Elektromobilität
15.07.2016

Allradantrieb für elektrische Zweiräder

Foto: Uni Ulm/Elvira Eberhardt
Doktorand Matthias Baumann bei einer Probefahrt auf dem neu entwickelten Prototypen.

Auch bei nasser Fahrbahn, Schnee und Laub sollen E-Moped-Fahrer sicher ans Ziel kommen. Forscher der Universität Ulm haben dazu ein elektrisches Moped mit Allradantrieb entwickelt.

 

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Weil Fahrzeuge mit einem auf alle Räder verteilten Antrieb bei nasser und rutschiger Fahrbahn sicherer fahren, bieten Fahrzeughersteller ihre Pkw und Lkw in der Regel mit Allradantrieb an. Um auch für Zweiradfans die Fahrsicherheit zu erhöhen, haben Forscher der Universität Ulm unter der Leitung von Professor Klaus Dietmayer Gleiches für elektrische Mopeds entwickelt. An das Vorderrad eines bis zu 45 Kilometer pro Stunde schnellen Krads der Stuttgarter Firma ID-Bike schraubten die Ingenieure einen zusätzlichen elektrischen Motor. Drei Jahre lang haben die Forscher im Rahmen des Projekts „Sicherheitsfahrwerk mit Elektro-Allradantrieb für E-Bikes und E-Motorräder““ an dem Modell getüftelt und die Ergebnisse diese Woche vorgestellt. Partner waren die Ulmer Elektronikfirma Gigatronik Technologies, die Stuttgarter Produktdesignfirma ipdd sowie ID-Bike.

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„Das Herzstück des Prototypen ist die Gesamtsteuerung, die den Fahrerwunsch für Antrieb oder Bremsen auf die Räder verteilt“, erklärt Projektkoordinator Michael Buchholz. „Über ein sensorgestütztes Verfahren erfasst die Steuerungseinheit zusätzlich den momentanen Fahrzustand und passt daraufhin gezielt die Verteilung von Brems- oder Antriebsmomenten auf Vorder- und Hinterrad an“, ergänzt er. „Die Dynamik und insbesondere auch die Sicherheit verbessern sich beim Fahren hierdurch enorm.“ Außerdem haben die Forscher auch ein Antiblockiersystem für elektrische Zweiräder entwickelt.

 

Mehr Reichweite durch effizienteres Bremsen

Ein weiterer Vorteil: Durch den zusätzlichen Motor kann die beim Bremsen freigesetzte Energie am Vorderrad zurückgewonnen und wieder gespeichert werden. Das erhöht die Reichweite des Akkus, außerdem tritt kaum Verschleiß beim Bremsen auf.

Allerdings braucht der Prototyp durch den zweiten Motor und die zusätzliche Last unterm Strich insgesamt mehr Energie als ein herkömmliches E-Moped. In Folgeprojekten mit integrierten Systemen könne jedoch voraussichtlich ein deutlich kleinerer und leichterer Akku verbaut werden als bei dem für die Studie umgebauten Krad, vermutet Forscher Buchholz. Das könnte wiederum Gewicht sparen.

Ob der Allradantrieb bei batteriebetriebenen Mopeds und Motorrädern zum Standard wird, hängt von den Fahrzeugherstellern ab. Sie entscheiden, ob sie die Technik zur Serienreife bringen. In der Theorie steht dem nichts mehr im Wege: Laut Studie können die Ergebnisse auf alle Klassen von Zweirädern mit elektrischem Antriebsstrang übertragen werden. 

Jana Kugoth
Keywords:
Universität Ulm | Elektroantriebe | Zweiräder | E-Moped | Allradantrieb | ABS
Ressorts:

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