Handlungsbedarf sieht Agora-Direktor Patrick Graichen beispielsweise wegen der Neuausrichtung des Verkehrs auf Elektromobilität. „Wenn wir wollen, dass jeder jederzeit sein E-Auto laden kann, dann kommen wir in eine völlig andere Welt, was die Netzkosten angeht“, sagte Graichen bei der Tagung. Wenn eine große Zahl von Fahrern ihre Elektroautos nach Feierabend zum gleichen Zeitpunkt auflade, würde dies einen starken Netzausbau erforderlich machen.  

Wenn man keine ordnungsrechtliche Lösung wolle, müssten sich die Netzengpässe in höheren Preisen auf Verteilnetzebene widerspiegeln. Dafür müssten die Netzentgelte zeitlich flexibel sein, erklärte Graichen. Bisher sind Netzentgelte für alle Stunden eines Jahres gleich. Der zeitlich schwankende Großhandelspreis für Strom macht inzwischen nur noch einen kleinen Teil des Endkundenpreises aus.
 
Auch die Volkswirtschaftsprofessorin Veronika Grimm nannte einheitliche Preise ein „großes Manko“ für die Modernisierung des Stromsystems. Regionale Unterschiede würden so nicht abgebildet.
 

Haushaltszuschüsse auch nach Bundestagswahl unwahrscheinlich

Auf größerer Ebene erneuerte Graichen die Forderung von Agora Energiewende, Deutschland in mehrere Strompreiszonen aufzuteilen. Regional höhere Preise in Süddeutschland sollen stärkere Anreize für den Aufbau von Back-up-Kraftwerken setzen.
Die Bundesregierung will aber einen einheitlichen Strompreis in Deutschland erhalten. Graichen erklärte, zwischen 2025 und 2035 sei ein ähnlicher Bedarf an neuen Transportleitungen wie im jüngsten Bundesbedarfsplan zu erwarten. Angesichts des Widerstands aus Bayern gegen neue Höchstspannungstrassen müsse man die logische Konsequenz ziehen und über Strompreiszonen nachdenken.
 
Eine stärkere Finanzierung des Erneuerbaren-Ausbaus aus dem Bundeshaushalt sieht Graichen auch nach der Bundestagswahl als unwahrscheinlich an. Die jüngsten Haushaltsüberschüsse von 16 Milliarden Euro böten aber eine Gelegenheit, die Stromsteuer zu senken.
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