Elektromobilität
14.07.2016

Aufsicht ermittelt gegen Tesla

Foto: Norsk Elbilforening
Tesla Model S, der tödliche Autopilot-Crash geschah im selben Modell

Elon Musk braucht positive Schlagzeilen: Nachdem die Behörden wegen Unfällen mit dem vermeintlichen Autopiloten ermitteln, will er nun einen „Tesla-Masterplan“ vorlegen.

 

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Es sind schwierige Zeiten für Elon Musk, das Wunderkind der Autobranche. Zum einen ziehen der  tödliche Crash in den USA bei eingeschaltetem Fahrassistenten sowie ein weiterer Unfall mit einem Tesla immer weitere Kreise: Nicht nur, dass die Verkehrsbehörden nach den Ursachen suchen. Inzwischen ermittelt auch noch die US-Börsenaufsicht SEC, ob Tesla die Anleger schon früher von dem Unfall hätte informieren müssen. Denn nur elf Tage nach dem Unglück, dass sich bereits im Mai ereignete, verkaufte der Autobauer Aktien im Wert von 1,4 Milliarden Dollar. Die Öffentlichkeit informierte Tesla allerdings erst im Juni – und verteidigte sich damit, dass die Untersuchung des Unfalls erst Ende Mai abgeschlossen worden sei. Zudem habe die Nachricht den Aktienkurs von Tesla kaum beeinflusst. Doch die SEC sieht offensichtlich Klärungsbedarf.

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Außerdem ist da noch die Kritik an Elon Musks Übernahmeangebot von Solarcity, dem Unternehmen seiner Cousins. Die Idee, künftig Elektroautos, Batterien und Solarstrom aus einer Hand zu verkaufen, stieß auf wenig Gegenliebe. Aus Sicht von Analysten sollte sich Musk lieber auf Teslas bestehende Baustellen konzentrieren: nämlich die Produktion des neuen Model 3 aufstocken und seine Batterie-Gigafabrik in der Wüste von Nevada fertigstellen. Schließlich hat Musk angekündigt, bereits ab 2018 jährlich 500.000 Fahrzeuge fertigen zu lassen, zwei Jahre früher als geplant. Die Fabrik braucht er, um die Produktionssteigerungen möglich zu machen und die Batteriekosten zu senken.

 

Statistiken statt Mitgefühl

Kein Wunder also, dass der erfolgsverwöhnte Musk nach Wochen negativer Schlagzeilen versucht, gegenzusteuern: Der Unternehmer hat auf Twitter angekündigt, noch im Laufe dieser Woche einen „geheimen Tesla-Masterplan, Teil 2“ präsentieren zu wollen. In dem ersten Teil hatte der Gründer vor zehn Jahren im Unternehmensblog ein Strategiepapier veröffentlicht, in dem er seine Pläne für die Modellfamilie skizzierte. Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Morgan Stanley-Analyst Adam Jones etwa mutmaßte, Musk könnte eine Vision für den öffentlichen Nahverkehr präsentieren – genauer gesagt, so etwas wie einen „on-demand Mobilitätsservice“. Ob die Ankündigung jedoch mehr als ein PR-Schachzug ist, muss sich erst noch zeigen.

Tesla steht mit seiner bisherigen Krisen-Bewältigung in der Kritik: Musk habe sich zu aggressiv verteidigt und mit Statistiken hantiert, anstatt Mitgefühl zu zeigen, ist zu hören. Aus Sicht des amerikanischen Beraters Adam Paige hat Tesla jedoch alles richtig gemacht. So habe der Autobauer zunächst alle Fakten vollständig verstehen wollen, bevor er die Öffentlichkeit informiert habe. „Die Reaktion war kalkulierend, aber nicht kalt, in dem Sinne, dass Tesla gut darauf vorbereitet war, dass dieser Tag kommen würde“, sagte Paige, der selbst aus der Autoindustrie stammt, zu bizz energy. Musk hatte nach dem Bekanntwerden des tödlichen Unfalls auf die Statistik verwiesen und betont, dass Teslas mit eingeschaltetem Autopilot sicherer seien als Fahrzeuge ohne Fahrassistenz. So hätten Tesla-Autos mit Autopilot bisher mehr als 200 Millionen Kilometer unfallfrei zurückgelegt, während ohne Fahrassistent deutlich häufiger etwas passiere.

 

Autopilot oder bloß Assistent

Über Twitter machte Musk außerdem klar, was mit der Beta-Version gemeint ist, in der sich der Autopilot derzeit noch befindet: „Beta“ beziehe sich auf ein System, das weniger als eine Milliarde Meilen gefahren ist. Den Begriff habe man absichtlich gewählt, damit es sich die Fahrer nicht zu bequem hinter dem Steuer machten. Es bedeute jedoch nicht, dass die Software unfertig sei: „Es handelt sich um keine Beta-Software im herkömmlichen Sinn“, so Musk. Tesla hatte nach dem Unfall mehrfach darauf hingewiesen, dass die Fahrer auch bei eingeschaltetem Fahrassistent zu keiner Zeit die Hände vom Lenkrad nehmen dürften. Der Autopilot war allerdings so beworben worden, als würde er die Fahrzeuge bereits autonom steuern.

 

Deutsches Kraftfahrbundesamt ermittelt

Zuvor hatten Medien berichtet, dass das deutsche Kraftfahrzeug-Bundesamt (KBA) Teslas Autopilot-System womöglich nicht genehmigt hätte. „Wenn mit der Bezeichnung ‚Beta-Version’ ein ‚unfertiger’ Stand der Software gemeint ist, würde das KBA eine Funktionalität mit einer derartigen Software nicht genehmigen“, erklärte die Behörde. Die Tesla-Fahrzeuge wurden für Europa in den Niederlanden zugelassen. Das KBA ist nun dabei, die Fahrerassistenz-Technik von Tesla genauer unter die Lupe zu nehmen. 

Aus Sicht von Berater Paige kommt es nun vor allem darauf an, was das Unternehmen aus der Krise lernt: Tesla werde danach bewertet, ob es künftig mit Kampagnen zum Fahren mit dem Autopilot-System die Sicherheit erhöhe, und wie es mit den Behörden für künftige Leitlinien kooperiere. „Ich kann mir vorstellen, dass bei einem so smarten Unternehmen wie Tesla bereits ein Plan in der Mache ist“, so Paige. 

Jutta Maier
Keywords:
Tesla | Autopilot | Unfall | Modell S | Fahrrerassistenz | autonomes Fahren | Beta | Crash | Masterplan | Elon Musk | KBA | Adam Paige
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