berge zu pumpen und diesen am Tag, wenn die Preise am höchsten sind, wieder hinunter zu leiten. Aber mit der zusätzlichen Kapazität aus den Solaranlagen im Netz sind die Höchstpreise kollabiert. Der Strompreis ist tagsüber oft günstiger als nachts.

Eon investiert zwar in Erneuerbare, aber vor allem in Großprojekte wie Offshore-Wind und Windparks in den USA, mit jeweils über 100 Megawatt Leistung. In den USA besitzt Eon 2,7 Gigawatt an Windanlagen, im Heimatmarkt Deutschland aber nur 196 Megawatt an Erneuerbaren, wenn man Wasserkraftwerke nicht mitrechnet.

Hinzu kommt: Alle Energiekonzerne haben Probleme mit ihren Kundenbeziehungen. Sie sehen Kunden traditionell als Lizenznehmer, um nicht zu sagen als Bittsteller. Aber das Geschäftsmodell der Versorger, Strom zu Monopolpreisen zu verkaufen, gehört der Vergangenheit an. 

Die Finanzmärkte haben diese Erkenntnisse längst eingepreist. So weist die Eon-Bilanz zwar 37 Milliarden Euro Eigenkapital aus, doch die Eon-Börsenkapitalisierung ist innerhalb der letzten fünf Jahre von 86 auf 23 Milliarden Euro gesackt. 

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Eon | Gerard Reid | Stromversorgung | Banken und Finanzinvestoren | BIZZ-Exklusiv
Ressorts:
Finance | Markets

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