Geschlagene 15 Stunden dauerte die Anhörung am Montag – von neun Uhr morgens bis um Mitternacht. Nun müssen Verbraucher und Lobbygruppen bis Freitag warten. Dann wird Nevadas Regulierungsbehörde PUC eine Entscheidung über die Zukunft der Solarindustrie in dem Bundesstaat treffen. Die PUC hatte geladen, um Ausnahmen von einer höchst umstrittenen Tariferhöhung für die Besitzer von Dach-Solaranlagen zu beraten, die in den USA als „Krieg gegen Solar“ für Aufsehen sorgt. Die neue Regelung, die zum 1. Januar in Kraft getreten ist, hat das Potenzial, Nevadas gerade erst erblühten Solarmarkt zu zerstören.

Was ist passiert? Der Energieversorger und Monopolist NV Energy darf laut einem Beschluss der Regulierungsbehörde von Dezember die Gebühren verdreifachen, die Kunden mit Dach-Solaranlagen für die Nutzung des öffentlichen Stromnetzes zahlen – stufenweise innerhalb von vier Jahren. Gleichzeitig kappt er die Vergütung des Stroms, den die Solarkunden produzieren und ins Netz einspeisen, das sogenannte Net-Metering, um drei Viertel. So bekommen Bürger ab 2020 nur noch 2,6 Cent anstatt 11 Cent pro Kilowattstunde eingespeisten Stroms. „Unter der neuen Regelung kann sich keiner mehr Solaranlagen leisten“, sagt SolarCity-Sprecherin Chandler Sherman. „Ein durchschnittlicher Kunde muss NV Energy über die nächsten 20 Jahre 11.000 Dollar mehr zahlen als bisher.“

 

Absurd: Die Erhöhung gilt auch rückwirkend

Besonders absurd ist, dass die Erhöhung auch rückwirkend gilt: Dadurch werden unter anderem 17.000 Anwohner abgestraft, die für die Installation von Solaranlagen staatliche Zuschüsse bekommen hatten. Sie waren bei ihrer Investition davon ausgegangen, dass die Gebühren für die nächsten 20 bis 30 Jahre stabil bleiben und sie ihre Stromrechnung deutlich reduzieren können. Jetzt müssen sie fürchten, in Zukunft mehr zu zahlen als herkömmliche Energiekunden – und das, obwohl sie fast ihren gesamten Strom selbst produzieren. Die Kommission hatte ihre Entscheidung damit begründet, dass Kunden mit Solaranlagen einen fairen Anteil für die Nutzung des öffentlichen Netzes zahlen müssten. Lobbygruppen hingegen halten die zugrunde gelegten Berechnungen für falsch, zumal Solaranlagen die Umwelt schonen.

Mehrere Solarfirmen hatten als Reaktion auf den Erlass ihre Kapazitäten aus Nevada abgezogen. Branchenführer SolarCity entließ im Januar 550 Mitarbeiter. Die Aktie des Silicon-Valley-Unternehmens ist seit Billigung des Gesetzes um 37 Prozent gefallen.

Viele fürchten, dass Nevada zum Präzedenzfall wird und andere Gesetzgeber nachziehen – in rund der Hälfte aller US-Bundesstaaten werden derzeit die Richtlinien fürs Net-Metering neu geregelt.

 

Elon Musk vs. Warren Buffett

Das Magazin Bloomberg Business inszenierte den Solar-Streit gar als „Kampf der Milliardäre“  zwischen Warren Buffett und Elon Musk. Auf dem jüngsten Titelbild hält der legendäre Investor den Tesla-Gründer im Würgegriff. Hintergrund: Elon Musk ist Mitbegründer und größter Aktionär von SolarCity, während der öffentliche Energieversorger und Nevada-Monopolist NV Energy zum Imperium von Warren Buffett gehört. Eine dezentrale Energieversorgung, wie sie SolarCity fördert, lässt die Erlöse der großen Konzerne schrumpfen: Je mehr Solaranlagen die Bürger auf ihren Dächern montieren, desto weniger geben sie für ihre Stromrechnungen aus.

Doch es gibt Hoffnung: Nach andauernden Protesten und Klagen von Bürgern und Lobbygruppen hat NV Energy eingelenkt – und Ausnahmeregelungen für Bestandskunden von SolarCity und Co vorgeschlagen. Zur Debatte stehen sieben Vorschläge. „Heute wird ein Entwurf für einen Erlass erstellt, über den die Kommission am Freitag entscheidet“, sagt Peter Kostes, Sprecher der Regulierungsbehörde am Mittwoch. Die staatliche Verbraucherschutzbehörde, die die Anlagenbesitzer in den Anhörungen vertritt, als auch SolarCity fordern Bestandsschutz für die nächsten 20 Jahre. „Alle Kunden, die ihre Verträge zu den alten Konditionen unterschrieben haben, sollen sie auch weiterhin bekommen“, sagt Sprecherin Sherman. „Wir hoffen, dass die Kommission die richtige Entscheidung fällt.“

 
(fotos: Wikipedia, flickr/Waltmart)