Offshore Wind
19.07.2016

Auftrieb für schwimmende Windmühlen

Foto: Wikipedia Principle Power
Die Pilotanlage von Principle Power vor der portugiesischen Küste.

Beim Wettstreit um niedrigere Kosten bei der Offshore-Windenergie setzt die Branche zunehmend auf schwimmende Anlagen. Das soll helfen, die Kosten für Windanlagen auf See zu senken.

Schwimmende Windkraftanlagen sind die „Game Changer“ der Branche. Das jedenfalls glaubt das europäische Start-up-Netzwerk KIC InnoEnergy. Vier Millionen Euro ist dem Unternehmen die Technik wert. Mit dieser Summe fördert KIC das US-amerikanische Unternehmen Principle Power, wie aus einer am Dienstag veröffentlichten Mitteilung hervorgeht. Mit der Finanzspritze sollen Entwicklung und Vertrieb weltweit Auftrieb erhalten. 

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Vor allem auf der Kostenseite versprechen die auf dem Meer schwimmenden Windräder deutliche Einsparungen. Ab 2020 sollen kommerzielle schwimmende Turbinen Windstrom für unter 100 Euro pro Megawattstunde liefern können, verspricht Principle Power.

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Vor Schottland entsteht das größte Projekt

Schon 2011 installierte die US-amerikanische Firma eine Anlage mit zwei Megawatt rund fünf Kilometer von der portugiesischen Küste. Seitdem hat sie mit rund 17 Megawattstunden genug Strom für umgerechnet 17.000 Haushalte in das lokale Netz eingespeist. Geplant ist, 2018 oder 2019 die nächste von Principle Power entwickelte Demo-Anlage mit 25 Megawatt-Anlage vor Portugals Küste zu installieren. An dem Projekt sind führende europäische Energiekonzerne beteiligt, darunter der portugiesische Versorger EDP Renewables und die Windsparte des japanische Mitsubishi Konzerns. Neben dem Geld des europäischen Innovations-Netzwerks fördert die Europäische Kommission das Vorhaben.

Noch stehen Offshore-Windmühlen mit im Meeresboden verankerten Fundamenten überwiegend in flachen Gewässern unweit vom Ufer. Das soll sich mit den neu entwickelten schwimmenden Anlagen ändern. Die aufwendigen dreieckigen Stahlkonstruktionen sollen auch in tieferen Gewässern fernab der Küste zum Einsatz kommen. Die Turbinen können vollständig in Fabriken an Land gefertigt werden und werden dann auf See geschleppt. Auch für Wartung und Reparatur können einzelne Windmühlen per Schiff zurück an Land gebracht werden. Weil weit draußen auf dem Meer ein stärkerer Wind weht, ist zudem die Windausbeute größer.

 

Neue Märkte vor allem in Asien und im Atlantik

Principle Powers sieht vor allem in Nordeuropa, im Atlantik und an der Mittelmeerküste sowie in Japan, China, Taiwan, Korea und an der West- und Ostküste der USA Märkte für die auf dem Wasser treibenden Turbinen.

Der Startschuss für das derzeit größte Projekt dieser Art fiel schon Ende 2015. Rund 25 Kilometer vor der schottischen Nordseeküste baut der norwegische Ölgigant Statoil einen schwimmenden Windpark mit 30 Megawatt. Die Testanlage hierfür wurde bereits 2009 installiert. Konstruiert werden die fünf Turbinen vom deutschen Technikriesen Siemens. Anfang nächsten Jahres werden die Anlagen laut Siemens an der schottischen Küste zusammengesetzt und dann auf schwimmenden Unterkonstruktionen auf See installiert. „Schwimmende Fundamente werden künftig im Offshore-Markt an Standorten eine Rolle spielen, an denen die Wassertiefen weit über 50 Metern liegen und damit für die bisherigen Fundamentkonzepte wie Monopiles und Jackets ungeeignet sind“, zeigt sich ein Siemens-Sprecher gegenüber bizz energy überzeugt.

 

Siemens sieht Technologie noch am Anfang

Er sieht die Technologie – im Gegensatz zu Principle Power - jedoch noch in den Kinderschuhen. Zum aktuellen Ziel, die Stromgestehungskosten bis 2020 auf unter 10 Cent pro Kilowattstunde zu senken, werden schwimmende Windturbinen jedoch noch keinen Beitrag leisten können, sagt der Siemens-Sprecher. „Denn diese Entwicklung ist noch sehr jung.“ 

Auch Siemens hatte jüngst angekündigt, die Kosten für Offshore Wind zu senken und die als magisch geltende 100 Euro Grenze pro produzierter Megawattstunde Windstrom ab 2020 einhalten zu können. Gemeinsam mit zehn weitere Unternehmen ist Siemens Teil einer europäischen Initiative, die Anfang Juni erklärte, die Offshore-Windenergie binnen weniger Jahren noch wettbewerbsfähiger machen zu wollen.

In den Niederlanden ist diese Grenze jüngst bereits gefallen. Für die niederländischen Offshore-Windparks Borssele 1 und 2 hat sich der dänische Energiekonzern Dong Energy bei einer Ausschreibung mit einem Angebotspreis von 72,70 Euro pro Megawattstunde durchgesetzt.

 

Jana Kugoth
Keywords:
Offshore Windenergie | schwimmende Windparks | Portugal | KIC InnoEnergy | Siemens | Niederlande | Schottland | Statoil
Ressorts:
Technology | Markets

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