Der Airbus-Konzern bleibt trotz Corona-Pandemie bei seinem Plan, spätestens 2035 ein Wasserstoffflugzeug auf den Markt zu bringen. "Ziel ist, grünes Fliegen umzusetzen. Und da versprechen wir uns vom Wasserstoff eine Menge", sagte der Deutschlandchef der Airbus Zivilflugzeugsparte, André Walter, der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg. Entsprechend habe Airbus im Sommer trotz Corona-Krise seine drei möglichen Forschungsplattformen für ein Wasserstoffflugzeug vorgestellt.

Ebenfalls ganz oben auf der Entwicklungsliste stünden hybride Flugzeuge, also Maschinen mit Wasserstoff- und Elektroantrieb. "Im Moment gehen wir davon aus, dass man gerade bei der Mittel- und Langstrecke nicht ganz auf Verbrennungstriebwerke wird verzichten können", sagte der Geschäftsführer der Airbus Operations GmbH. Bei größeren Flugzeugen liefere ein rein elektrischer Antrieb beim Start nicht genug Schub. "Stand der Technik ist deswegen ein Hybrid."

Walter betonte, es gehe aber nicht allein darum, die Technik für ein Wasserstoffflugzeug zu entwickeln. Nötig sei auch, den Wasserstoff grün herzustellen und eine entsprechende Infrastruktur aufzubauen. Der Wasserstoff müsse ja weltweit an den Flughäfen bereitstehen, damit die Maschinen auch betankt werden können. "Da ist noch eine ganze Menge Arbeit zu leisten."

Forscher erwarten Marktreife für 2030

Erste nur von Wasserstoff und Brennstoffzellen angetriebene Passagierflugzeuge könnten ums Jahr 2030 in der Luft unterwegs sein. Mitte Dezember letzten Jahres hatten das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und die Universität Ulm am Stuttgarter Flughafen eine noch ausgereiftere Version eines bereits vor einigen Jahren entwickelten Wasserstoff-Fliegers präsentiert.

Das Fluggerät mit dem Namen HY4 verfügt über vier Sitze und hatte bereits 2016 in Stuttgart seinen ersten Testflug vor Publikum absolviert. Vier Jahre später ist es in allen Bereichen deutlich optimiert worden. Laut dem Projektleiter Josef Kallo vom DLR sei das gesamte System überarbeitet worden und die Wasserstofftanks an Bord jetzt ebenso wie das Brennstoffzellensystem ausfallsicher. So könne man selbst für den Fall, dass eine oder gar zwei Brennstoffzellen in der Luft ausfielen, problemlos weiterfliegen. Das Projektflugzeug hat inzwischen eine europaweite Testfluggenehmigung bekommen und soll zunächst bis Mai 2021 in Stuttgart erprobt werden.

Die Forscher des DLR und der Uni Ulm gelten auf diesem Gebiet als weltweit führend und hoffen, die zu Grunde liegende Technologie in den nächsten zehn Jahren so perfektionieren zu können, dass dann Regionalflugzeuge mit Dutzenden Passagieren nur mit der Kombination von Wasserstoff und Brennstoffzellen unterwegs sein können. Kallo geht davon aus, dass diese elektrische Antriebsform um 2030 herum Markt- und Serienreife für kleinere Flugzeuge erreicht.

Kallos Team hat etwa Flugverbindungen im Blick mit einer Reichweite von rund 2.000 Kilometern und 40 Passagieren an Bord. Solche Maschinen könnten dann Zubringerflüge zu Drehkreuzen wie dem Frankfurter Flughafen übernehmen, auch ein Aufbau von Regionalflugnetzen zwischen kleineren Airports sei denkbar. Das Fassungsvermögen solcher Maschinen ist dabei grundsätzlich abhängig von der Flughöhe und von der Geschwindigkeit: Je schneller ein Wasserstoffflieger unterwegs sein soll, desto weniger Menschen kann er beispielsweise transportieren.

jst/dpa

Ob die Flieger auch mit Wasserstoff-Brennstoffzellen-Antrieb dann so dicke Kondensstreifen nach sich ziehen, ist nicht ganz klar. (Copyright: Istock)