Energiewende
14.08.2018

Altmaier macht Druck beim Netzausbau

Foto: Creative Commons
Die Thüringer Strombrücke nach Bayern wurde 2017 voll in Betrieb genommen und hat das Netz stabilisiert.

Wirtschaftsminister Peter Altmaier will den schleppenden Ausbau der Stromnetze vorantreiben. Bei einem Besuch der Bundesnetzagentur stellt er seinen Aktionsplan vor.

Der Plan kann als Versuch gesehen werden, beim Thema Energiewende in die Offensive zu kommen. Nachdem er in der Vergangenheit für mangelndes Tempo kritisiert worden war, hat Peter Altmaier, Bundesminister für Wirtschaft und Energie, bei einem Besuch der Bundesnetzagentur in Bonn nun seinen „Aktionsplan Stromnetz“ vorgestellt. Darin verfolgt er eine Doppelstrategie: Der Netzausbau soll durch besseres Controlling und die Vereinfachung von Planungsverfahren beschleunigt werden. Gleichzeitig sollen mit Hilfe neuer Technologien und Konzepte die vorhandenen Netze optimiert und besser ausgelastet werden.

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„Für eine erfolgreiche Energiewende brauchen wir moderne und gut ausgebaute Netze genauso wie den Ausbau erneuerbarer Energien“, sagt Altmaier. Die Stromnetze seien das Herz-Kreislauf-System der Stromversorgung. Diese müssten vom Windrad in der Nordsee bis zur Ladesäule in Bayern zuverlässig funktionieren. Doch beim Ausbau der Netze ist Deutschland im Verzug – in den letzten Jahren blieb insbesondere der Ausbau der überregionalen Übertragungsnetze weit hinter dem Ausbau der erneuerbaren Energien zurück.

Auftackt der "Netzausbaureise"

Nach aktuellen Zahlen der Bundesnetzagentur sind von den insgesamt erforderlichen 7.700 Kilometern beim Netzausbau derzeit 1.750 Kilometer genehmigt und nur 950 realisiert. Dabei sei es wichtig, den im Norden Deutschlands erzeugten Strom aus Erneuerbaren Energien in den verbrauchsstarken Süden zu bringen, erklärt die Behörde. „Der Netzausbau muss insgesamt aufholen, um mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien Schritt zu halten. Er darf nicht zum Nadelöhr der Energiewende werden“, sagt Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur. Man dürfe keine Zeit verlieren, da bis Ende 2022 die verbliebenen sieben Atomkraftwerke in Deutschland abgeschaltet werden.

Der Termin in Bonn ist der Auftakt einer dreitägigen „Netzausbaureise“ des CDU-Politikers Altmaier. Er besucht Kraftwerke, Leitungen und Erdkabel-Baustellen in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen und führt Bürgerdialoge. „Ich verspreche Ihnen: Wenn ich ein halbes Jahr im Amt bin, werde ich jede problematische Leitung persönlich kennen und besucht haben“, sagte der frisch gekürte Bundeswirtschaftsminister im März im Bundestag. Nach fünf Monate im Amt steht Altmaier in der Energiebranche zunehmend in der Kritik. Vom „Stillstand“ bei der Energiewende ist bisweilen die Rede.

Optimierung im Fokus

Im Aktionsplan wird darauf hingewiesen, dass die neuen Nord-Süd-Trassen frühestens im Jahr 2025 fertiggestellt werden. Neben der Beschleunigung des Netzausbaus durch „vorausschauendes Controlling“, „Professionelles Verfahrensmanagement“ und Erleichterungen bei den Planungs- und Genehmigungsverfahren geht es in dem Plan daher vor allem um eine bessere Auslastung der vorhandenen Netze.

„In einem ersten Schritt kommt es entscheidend darauf an, bereits in den nächsten Jahren die bestehenden Stromnetze zu optimieren und die vorhandenen Kapazitätsreserven zu heben“, heißt es in dem Papier. Neue Technologien und Digitalisierung sollen hier helfen. So könnten beispielsweise Leiterseile eingesetzt werden, die höhere Temperaturen und Ströme aushalten, oder auch spezielle Transformatoren, die den Strom auf noch freie Leitungen umlenken.

Lob und Kritik von der Energielobby

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) attestiert dem Aktionsplan zwar viele positive Aspekte, vermisst aber konkrete Zeitpläne für die Umsetzung der Maßnahmen: „Was wir brauchen, ist nicht nur Tempo beim Netzausbau, sondern auch bei der Gesetzgebung. Das Ziel, bis 2030 den Anteil der erneuerbaren Energien auf 65 Prozent zu erhöhen, schaffen wir nur mit einem zügigeren Netzausbau“, sagt BDEW-Vorsitzender Stefan Kapferer. Ähnlich beurteilt dies der Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE): „Der am heutigen Dienstag veröffentlichte Aktionsplan Stromnetz beinhaltet gute Vorschläge, die aber auch zeitnah umgesetzt werden sollten“, sagt BEE-Präsidentin Simone Peter.

Speziell der BDEW hatte Altmaier in der Vergangenheit heftig kritisiert. Auf dem Jahreskongress des Verbandes wurde dem Wirtschafts- und Energieminister mangelndes Tempo in Sachen Energiewende vorgeworfen. Dieses zieht Altmaier jetzt offenbar an: Am 20. September ist in Berlin ein „Netzgipfel“ mit den Länder-Ministern geplant. Im Herbst soll zudem ein neues Netzausbaubeschleunigungsgesetz vorgelegt werden. Der Netzausbau solle „Chefsache“ werden, verspricht Altmaier.

Lesen Sie auch: Neue Stromtrassen nötig trotz dezentraler Erzeugung

Carsten Kloth
Keywords:
Netzausbau
Ressorts:
Governance

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