Mobilität
03.12.2018

Afrikas Städte könnten Schlüsselrolle bei CO2-Vermeidung spielen

Fotos: iStock
Bissau, die Hauptstadt von Guinea-Bissau, ist noch eine der kleineren afrikanischen Großstädte. Dennoch sind ihre Straßen häufig von Staus vestopft.

Die Bevölkerung Afrikas wird am schnellsten wachsen. Vor allem in seinen Städten lässt sich nach Ansicht der Initiative „Mobilise Your City“ ein starker Anstieg der Verkehrsemissionen vermeiden.

Beim „Transport Day“ der Klimakonferenz „COP24“ in Kattowitz stehen die Großstädte im Rampenlicht. Vor allem auf Afrika kommt in den nächsten Jahren eine drastische Urbanisierung zu. Die Bevölkerungszahl des Kontinents wird sich nach UN-Prognosen bis zum Jahr 2050 auf fast 2,6 Milliarden Menschen verdoppeln und damit so schnell steigen wie nirgends sonst. 50 Prozent der Menschen werden in der Stadt leben. Experten sehen für die Großstädte Afrikas deshalb die Chance, wesentlich zur Begrenzung des verkehrsbedingten Treibhausgasausstoßes beizutragen.

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Der öffentliche Nahverkehr soll dabei die zentrale Rolle spielen, findet die internationale Initiative „Mobilise Your City”. Die von der EU, Deutschland und Frankreich getragene Initiative unterstützt unter anderem den Aufbau von Schnellbus-Systemen (Bus Rapid Transit) in Entwicklungs- und Schwellenländern. Der große Bedarf an Infrastrukturanpassung biete „den größten Hebel, aus Erfahrungen im Bereich nachhaltiger Mobilität in Europa in den nächsten Jahrzehnten zusätzliche CO2-Emissionen im Verkehr zu vermeiden“, sagt Markus Delfs, Koordinator von Mobilise Your City, im Gespräch mit bizz energy am Rande der Deutsch-Afrikanischen Infrastrukturtage in Berlin.

Mittel der Wahl: Schnellbus-Systeme

Für wesentlich hält Delfs einen überproportionalen Ausbau von öffentlichem Nahverkehr – insbesondere des sogenannten Bus Rapid Transit und unterstützender Mobilitätsdienste – im Vergleich zum konventionellen Individualverkehr. Schnellbusdienste wie beispielsweise in der tansanischen Wirtschaftsmetropole Daressalam nutzen häufig exklusive, eigens auf den bestehenden Hauptverkehrsachsen für sie angelegte Spuren.

Der Mobilitätsexperte Delfs verweist auf Erfahrungen in vielen asiatischen und lateinamerikanischen Metropolen. Dort habe sich gezeigt, dass rapides Städtewachstum den konventionellen Straßenausbau schnell an physische Grenzen bringe: „Stadtplaner sollten sich von dem Konzept verabschieden, immer mehr Straßen anzulegen“, sagt Delfs. Einen extremen, unkontrollierten Anstieg des Individualverkehrs wie in vielen asiatischen Großstädten gelte es zu vermeiden.

Problem: Subventionierter Kraftstoff

Entscheidend sei allerdings, dass der öffentliche Nahverkehr wettbewerbsfähig gegenüber Autos und Zweirädern sei. „Das bedeutet unter anderem: zuverlässig, pünktlich, erschwinglich, komfortabel“, so Delfs. „Die Städte und Staaten müssen die Rahmenbedingungen dafür setzen, dass solche Schnellbus-Systeme attraktiv aufgebaut und betrieben werden können.“ Das erfordere moderne Flotten, guten Service und auskömmliche Einnahmen für die Betreiber. Flankierend dürfe Kraftstoff für den Individualverkehr nicht so stark subventioniert werden, dass die Anschaffung eines eigenen Fahrzeugs für Haushalte immer noch attraktiver bleibe als der öffentliche Nahverkehr. Die neuen Busflotten gleich zu elektrifizieren, wie es teilweise in China geschieht, hält Delfs in Afrika vorerst für unrealistisch.

Die zehn Städte der Welt, die laut UN bis zum Jahr 2025 am schnellsten wachsen werden, befinden sich alle in Afrika. Darunter sind viele bisher mittelgroße Städte wie beispielsweise Zinder in Niger, Mwanza in Tansania sowie Lokoja und Nnewi in Nigeria.

Pkw-Nutzung verdoppelt sich bis 2050

Nach einer vom International Transport Forum (ITF) der OECD veröffentlichten Studie steigt der globale Mobilitätsbedarf schnell, was den gegenwärtigen Anteil des Verkehrs von derzeit 14 Prozent am  globalen Ausstoß von Treibhausgasen erheblich steigern dürfte. In einem ITF-Szenario ohne ein Umsteuern in der Mobilitätspolitik nehmen die CO2-Emissionen des Verkehrssektors bis zum Jahr 2050 um 70 Prozent zu. Den größten Anteil daran hätte demnach der Straßenverkehr. Die globale Pkw-Nutzung – vor allem durch steigende Nachfrage in Schwellenländern – werde sich bis 2050 etwa verdoppeln.

Die in Brüssel ansässige Initiative Mobilise Your City unterstützt öffentliche Nahverkehrsprojekte unter anderem in Marokko, Tunesien, Senegal, Kamerun, Indien, auf den Philippinen, in der Dominikanischen Republik und in der Ukraine.

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Christian Schaudwet
Keywords:
Afrika | Schwellenländer | Verkehr | ÖPNV
Ressorts:
Governance

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