Bei der jüngsten Auto-Show in Detroit haben die USA und ihre Hersteller Ende Januar nur so vor Selbstbewusstsein gestrotzt. Dabei herrschte bei ihnen noch vor fünf Jahren eine Art Weltuntergangsstimmung. Was ist passiert? Die Amerikaner sind wieder die Alten. Ein Spritpreis von 50 US-Cent pro Liter, hohe PS-Zahlen, dicke SUV und Monster-Pick-ups prägen das Bild vom US-Automarkt 2015. Spritsparen war gestern – die erste Botschaft aus Detroit. 

Fracking stützt den niedrigen Spritpreis. Wenn die Fracking-Industrie trotz Billigöl-Schwemme überleben sollte, bleibt Benzin für die Amerikaner auch die nächsten fünf Jahre im Überfluss vorhanden. In einem schnoddrigen Interview während der Detroit Auto-Show hat Tesla-Gründer Elon Musk seine Aktien in den Keller geredet, indem er unkte: „Vielleicht machen wir 2020 Gewinne – mal sehen.“ Die Talfahrt der Tesla-Aktie ist nur ein Beispiel. Billiger Sprit wandelt viele Investitionen im Bereich alternativer Antriebe in Verlustgeschäfte. Kurzfristig macht den Autobauern das Verkaufen großer PS-Boliden viel Freude, denn die Gewinne sprudeln. Dummerweise werden die Kunden erneut umerzogen; das könnte ihnen in ein paar Jahren wehtun, wenn die neue Regulierung für CO2-Einsparungen greifen wird. In Europa bereitet man schon jetzt die Gespräche zum Einstieg des Automobilsektors in den Emissionshandel vor. Niedrige CO2-Preise für die Emissionszertifikate in Verbindung mit billigem Sprit wären geradezu Gift für alternative Antriebe und für das Weltklima. 
Aber Detroit hat mehr gezeigt als nur dicke Autos. 

(Illustration: Valentin Kaden; Titelbild: depositphotos)