Erneuerbare Energien
18.01.2018

Wind-Auktionen: Niedriggebote sind Banken zu riskant

Foto: iStock
Als Windparks wie dieser finanziert wurden, machten Banken dank fester Einspeisevergütungen freudig mit. Das ändert sich nun.

Banken tun sich schwer ohne staatlich garantierte Ökostrom-Vergütung. Auf niedrige und volatile Strompreise wollen sie keine Projektfinanzierung aufbauen. Das trifft die mittelständische Energiebranche hart.

Wer bisher einen Windpark bauen wollte, musste kein Energiekonzern sein. Auch kleinere Stadtwerke und Projektentwickler waren dazu in der Lage. Das Gros der Windparks an Land und auch auf See sind heute sogenannte Projektfinanzierungen. Dabei ist der Kreditanteil in der Regel mit mindestens drei Vierteln besonders hoch. Das Ausfallrisiko, falls etwa der Wind ausbleibt oder die Anlagen kaputtgehen, tragen größtenteils die Banken. Dank staatlich garantierter Einspeisevergütung über 20 Jahre war das Risiko für sie bisher aber überschaubar.

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Diese Zeiten sind nun vorbei. Nach der Umstellung des Fördersystems auf Ausschreibungen durch die Bundesregierung kündigten die ersten großen Energieversorger 2017 an, Meereswindparks ohne staatliche Subventionen zu bauen. Ein ähnlicher Trend zeichnet sich bei Wind an Land und bei Solarenergie ab. Die Investitionen in die Anlagen sollen sich bald nur noch über die Erlöse am Strommarkt refinanzieren, versprechen manche Stromversorger.

 

Problematische „Null-Cent-Projekte"

 

Doch die Rechnung wurde offenbar ohne die Banken gemacht: Sollten subventionsfreie Projekte tatsächlich die Regel werden, hätten Banken große Schwierigkeiten, auf den niedrigen und stark schwankenden Strommarktpreisen Projektfinanzierungen aufzubauen, ihnen wäre das Risiko zu hoch: „Ich habe noch keine Bank gesehen, die klar gesagt hat, wir haben ein Konzept, wie wir das machen würden“, sagt Matthias Zelinger, energiepolitischer Sprecher des Maschinenbauverbandes VDMA, im Gespräch mit dem Magazin bizz energy. Auch die bundeseigene Förderbank KfW, oft Zugpferd der Projektfinanzierungen, würde ein solches „Null-Cent-Projekt“ ohne Förderung im Moment nicht finanzieren, sagt Zelinger. Die KfW wollte sich dazu auf Anfrage nicht äußern.

 

Lars Quandel, Leiter der Energieabteilung bei der HSH Nordbank, erklärt die Zurückhaltung der Banken mit dem hohen Kreditvolumen und der Unsicherheit, die den Strompreis-Prognosen anhaftet. Diese Skepsis unterscheide die Banken von den optimistischeren Energieversorgern, die in ihren Null-Cent-Geboten auf Auktionen deutlich steigende Preise unterstellten, so Quandel.

 

Energiekonzerne im Vorteil

 

Die Finanzierungsprobleme in einer möglichen Null-Cent-Welt könnten zu einer drastischen Verringerung der Akteursvielfalt führen. Denn die wenigen großen Energieversorger sind nicht auf Projektfinanzierungen angewiesen. Sie sind wirtschaftlich stark genug, Zins und Tilgung unabhängig vom Erfolg ihres Projektes zu bedienen, und zahlen dafür deutlich weniger Zinsen. Die Großen haben außerdem Zugang zu ganz anderen Kapitalgebern. So verkauft der staatliche dänische Konzern Ørsted (ehemals Dong) in der Regel die Hälfte seiner Projekte an institutionelle Investoren wie Pensionsfonds, behält aber die Kontrolle.

 

Für eine Projektfinanzierung brauchen die Banken in Zukunft irgendeine Form von dauerhaftem Mittelrückfluss. Der könnte darin bestehen, dass die Projektentwickler langfristige Lieferverträge zu festen Konditionen mit (industriellen) Großkunden schließen, sogenannte Power Purchase Agreements (PPAs).  Die HSH Nordbank hat im November das bislang größte PPA finanziert, für den schwedischen Onshore-Windpark „North Pole“ mit 650 MW Leistung. Die Projektentwickler GE und Macquarie schlossen dazu einen Abnahmevertrag über 19 Jahre mit dem Aluminiumhersteller Norsk Hydro. Zusätzlich erhalten sie eine staatliche Vergütung über grüne Zertifikate.

 

Verbündet mit Google und Amazon

 

Der Markt für PPAs entwickelt sich allmählich – getrieben vor allem von Internetkonzernen wie Google, Microsoft oder Amazon. Sie benötigen für ihre Rechenzentren rund um die Uhr jede Menge Strom und möchten sich zudem ein grünes Image verpassen. (Lesen Sie auch: Windstrom lockt Facebook, Apple& Co. nach Dänemark)

 

Am wahrscheinlichsten seien „synthetische PPAs“, sagt Carla Luh. Die Partnerin der Wirtschaftskanzlei Hogan Lovells berät Banken und Investoren bei Projektfinanzierungen. Bei solchen PPAs seien nicht Großverbraucher, sondern große Energieversorger die Vertragspartner und Abnehmer. Eine Projektfinanzierung werde möglich, wenn ein Energieversorger mit ausreichender Bonität bestimmte Mindestpreise über einen ausreichenden Zeitraum gewährleiste. „Die Energieversorger können den über das PPA eingekauften grünen Strom dann an ihre eigenen Großkunden weiterverkaufen“, sagt Luh.

 

Der Haken allerdings: Feste Lieferverträge mit den großen Versorgern drohen deren Vormachtstellung auf dem Energiemarkt zu zementieren. Dies passt nicht zum Ziel der Bundesregierung, die Akteursvielfalt zu erhalten.

 

Unklare Konditionen

 

Abzuwarten bleiben auch die Konditionen der PPAs. Mitunter werden Verträge mit sehr kurzen Laufzeiten von fünf Jahren geschlossen, was zwar günstig ist für den Kunden, aber schlecht für den Betreiber. Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hatten in den meisten EU-Ländern in der Vergangenheit nur wenige große Energieversorger die Finanzkraft, solche Langfristverträge abzuschließen. Das habe ihnen die Macht gegeben, die Vertragspreise mit den Lieferanten zu drücken. PPAs können demnach einerseits zu niedrigen Preisen für die Projektentwickler, andererseits aber zu höheren Finanzierungskosten für die Abnehmer und somit zu höheren Kundenpreisen als im alten Vergütungssystem führen.

 

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Steven Hanke
Keywords:
Auktionen | Einspeisevergütung | Banken | erneuerbare Energien
Ressorts:
Finance

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