Die Berliner Alliander AG hat den Kölner 450-MHz-Funknetzbetreiber Inquam Deutschland GmbH übernommen. Das teilte die deutsche Tochter des niederländischen Strom- und Gasnetzbetreibers Alliander am Dienstag mit. Für den Aufbau eines intelligenten Stromnetzes könnte der Deal noch eine große Bedeutung bekommen, denn der 450-MHz-Funk ist nach einer Analyse des Energieverbandes BDEW die geeignetste Kommunikationstechnologie für das Steuern dezentraler Kraftwerke und Anlagen im Stromnetz sowie für das Fernauslesen intelligenter Stromzähler. Der Verband misst der Technologie eine hohe strategische Bedeutung bei. Deshalb hat er die Politik aufgefordert, die 450-MHz-Frequenzen exklusiv für Unternehmen der Energie- und Wasserwirtschaft zu reservieren.

Alliander kündigte nun an, seine Neuerwerbung werde unter dem Namen 450connect GmbH mit Partnern aus der Energiewirtschaft den Ausbau eines flächendeckenden 450-MHz-Kommunikationsnetzes in Deutschland vorantreiben. Die neue Alliander-Tochter hält bis Ende 2020 zwei Lizenzen für den 450-MHz-Funk, die Deutsche Telekom die restliche dritte Lizenz für Deutschland.

 

Telekom sieht noch zu wenig Nachfrage

Ein Netzexperte der Telekom hatte noch vergangene Woche gegenüber bizz energy berichtet, dass es zu wenig Nachfrage aus der Energiewirtschaft gebe, um ein flächendeckendes 450-MHz-Netz mit mindestens 1.600 Basisstationen aufzubauen. Die Telekom schätzt das Investitionsvolumen auf mindestens eine Milliarde Euro. Die meisten Energieunternehmen setzten bei ihren Smart-Grid-Aktivitäten laut der Telekom immer noch auf den öffentlichen Mobilfunk.

Eine Alliander-Sprecherin erklärte dagegen am Dienstag gegenüber bizz energy, es gebe eine große Nachfrage aus der Energiewirtschaft. Zu den ersten Partnern gehörten die Stromnetzgesellschaften des Energieriesen EWE in Niedersachsen und der Stadtwerke Düsseldorf. Darüber hinaus solle es Pilotprojekte in fünf deutschen Städten geben, darunter Berlin, Nürnberg und Karlsruhe. In fünf weiteren Städten wie Aachen und Köln betreibt 450connect bereits 450-MHz-Netze. Insgesamt verfüge das Unternehmen über rund 50 Basisstationen, sagte die Sprecherin.

Anders als vom BDEW gefordert, will Alliander die Funkfrequenzen auch für Betreiber anderer kritischer Infrastrukturen beispielsweise aus der Gesundheitsversorgung öffnen. Die Energiewirtschaft werde das Netz höchstens zu 30 Prozent auslasten, sagte die Sprecherin.

Zum Kaufpreis machten die Unternehmen keine Angaben. Inquam Deutschland hatte sein gesamtes Anlagevermögen Ende 2015 mit rund 930.000 Euro bewertet - weit entfernt vom Investitionsvolumen für ein flächendeckendes Netz. In der Bilanz wies das Unternehmen zudem einen Fehlbetrag von fast 4,5 Millionen Euro aus, der nicht durch Eigenkapital gedeckt war.

In den Niederlanden betreibt Alliander Strom- und Gasleitungen. (Foto: Alliander)