Digitalisierung
06.02.2017

Auf dem Weg zum Blockchain-Versorger

Foto: istockphoto.com / 3103jp
Solarstrom für Mieter lässt sich per Blockchain abrechnen.

Energieunternehmen suchen händeringend nach Möglichkeiten, Geschäftsmodelle mit Blockchains aufzusetzen.

Bekannte Prozesse aus der Energiewirtschaft mit Hilfe des Transaktionsprotokolls Blockchain zu digitalisieren, erprobt beispielsweise der Stadtwerke Energieverbund aus Kamen. Der Unternehmenskooperation schwebt beispielsweise ein Vorauskassemodell mit der Blockchain vor, sagte Geschäftsführer Jochen Grewe kürzlich beim Blockchain-Tag von Vattenfall und Solarpraxis Neue Energiewelt.

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Die Blockchain erlaube eine Echtzeitbilanzierung, dem Kunden werde angezeigt, wie viel er pro Tag verbraucht habe. So könne er sein Verbrauchsverhalten anpassen oder das Vorauskassekonto wieder befüllen. Vorauskasse bietet allerdings beispielsweise Eon bereits Haushaltskunden in Großbritannien an, dort ohne die Blockchain. Eine zumindest monatliche statt einer jährlichen Abrechnung bietet ebenfalls ohne Blockchain der österreichische Energielieferant Awattar an.

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Einen Vorteil der Blockchain sieht Grewe darin, dass auf diesem Weg perspektivisch auch die Abrechnung der Energiesteuern zwischen Endkunden und Behörden abgewickelt werden könnte.

 

Innogy arbeitet an Ausgleichsenergie

Der Versorger Innogy hat 2015 bereits die Lieferung von Solarstrom zwischen Haushalten über eine Blockchain abgerechnet. Die neue Leiterin des Innovationsbereichs Machine Economy, Kerstin Eichmann, sagte in Berlin, Innogy arbeite derzeit an einer neuen Blockchain-Anwendung, mit der bei Stromlieferungen ein Ausgleich zwischen Verbrauchs- und Erzeugungsprognosen einerseits und den Ist-Zuständen andererseits hergestellt werden solle. Außerdem überlege Innogy, wie bei Blockchain-Apps zusätzliche Player beteiligt werden könnten.

Den Markt hinter digitalen Stromzählern will Sebnem Rusitschka mit der App Adpteve ihres Start-ups Freeelio erschließen. In Mehrfamilienhäusern könnten mit Blockchains beispielsweise Mieterstrommodelle umgesetzt werden, gab sich die ehemalige Siemens-Entwicklerin überzeugt.

 

StromDAO soll Grünstrom ins Netz integrieren

Einen Stromversorger, der sämtliche energiewirtschaftlichen Prozesse komplett über eine Blockchain abwickeln kann, sieht Tobias Federico, Geschäftsführer von Energy Brainpool, innerhalb der nächsten zehn Jahre nicht. An einem Stromversorger nach Art eines sich dezentral autonom organisierenden Unternehmens arbeitet allerdings bereits Thorsten Zörner mit seinem Projekt StromDAO.

Ein wichtiger Bestandteil ist der Nachweis, dass Kunden Elektrizität netzdienlich verbraucht haben. Ein sogenannter Stromindex zeigt postleitzahlenscharf an, wie viel Grünstrom gerade im Netz ist. Verbraucht der Kunde zu Zeiten mit hohem Grünstromanteil Elektrizität, bekommt er eine digitale Währung gutgeschrieben. Über die Blockchain sollen die einzelnen Transaktionen abgewickelt werden.

Manuel Berkel
Keywords:
Digitalisierung | Blockchain | Innogy | StromDAO | Freeelio | Stadtwerke Energieverbund
Ressorts:

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