Wärmeerzeugung
09.02.2018

Aus für Erdgas: Vattenfall will komplett ohne fossile Brennstoffe heizen

Foto: Vattenfall
Gasbetriebenes Heizkraftwerk von Vattenfall in Berlin-Lichterfelde

Der Wärme- und Stromversorger Vattenfall plant auf lange Sicht, fossile Brennstoffe durch synthetisch erzeugtes Gas zu ersetzen. Sein Deutschland-Chef Tuomo Hatakka macht sich für eine CO2-Steuer stark.

Vattenfall stellt seine Heizkraftwerke in Berlin von Kohle auf Erdgas um, doch das ist nach Worten von Vattenfall-Deutschland-Chef Tuomo Hatakka "nur eine Übergangslösung". Nach dem Schwenk von der Kohle zum klimafreundlicheren Erdgas wolle das Unternehmen bei seiner Fernwärmeversorgung ganz auf fossile Brennstoffe verzichten, sagte Hatakka kürzlich in einer energiepolitischen Diskussion in Berlin.

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Der finnische Manager, der im Konzernvorstand des schwedischen Versorgers das Wärmegeschäft verantwortet, richtet seine Hoffnungen vor allem auf die Umwandlung von Strom aus erneuerbaren Energien in Wärme (Power-to-Heat) und in Gas (Power-to-Gas). Bei letzterer wird überschüssiger Wind- oder Solarstrom mittels Elektrolyse in Wasserstoff umgewandelt und kann zu Methan weiterverarbeitet werden.

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Fernwärme "dekarbonisieren"

 

Noch ist die Power-to-Gas-Methode wegen hoher Kosten und eines geringen Wirkungsgrads nicht in industriellem Maßstab im Einsatz. Hatakka glaubt aber, dass sich das ändert: "Ich bin überzeugt, dass Power to Gas deutlich günstiger wird und in zehn Jahren eine echte Alternative ist", sagte er beim "Energiegespräch am Reichstag", veranstaltet von dem früheren Bundespolitiker und heutigen Direktor des European Centre for Energy and Resource Security in London, Friedbert Pflüger.

 

Ziel müsse zunächst sein, die Fernwärme in Deutschland durch den Ausstieg aus der Kohleverbrennung zu "dekarbonisieren", so Hatakka, und das solle staatlich gefördert werden. Der Deutschland-Chef des schwedischen Energiekonzerns sprach sich auch für die Einführung einer CO2-Steuer aus. Diese, sagte Hatakka, würde zur schnelleren Ausbreitung effizienter Energielösungen führen.

 

Millionen von Ölheizungen

 

Vattenfall ist in Berlin einer der größten Energieversorger und hat dort im Mai 2017 ein Braunkohlekraftwerk stillgelegt. Das Unternehmen will in der Hauptstadt in den kommenden Jahren alle seine Kohlekraftwerke vom Netz nehmen.

 

Vattenfall-Deutschland-Chef Tuomo Hatakka. Foto: Vattenfall
Fernwärme aus Heizkraftwerken wie den Anlagen von Vattenfall und aus dezentralen Gasheizungen macht allerdings nur einen Teil der fossilen Wärmeversorgung in Deutschland aus: Noch sind mehrere Millionen Ölheizungen in Privathaushalten in Betrieb. Auch sie müssen nach Hatakkas Auffassung durch klimafreundlichere Systeme ersetzt werden.

 

In Hamburg noch mit Kohle

 

Hatakka hatte sich bereits Mitte Januar während der Sondierungsgespräche zwischen CDU/CSU und SPD für einen geregelten Kohleausstieg und für mehr Windenergie stark gemacht. Er gibt seit einiger Zeit die Parole aus, Vattenfall werde "in einer Generation ein fossilfreies Unternehmen" sein.

 

Der Sinneswandel weg von der Kohleverbrennung hin zu klimafreundlicherer Erzeugung von Strom und Wärme ist bei dem Energieversorger in Deutschland allerdings noch nicht lange her. Noch im Jahr 2015 nahm Vattenfall im Hamburger Stadtteil Moorburg ein riesiges Kohle-Heizkraftwerk in Betrieb. Erst 2016 hat es seine Braunkohleförderung in der Lausitz an die tschechische Energieholding EPH verkauft. In den 2000er Jahren plante Vattenfall ein neues Steinkohlekraftwerk in Berlin, das aber nicht gebaut wurde.

 

Christian Schaudwet
Keywords:
Power to Gas | Wasserstoff | Power to Heat | Heizkraftwerk
Ressorts:
Technology | Markets

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