Die Aktienmärkte der westlichen Welt erleben derzeit ein Fünf-Jahres-Hoch. Im krassen Gegensatz dazu haben sich die Werte börsennotierter Energieunternehmen in Europa entwickelt: Der Dow Jones European Utilities Index hat sich seit 2008 glatt halbiert. Jene Branche, die für Investoren immer als sicherer Hafen galt, ist in Ungnade gefallen. Warum? 

Auf den ersten Blick müsste man die Aktien sofort kaufen: Enel, Iberdrola, GDF Suez, Eon und RWE haben alle eine niedrige Börsenkapitalisierung, die sogar unter dem bilanziell ausgewiesenen Eigenkapital liegt. Doch dieser erste Blick trügt.

Lange Zeit kontrollierten diese Unternehmen die Großhandelsstrompreise in Europa. Dann bescherte ihnen die Liberalisierung des europäischen Energiemarktes Konkurrenz vor der eigenen Haustür. Zusätzlich breitete sich die dezentrale Erzeugung mit Erneuerbaren aus: Millionen Menschen produzieren so viel Strom wie möglich. Dieses zusätzliche Angebot ließ nicht nur die Grundpreise (base load), sondern insbesondere auch die sehr profitablen Höchstpreise (peak load) sacken – auf Fünf-Jahres-Tiefststände.

Gerard Reid ist Chefökonom von BIZZ energy today (Valentin Kaden; Titelbild: Eon)