Während die australische Regierung den Bau moderner, grundlastfähiger Kohlekraftwerke für geboten betrachtet, hält der Vorstandsvorsitzende von AGL Energy, Andy Vesey, davon überhaupt nichts. Vesey sagt anlässlich der Veröffentlichung der Jahresergebnisse des börsennotierten Versorgers: "Ein neues Kohlekraftwerk rechnet sich aus unser Sicht nicht, auch nicht ohne die Kosten der Kohle."

Seit einem weiträumigen, mehrtägigen Stromausfall im Süden Australiens im September 2016 ringt das Land um seinen energiepolitischen Kurs. Die Regierung von Ministerpräsident Malcolm Turnbull gibt den erneuerbaren Energien eine Mitschuld an dem Stromausfall.

Börsenkurs steigt

Doch AGL-Chef Vesey scheint dem Wandel des Ministerpräsidenten vom ehemaligen Kohlegegner zum Kohlebefürworter nicht folgen zu wollen. Auch weigert sich der Konzernlenker, die Laufzeit eines der wenigen AGL-Kohlekraftwerke, des Liddell-Kraftwerk im Hunter Valley in New South Wales, über das Jahr 2022 verlängern.

Vesey hat einen anderen Plan: Das 2000 Megawatt Kraftwerk durch Wind- und Solarenergie sowie mithilfe von Speicher- und Verbrauchssteuerungstechnologien ersetzt werden, also durch Batterie- und Pumpspeicher sowie Gasspitzenlastkraftwerke.

Marktführer auf dem Kontinent

AGL Energy hat einen Anteil am australischen Strommarkt von 20 Prozent und betreibt die größten Wind- und Solarparks des Landes mit Marktanteilen von 22 beziehungsweise 66 Prozent. Der Aktienkurs des Unternehmens ist in den vergangenen zwölf Monaten um 22 Prozent gestiegen, womit AGL die neuntbeste Performance innerhalb des 50 Standardwerte umfassenden rohstoff- und banklastigen australischen Aktienindexes ASX 50 aufweist.

Zuverlässig, aber schmutzig: Das Kohlekraftwerk Hazelwood im Bundesstaat Victoria hat seinen Betrieb im März eingestellt. (Foto: Flickr/Jeremy Buckingham)