EEG-Umlage
17.12.2012

Arm und Reich zahlen gleich

birgitH / pixelio

Die Umlage nach dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz belastet über den Strompreis vor allem die einkommensschwachen Haushalte, zeigt eine neue Studie. Und noch mehr: Mit eigener PV-Anlage auf dem Dach gehören die Wohlhabenden sogar zu den Profiteuren.

Für die EEG-Umlage zahlen einkommensschwache Haushalte fast ebenso viel, wie einkommensstarke Haushalte. Zu diesem Ergebnis kommt die nun veröffentlichte Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Grund dafür: So unterschiedlich Einkommen sind, Strom verbrauchen alle annähernd gleich viel. „Bei einem mehr als sechs mal so hohen Einkommen sind die Stromkosten nur um rund ein Viertel höher“, erklärt Michael Hüther, Direktor des IW. 

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In Relation zum Einkommen werden die ärmeren Haushalte damit durch die EEG-Umlage deutlich stärker belastet. 1,3 Prozent ihrer Bezüge zahlen die einkommensschwächsten 10 Prozent ab 2013 für die Umlage, bei den einkommensstärksten sind das hingegen nur 0,2 Prozent.  

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Dazu kommt, dass die Profiteure der Umlage laut Studie vor allem finanzstarke Familien sind, was das Beispiel der privaten Photovoltaikanlagen zeige. „Mit zunehmendem Einkommen steigt deren Zahl beinahe kontinuierlich“, erklärt Hüther. Einen Überschuss von rund einer Milliarde Euro erwirtschafteten 2011 Haushalte mit Solardachanlagen, dies jedoch nur zu einem geringen Teil durch den Strommarkt. „85 Prozent der Gewinne fließen aus dem staatlichen Fördertopf an vorwiegend einkommensstarke Haushalte“, beklagt der IW-Wissenschaftler. 

Dietmar Schütz, Präsident des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE), sieht den Bericht kritisch. Er sei der gezielte Versuch, „ die Erneuerbaren für soziale Not in Deutschland verantwortlich zu machen“, sagt Schütz. Anders als fossile Energieträger und Atomenergie ergäben sich bei den erneuerbaren Energien deutlich weniger Folgekosten etwa durch die Endlagerung von Atommüll. Nur so bliebe Energie auch für künftige Generationen bezahlbar. „Was die einkommensschwächsten Haushalte betrifft, ist es eine sozialpolitisch gebotene Notwendigkeit, staatliche Transferleistungen den realen Lebenshaltungskosten anzupassen.“

 

Daniel Seeger
Keywords:
Strompreis | EEG-Umlage
Ressorts:
Governance | Markets

Kommentare

Ich halte die Untersuchung des IW für tendenziös, weil durch die Gegenüberstellung von "wohlhabenderen " und "ärmeren" Familien eine wenig zielführende Neiddebatte an einem völlig falschen Punkt festgemacht wird. Zuerst ist anzumerken, dass es vor allem eine Auswirkung der Politik ist, wer für die EEG-Umlage zahlt und vor allem wer nicht!

Große Stromverbraucher profitieren dreifach von ihrem hohen Verbrauch, zum einen kaufen sie billiger an der Strombörse ein, seit es mehr EE im Netz gibt, Gleichzeitig werden sie von der EEG-Umlage befreit, zum dritten besteht kein Investitionsdruck für energieeffizientere Technik. Warum eigentlich wurde über Jahrzehnte die Förderung von AKW und Kohlekraft eigentlich nicht über den Strompreis abgerechnet, sondern aus Steuermitteln?

Diese Wettbewerbsverzerrung hat schon viel zu lang verschleiernd gewirkt. Die ganze "Untersuchung" des DIW dient nur der Verwirrung und soll bewirken, dass ein immer größer werdender Anteil einkommensschwacher Bevölkerung einen Hass auf die erneuerbaren Energien bekommt und auf diese Weise den notwendigen Gesellschaftswandel, wie er durch erneuerbare Energie greifbar wird – und zwar mit positiven globalen Auswirkungen- ablehnend gegenüberstehen soll.

Ich begreife nicht, warum es so viele intelligente Leute gibt, die freudig ihr Geld in Projekte stecken, die nachweislich die Lebensgrundlagen zerstören, nur weil sie gut Rendite versprechen, bzw. wo sie extra durch politische Einflussnahme vorher dafür gesorgt haben, dass sämtliche Risiken durch Steuergelder abgesichert wurden. Sie sollten sich mal ernsthafte Gedanken machen, ob diese Art der Lustbefriedigung wirklich ihrer tiefsten Lebensabsicht entspricht.

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