Strompreisdebatte
20.02.2013

Altmaier: Energiewende kostet bis zu einer Billion Euro

Bundesumweltminister Peter Altmaier warnt vor den ausufernden Kosten beim Ökostromausbau. Aus der Erneuerbaren-Branche kommt Kritik: Die Zahlen des Ministers entbehrten jeder Grundlage.

Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) prescht beim Thema Strompreise erneut vor: „Die Kosten der Energiewende und des Umbaus unserer Energieversorgung bis Ende der dreißiger Jahre dieses Jahrhunderts könnten sich auf eine Billion Euro summieren“, sagte Altmaier gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, wenn nichts gegen die explodierenden Kosten getan werde. Ein Mittel sei die von ihm und Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) vorgeschlagene Strompreisbremse. Sie könnte laut Altmaier gut 300 Milliarden Euro einsparen. Ohne diese Kürzungen werden bis 2022 Einspeisevergütungen und weitere Verbindlichkeiten von 680 Milliarden Euro fällig. 

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Er wolle nun mit der Opposition über seine Vorschläge verhandeln, so der Minister. Altmaier verglich die Kosten der Energiewende mit einer steigenden Staatsverschuldung, die lange nicht ernstgenommen worden sei. Den Ausbau von Ökostromanlagen abzuwürgen sei nicht sein Ziel, bekräftigte Altmaier: „Unsere Ausbauziele stehen.“ Momentan werde man diese aber erheblich übertreffen. Er wolle nicht weniger, sondern billigere Windräder.

Ökobranche wirft Altmaier Wahlkampf vor

Auf welcher Grundlage seine Zahlen beruhen, sagte Altmaier nicht. In einer Studie von Boston Consulting Group, die für den Industrieverband BDI erstellt wurde, werden die durch die Energiewende ausgelösten Mehrinvestitionen in den Stromsektor bis 2030 auf 200 Milliarden Euro taxiert. Insgesamt belaufen sich die Investitionen auf 350 Milliarden Euro. Dem gegenüber stehen jedoch enorme Exportchancen für deutsche Unternehmen: Mit Produkten rund um Energie wurden demnach 2011 insgesamt 42 Milliarden Euro verdient, 2030 werde sich der jährliche Export auf 77 Milliarden Euro nahezu verdoppelen.

Die Ökobranche bringt der Umweltminister mit seiner Rechnung auf die Palme: „Bei allem Verständnis für den Wahlkampfmodus des Bundesumweltministers – seine aktuellen Schätzungen über die Kosten der Energiewende entbehren jeglicher realen Grundlage“, schimpfte Hermann Falk, Geschäftsführer des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE). Abgesehen von der fehlerhaften Rechnung über die Einsparpotenziale der geplanten Vergütungskürzungen blende Altmaier die Kosten aus, die der Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland kompensiere. „Fakt ist: Allein in den letzten fünf Jahren hat der Einsatz erneuerbarer Energien Deutschland 43 Milliarden Euro an Ausgaben für fossile Brennstoffe erspart”, konterte Falk. Eine Modernisierung der Netze sei seit Jahren überfällig und von ihren Betreibern nach Kräften verzögert worden. Diese Investitionen gingen demnach nur teilweise auf den Ausbau von Ökostromanlagen zurück, so der BEE-Chef Falk.

 

 

 

 

 

nhp
Keywords:
Peter Altmaier | Strompreis | Strompreisbremse | erneuerbare Energien
Ressorts:
Governance

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