Digitalisierung
13.09.2016

Alliander übernimmt Smart-Grid-Frequenzen

Foto: Alliander
In den Niederlanden betreibt Alliander Strom- und Gasleitungen.

Der Versorger Alliander will in Deutschland eine flächendeckende Kommunikationsinfrastruktur für intelligente Stromnetze aufbauen und kauft dazu den größten Inhaber von Lizenzen für den 450-MHz-Funk.

Die Berliner Alliander AG hat den Kölner 450-MHz-Funknetzbetreiber Inquam Deutschland GmbH übernommen. Das teilte die deutsche Tochter des niederländischen Strom- und Gasnetzbetreibers Alliander am Dienstag mit. Für den Aufbau eines intelligenten Stromnetzes könnte der Deal noch eine große Bedeutung bekommen, denn der 450-MHz-Funk ist nach einer Analyse des Energieverbandes BDEW die geeignetste Kommunikationstechnologie für das Steuern dezentraler Kraftwerke und Anlagen im Stromnetz sowie für das Fernauslesen intelligenter Stromzähler. Der Verband misst der Technologie eine hohe strategische Bedeutung bei. Deshalb hat er die Politik aufgefordert, die 450-MHz-Frequenzen exklusiv für Unternehmen der Energie- und Wasserwirtschaft zu reservieren.

Anzeige

Anzeige

Alliander kündigte nun an, seine Neuerwerbung werde unter dem Namen 450connect GmbH mit Partnern aus der Energiewirtschaft den Ausbau eines flächendeckenden 450-MHz-Kommunikationsnetzes in Deutschland vorantreiben. Die neue Alliander-Tochter hält bis Ende 2020 zwei Lizenzen für den 450-MHz-Funk, die Deutsche Telekom die restliche dritte Lizenz für Deutschland.

 

Telekom sieht noch zu wenig Nachfrage

Ein Netzexperte der Telekom hatte noch vergangene Woche gegenüber bizz energy berichtet, dass es zu wenig Nachfrage aus der Energiewirtschaft gebe, um ein flächendeckendes 450-MHz-Netz mit mindestens 1.600 Basisstationen aufzubauen. Die Telekom schätzt das Investitionsvolumen auf mindestens eine Milliarde Euro. Die meisten Energieunternehmen setzten bei ihren Smart-Grid-Aktivitäten laut der Telekom immer noch auf den öffentlichen Mobilfunk.

Eine Alliander-Sprecherin erklärte dagegen am Dienstag gegenüber bizz energy, es gebe eine große Nachfrage aus der Energiewirtschaft. Zu den ersten Partnern gehörten die Stromnetzgesellschaften des Energieriesen EWE in Niedersachsen und der Stadtwerke Düsseldorf. Darüber hinaus solle es Pilotprojekte in fünf deutschen Städten geben, darunter Berlin, Nürnberg und Karlsruhe. In fünf weiteren Städten wie Aachen und Köln betreibt 450connect bereits 450-MHz-Netze. Insgesamt verfüge das Unternehmen über rund 50 Basisstationen, sagte die Sprecherin.

Anders als vom BDEW gefordert, will Alliander die Funkfrequenzen auch für Betreiber anderer kritischer Infrastrukturen beispielsweise aus der Gesundheitsversorgung öffnen. Die Energiewirtschaft werde das Netz höchstens zu 30 Prozent auslasten, sagte die Sprecherin.

Zum Kaufpreis machten die Unternehmen keine Angaben. Inquam Deutschland hatte sein gesamtes Anlagevermögen Ende 2015 mit rund 930.000 Euro bewertet - weit entfernt vom Investitionsvolumen für ein flächendeckendes Netz. In der Bilanz wies das Unternehmen zudem einen Fehlbetrag von fast 4,5 Millionen Euro aus, der nicht durch Eigenkapital gedeckt war.

Manuel Berkel
Keywords:
Digitalisierung | Inquam | Alliander | Telekom | 450 MHz | Smart Grid | Smart Meter
Ressorts:

Kommentare

>denn der 450-MHz-Funk ist nach einer Analyse des Energieverbandes BDEW die geeignetste
>Kommunikationstechnologie für das Steuern dezentraler Kraftwerke und Anlagen im Stromnetz sowie für
>das Fernauslesen intelligenter Stromzähler

Stromzähler sind überwiegend im Keller untergebracht.
Keller überwiegend mit Stahlbeton gebaut.
Wie soll das denn funktionieren, ohne die Grenzwerte für Strahlenemission stark zu überschreiten.
Ganz sicher werde ich keine Antenne von meinem Stromkasten durch ausgebaute Räume nach aussen legen.
Wieder ein völlig unsinniges Funknetz.

Eine Übertragung der Daten über das bestehende Stromnetz wäre:
Billiger und würde ohne Ausbau der Infrastruktur für ein Übertragungsmedium funktionieren.

"Strahlenbelastung":
Wir sind mit einer ähnlichen Technik (LoRa) bei 686MHz im SRD-Band unterwegs und haben einige Erfahrungen. Für Experten beschreibe ich das immer so:

Sie stehen am Ufer des Bodensees und halten eine kleine Batterie an ein Lämpchen - es leuchtet - nich erstaunlich...

Sie tauchen zwei Meter unter und tun das Selbe - es leuchtet - schon erstaunlicher...

Sie lassen die Batterie weg un klatschen in die Hände - wiederum ein Aufleuchten - da wundert man sich schon...

Dieses Bild zeigt im übertragenen Sinne, mit wie wenig Energie die Information gesendet und wie clever die Signale aus dem tiefsten Rauschen herausgefiltert werden.

Praktisch ausprobiert ist das Senden mit zwei AAA-Batterien über 12km und von einem Zählerschrank im Keller über 1,2km.

Hochgerechnet halten diese zwei AAA-Batterien 10Jahre, also 10*länger als in einer gewöhnlichen USB-Funk-Maus.

Im Gegensatz dazu machen Sie bei der Übertragung der Daten über das bestehende Stromnetz jede Leitung und somit das gesamte Netz zu einem einzigen großen Sender. Inresessant wäre der Vergleich der abgestralten Leistung.

Eine sinnvolle, preisgünstige und sichere Kommunikation zu den Erzeugern, Verbrauchern und Messgeräten im Energienetz muss man sicher auch von der Seite der Emissionen betrachten, vorrangig aber den Nutzen in Richtung Versorgungssicherheit, der dezentralen, nachhaltigen und bedarfsgerechten Erzeugung sowie der Auswirkungen auf den Energiepreis (die dem Endkunden zu Gute kommen) diskutieren und werten.

Power Line Communication - die Übertragung über das bestehende Stromnetz - kann leider immer weniger eine störungsfreie Übertragung von Daten gewährleisten und bietet erst recht nicht die Kapazität für Firmware-Updates. Und diese werden schon aufgrund der dynamischen Sicherheitsanforderungen an das Smart Metering stark zunehmen.

@Torsten Dorn: Bitte gehen sie zurück in das Reich der Märchen und schreiben hier kein so ein Mist:
Rechnen wir mal mit 2 AAA Batterien à 1,8 Wh Leistung. Auf 10 Jahre hochgerechnet haben sie damit dauerhaft ca 0,04mW Leistung zur Verfügung und wollen damit einen 450Mhz Sender betreiben. Selbst wenn sie nur 3 mal am Tag ca 1min senden ergebe dies max. 1,3mW. Die Selbstentladung ist noch nicht mitgerechnet. Bei der terrestrischen Übertragung auf 12Km Länge hätten Sie ca 110dB Dämpfung zuzüglich der Dämpfung von mind einer Stahlbetonwand und zuzüglich der Dämpfung durch den Zählerkasten.
Zum Vergleich ein SRD strahlt mit ca 10mW Leistung (damit mind gutgerechnete 30mW benötigte Leistung) und kommt damit nie und nimmer auf 12Km Reichweite.
Nächste Märchen: ... Auswirkungen auf den Energiepreis (die dem Endkunden zu Gute kommen) ...

@Stefan Slembrouck: Ich habe schon vor 25 Jahre während meinem Studium Daten über das Stromnetz für ein Steuerungssystem übertragen. Heute nennt man das Smarthome. Sehr stabil mit Netto ca 15Kb/s Bandbreite über 2Km. Wohlgemerkt vor 25 Jahren. Weiter ist wohl selten der nächste Verteilerkasten entfernt. Und für die paar Daten, die übertragen werden müssen reicht dies völlig aus. Auch für ein Firmwareupdate. Es sei denn es wird ein gescheites Applikation Design erstellt, und keine Rechner- und Speicherressourcen unnütz verbraucht. Zu sehen in 80% der Applikationen die heute erstellt werden.

Neuen Kommentar schreiben

 

bizz energy
Winter 2018/2019

Die aktuelle Ausgabe gibt es ab sofort bei unserem Abonnentenservice unter bizzenergy@pressup.de

Das E-Paper ist erhältlich bei iKiosk oder Readly.

 
 

bizz energy Research

Energie, Digitalisierung und Mobilität.
Unsere Factsheets bieten visualisierte Daten, liefern Fakten und stellen Zusammenhänge zu den Top-Themen der Energiewende dar.


Mehr Informationen