BIZZ-Exklusiv
07.10.2015

Auf dem falschen Stuhl

fotos: PR, Simone M. Neumann
Vizekanzler Sigmar Gabriel mit Kanzlerin Angela Merkel.

Im verminten Terrain der Energiepolitik kann sich Sigmar Gabriel kaum gegen die Kanzlerin profilieren. An seinem Ruf als Merkel- Herausforderer kratzen auch Genossen aus den eigenen Reihen.

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Das Grundübel sieht Spöri in der Junior-Rolle der SPD innerhalb der Großen Koalition, deren Fortsetzung „unbedingt vermieden werden“ müsse. Spöri ergänzt: „Dank der Duckmäuserei der SPD-Führung gegenüber der Union in allen zentralen politischen Fragen haben wir inzwischen in Deutschland eine Parteienstruktur mit Unterschieden wie zwischen Coca-Cola, Pepsi und fritz-kola.“ 

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Der im August verstorbene SPD-Chef-Stratege Egon Bahr hatte seine SPD schon 2004 davor gewarnt, in eine Große Koalition einzutreten. Das, so Bahr, bringe garantiert Vertrauensverlust. Jüngst erinnerte Uwe-Karsten Heye, Regierungssprecher unter  Kanzler Schröder und Redenschreiber von Willy Brandt, an Bahrs Warnung.

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Gabriel betont die Nähe zu den Christdemokraten

Gabriel hingegen betont eher Gemeinsamkeiten und Nähe zu den Christdemokraten. So engagierte er den PR-Experten Thomas Hüser als neuen Berater. Der Chef einer PR-Agentur in Essen war früher CDU-Mitglied und ist vielen SPD-Linken suspekt. Hüser bezeichnet sich selbst als „Schwarzfußindianer bei den Rothäuten“. Die SPD leidet nach Hüsers Meinung an einer „Selbstverzwergung“. Sie mache sich kleiner als sie ist. Merkels Passivität habe seit einer Dekade Methode. Dagegen müsse die SPD die Menschen aufrütteln.

Der Eintritt in die Große Koalition war also schlecht genug. Doch dabei machte Gabriel zusätzlich einen gewaltigen persönlichen Fehler, zumindest aus Sicht vieler parteiinterner Kritiker: Er beanspruchte das Wirtschaftsministerium für sich – anstatt das Finanzressort, das die SPD in der ersten Regierung Merkel in Person von Peer Steinbrück geführt hatte. So kann sich die Kanzlerin jetzt auf den CDU-Parteifreund Wolfgang Schäuble stützen, der ähnlich gute Umfragewerte erzielt wie sie selbst. Schäubles Ministerium ist das außen- und europapolitische Schlüsselressort, in dem sich Gabriel etwa in der Griechenland-Politik hätte profilieren können.  Warum nur ergriff er diese Chance nicht? „Man darf über die Ressorts für sich nicht von Anfang an taktisch nachdenken“, antwortet der studierte Deutsch- und Politiklehrer aus Goslar im Rückblick: „Mich hat das Ressort Wirtschaft und Energie am meisten interessiert.“

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Keywords:
Sigmar Gabriel | Energieminister | SPD | Angela Merkel | Portrait | Energiepolitik
Ressorts:
Governance

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