Kolumne Gerard Reid
06.10.2013

Abschreibung mit Ansage

Valentin Kaden; Titelbild: Eon
Gerard Reid ist Chefökonom von BIZZ energy today

Der Börsenwert des Energieriesen Eon ist im freien Fall. Hilft die künftige Bundesregierung?

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Börse rechnet mit Milliardenabschreibung

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Anders gesagt: Die Börse rechnet damit, dass Eon 14 Milliarden Euro Abschreibungen vornehmen muss. Ist das zu viel oder sogar noch zu wenig? Zur Zeit besitzen alle Eon-Kraftwerke einen Buchwert von zusammen 25 Milliarden Euro. Wenn Eon künftig kein Geld mit Kraftwerken verdienen kann, müsste der Konzern in diesem Bereich Vermögenswerte abschreiben. Andere Versorger wie Vattenfall und Verbund haben solche Abschreibungen bereits in den vergangenen Monaten vorgenommen. Im Fall einer solchen Zäsur bräuchte Eon dringend neue Kapitalspritzen.  

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In seiner Not setzt Eon nun auf Hilfe durch die Bundesregierung. Sie soll nach der Bundestagswahl die vielzitierten Kapazitätsmechanismen einführen und so das bloße Vorhalten von Leistung zur Systemstabilisierung belohnen. Das würde etwa die modernen Gaskraftwerke von Eon wieder ins Geld bringen. Vor der Einführung von Kapazitätsmärkten ist eine Debatte um die politische Dimension eines solchen Schrittes absehbar. Warum sollten die deutschen Steuerzahler eigentlich ein Unternehmen retten, das schwere strategische Fehler gemacht hat, das selbst die Regierungsziele bei der Energiewende nur halbherzig unterstützt und lieber in Südamerika und der Türkei investiert, statt in Deutschland ? 

Apropos: Muss man vor dem Kollaps eines europäischen Energieriesen Angst haben? Antwort: Nein. In Amerika ging Enron vor mehr als zehn Jahren bankrott – doch die Lichter gingen damals nicht aus. Sie brennen bis heute.

 

Gerard Reid zählt weltweit zu den Top-Finanzanalysten für erneuerbare Energien. Für die Wall-Street-Investmentbank Jefferies baute er den Bereich Renewables auf. Anschließend gründete er mit Alexa Capital seine eigene Beratungsgesellschaft. 2011 erschien sein Buch „Asiens Energiehunger – Rohstoffe am Limit“. Reid hat am Imperial College in London eine Finance-Professur inne. Last but not least: Gerard Reid ist Chefökonom von BIZZ energy today.

 
Gerard Reid
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Keywords:
Eon | Gerard Reid | Stromversorgung | Banken und Finanzinvestoren | BIZZ-Exklusiv
Ressorts:
Finance | Markets

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